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Kulturschaffender war er schon in Syrien, fürs Filmprojekt am Berufskolleg hat Ghait Issa gerappt.

Im Videoclip des Berufskollegs

Flüchtling rappt sich das Leid von der Seele

Dorsten - Gerappt wurde auch in Syrien: Gait Issa lebt seit elf Monaten in Wulfen. Der Theaterfreund und Rapmusiker hat für einen Filmbeitrag des Paul-Spiegel-Berufskollegs zum Landeswettbewerb "Hut ab - Respekt zeigen" seine Gedanken als Flüchtling in einer fremden Welt festgehalten. Das Gemeinschaftsprojekt kam in Düsseldorf gut an.

40 Prozent der 1.800 Schüler am Berufskolleg haben eine Migrationshintergrund. Seit Feburar 2016 gibt es drei Internationale Förderklassen (IFK), in denen 60 junge Flüchtlinge innerhalb eines Jahres zu einem dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Schulabschluss kommen sollen. Das sei kaum möglich, wenn man für jedes Problem einen Fachmann fordere, meinte Schulleiter Norbert Weber. Deshalb arbeiten Kollegium und Schüler eng vernetzt, um den Neuzugängen das Leben in der fremden Umgebung und Schule leichter zu machen.

Monir Ghorbani, einer der Schüler der Förderklassen, kommt aus Afghanistan. Er hat Farsi, eine persische Sprache, zuhause bei seinen Eltern gelernt und zeichnet bewegende Sprachbilder jetzt auch auf Deutsch: „Es ist schwierig für uns, weil unsere Seele schmerzt“, sagt der Schüler einer der drei Internationalen Förderklassen (IFK) am Paul-Spiegel-Berufskolleg. Ghorbani ist seit einem Jahr in Dorsten, seit Februar besucht er die IFK.

Hier geht's zum Video:

Monir Ghorbani trifft mit seinen Worten die Emotionen, die viele seiner Mitschüler bewegen. Er beschreibt ein Leid, das aus furchtbaren Umständen erwachsen ist, als diese jungen Menschen aus ihren Heimatländern vor Krieg, Gewalt und Tod flüchten mussten. „Toll, wie gut Monir nach gerade einmal neun Monaten Deutsch sprechen kann“, lobt stellv. Kolleg-Schulleiterin Michaela Büschemann ihn. Der junge Mann stehe stellvertretend für den Ehrgeiz und die Motivation, die sich die allermeisten der jungen Geflüchteten auf die Fahne geschrieben hätten: „Sie sagen, sie freuen sich, dass sie hier sein dürfen. Und sie bedanken sich bei ihren Lehrern“ – Michaela Büschemann weiß, wie sehr das Kollegium bewegt war, als die ersten neuen Schüler ihre Dankbarkeit äußerten: „Das ist ja nicht alltäglich."

Name des Hauses ist Programm

Nicht alltäglich ist auch, dass sich angehende Abiturienten um die Neuzugänge kümmern. Am Berufskolleg sei das aber normal, sagt der Schulleiter: "Viele unserer neuen Schüler durchlaufen im ersten Vierteljahr nach ihrer Ankunft bei uns eine Sozialisierungsphase, weil sie das Miteinander an einer Schule so nicht kennen“, sagte Weber.

Der Name des Hauses sei eben Programm, nicht aber erst, seitdem das Berufskolleg Paul-Spiegel-Berufskolleg heiße: "Wir haben vorher schon Flagge gezeigt."

Vier- bis fünfmal im Jahr beteiligt sich Paul-Spiegel-Berufskolleg an Projekten. Damit soll das tolerante Klima im Schulalltag gepflegt werden. Toleranz und Respekt haben am Berufskolleg viele Farben: Ein Videoclip zum Wettbewerb „Hut ab – ,Respekt zeigen“ – zeigt Fotowolken, die Theater AG bei der Arbeit, in der geflüchtete Schüler zusammen mit deutschen Schüler das Stück entwickelt haben. „Das ist in nur vier Wochen gelungen“, sagt stellv. Schulleiterin Michaela Büschemann. Schulprogrammschilder im Gebäude signalisieren auf künstlerische Art die Leitbilder der Schule: Solidarität, Respekt, Demokratie, Menschenwürde. Außerdem lernen angehende Hauswirtschafter Gebräuche, Sitten und Speiseregeln von Muslimen, Juden und Christen kennen. Sie bereiten Essen zu, dass von allen verzehrt werden kann.

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