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Während Heiner Nachbarschulte in Östrichs neuem "Kapellchen" an der Hardstraße 114 als Erster den Hörer ans Ohr legt, kommen auch Pastor Christian Hilbricht (r.), Pastor Ulrich Franke (l.) mit Bürgermeister Tobias Stockhoff und Bernd Caspar Dietrich ins Gespräch.

Telefonzelle umfunktioniert

Der heiße Draht zu Gott

Östrich - Die kleinste Kapelle weit und breit ist jetzt auf dem Hardtberg, Hardtstraße 114, zu finden: Die Pfarrer Ulrich Franke und Christian Hilbricht schalteten in der gelben Telefonzelle die „Leitung zu Gott“ frei und laden ein zu Ruhe, Besinnung und Gebet.

Alles begann vor vier Jahren, als Heiner Nachbarschulte in der Zeitung las, dass die Telekom 500 ausgemusterte Telefonzellen verkaufen wollte. "Da habe ich sofort meinen Freund Bernd Dietrich angerufen und der sagte: ,Da müssen wir drei von haben.’"

Kleinste Whisky-Bar

Bei einem Gläschen Wein sinnierten die Freunde dann darüber, was man denn nun mit den drei erworbenen Telefonzellen machen wolle. "Für zwei hatten wir schnell eine Verwendung gefunden", schmunzelt Heiner Nachbarschulte: Die in seinem Garten verwandelte sich "zur kleinsten Whisky-Bar" mit Vollverglasung, Discokugel und einer erquickenden Auswahl geistiger Getränke. Dass der Künstler Bernd C. Dietrich für seine Telefonzelle eine Zukunft als kleinste Galerie auf dem Hohen Berg in Gahlen-Besten erkor, verwundert nicht wirklich.

Beten ist wie telefonieren

Und was wird aus Numero 3? Vielleicht war es ein Wink Gottes, als Heiner Nachbarschulte vor gut einem Jahr der Strahl der Erkenntnis traf: "Daraus wird das kleinste Kapellchen auf dem Hardtberg." Der zu Rat gezogene Pfarrer Dr. Carsten Roeger fand die Idee prima: "Beten ist ja so etwas wie telefonieren mit Gott", findet der Geistliche, der auch gleich sieben Regeln verfasste, die nun als Anleitung die Innenrückseite der "Gebetskabine" zieren. Bei der Umsetzung der originellen Idee liefen Heiner Nienhaus und Bernd C. Dietrich offene Türen ein: Oliver Schult gab gerne seine Einwilligung, die Telefonzelle auf seinem Grund und Boden aufzustellen. Landschaftsgärtner Eckhard Vornbrock stiftete "für lau" die Gestaltung des Plätzchens, das mit einer Ruhebank zur geistigen Einkehr einlädt.

Übergabe an die Öffentlichkeit

Zur Übergabe an die Öffentlichkeit hatten die Initiatoren auch Bürgermeister Tobias Stockhoff und die für diesen Bezirk zuständige "Geistlichkeit" - Pfarrer Christian Hilbricht (Evangelische Gemeinde Gahlen/Friedenskirche) und Pastor Ulrich Franke (St. Agatha) eingeladen, die Gebet und Segen sprachen. Bürgermeister Stockhoff dankte allen Beteiligten für die Umsetzung dieser tollen kreativen Idee: "Bislang war Östrich der einzige Stadtteil Dorstens, der noch keine eigene Kirche hatte. Jetzt hat er endlich eine. Und da diese räumlich am höchsten Punkt Dorsten steht, ist logischerweise auch die Distanz zu Gott am kürzesten."

Ruhepause gönnen

Stockhoff wünscht sich, dass viele Menschen diesen Ort der Besinnung nutzen, um mit Gott, aber auch mit anderen Menschen in Kommunikation zu treten. Ähnliches hoffen auch die Pastöre sowie Heiner Nachbarschulte: "Es wäre schön, wenn sich die Leute, die hier vorbeikommen, eine Ruhephase gönnen, sich auf die Bank setzen und vielleicht einmal wieder den heißen Draht zu Gott aktivieren würden."

Dass die Leitung akustisch stumm bleibt, sollte einen nicht beunruhigen. Erst einmal die Anleitung auf der Rückwand lesen, die rät: "Prüfen Sie bei Unterbrechungen, ob Sie nicht selbst in Gedanken den Kontakt gestört haben!" Auch solle man sich nicht angewöhnen, Gott nur über den Notruf anzuläuten. Als kleine Ermutigung vorweg sei noch erwähnt: "Telefonate mit Gott sind gebührenfrei."

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