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ARCHIV - Bryan Adams steht am 05.11.2015 bei der Preisverleihung "GQ Männer des Jahres" in Berlin in der Komischen Oper auf der Bühne. zu dpa "Rock- und Pop-Konzerte im Februar" vom 31.01.2017) Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Magischer Abend in der Arena

Ärger um Bryan Adams in Oberhausen - warum alle Fans trotzdem glückselig nach Hause gingen

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Oberhausen - Der einzige Misston erklingt bereits ein paar Tage vor dem Konzert: Bei Bryan Adams in Oberhausen werden Steh- kurzerhand in Sitzplätze umgewandelt. Die Betroffenen sind sauer. Am Ende schweben alle rund 10.000 Fans aber dennoch auf "Wolke sieben" bzw. "Cloud Number Nine".

Keine Skandale, keine Liebes-Eskapaden, dafür jede Menge mitsingtauglicher Hits und ehrliche Arbeit auf der Bühne: Bryan Adams ist einer jener Musiker, die absolut sympathisch und authentisch 'rüber kommen und denen man einfach nicht böse sein kann.

So suchen diejenigen Fans, die sich weit im Voraus Innenraum-Karten in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen gesichert haben, die Schuld für eine seltsame Entscheidung auch nicht beim Kanadier selbst, sondern bei dessen Management.

Bryan-Adams-Konzert in Oberhausen: Ärger um bestuhlten Innenraum ist schnell vergessen

Aus der Show am Dienstagabend mit den angekündigten Stehplätzen im Innenraum wurde plötzlich ein komplett bestuhltes Konzert. Ein No-go für seine treuesten Anhänger, die den fast 60-Jährigen seit seinen bescheidenen Anfängen in den 1970er Jahren stets unterstützt haben. Der wahre Fan braucht halt Platz zum Tanzen und Ausflippen anstatt andächtig Adams' Musik zu lauschen, die irgendwo zwischen Rock, Pop und Singer/Songwriter mit leichten Country-Anleihen verortet ist.

Aber denkste: Wie aus Trotz erheben sich alle Betroffenen schon lange vor Beginn des Auftritts von ihren Plätzen und setzen sich während der folgenden zweieinhalb Stunden auch nicht mehr hin. Quasi ein ausgestreckter Mittelfinger für die Verantwortlichen der ungewöhlichen Stuhl-Entscheidung.

Aber auch die Zuschauer auf den Tribünen hält es nicht lange auf den Sitzen. Der Kanadier zündet von der ersten Minute an ein Hit-Feuerwerk der feinsten Art. Das Überraschende: Trotz ausgefeilter Bühnenshow mit Filmsequenzen und Projektionen auf der riesigen Videoleinwand, aufwendigen Lichteffekten sowie glasklarem Sound hat dieser Abend überhaupt nichts Routiniertes oder gar Glattes an sich.

Rudelsing-Atmosphäre in der König-Pilsener-Arena

Natürlich sind Adams' Bandkollegen - vor allem der überragende Gitarrist Keith Scott (64) - Profis durch und durch und treffen jede Note, so als käme die Musik vom Band. Doch gleichzeitig merkt man allen eine unbändige Spielfreude an.

Der 59-jährige Frontmann bindet zudem auch immer wieder das Publikum ein und animiert es zur Übernahme der Lead-Vocals. Die rund 10.000 in der fast ausverkauften Arena nehmen die Steilvorlage natürlich gerne auf. So herrscht bei den hinlänglich aus Funk und Fernsehen bekannten Gassenhauern wie "Can't Stop This Thing We Started", "(Everything I Do) I Do It for You", "Heaven" oder "Straight From The Heart" beste Rudelsing-Atmosphäre. Adams kann es sich angesichts der unglaublichen Hit-Dichte sogar erlauben, seinen größten Klassiker schon relativ zu Beginn des Konzertes - als neuntes Lied - zu bringen. Bei "Summer of 69" flippt die Halle aus und fühlt sich mit den fünf Musikern zurück versetzt in selige "Flower-Power"-Zeiten. Aber auch die Songs des aktuellen Albums "Shine A Light" werden frenetisch bejubelt. Besonders der Titelsong hat das Zeug, in Zukunft ebenfalls zu einem Fan-Favoriten zu werden.

Spontanität pur: Fans von Bryan Adams wählen die Konzert-Songs aus

14 Alben hat der Kanadier in seiner Karriere veröffentlicht - da fällt es gar nicht so leicht, die passenden Stücke für eine Tournee auszuwählen, wie Adams zugibt. Also lässt er kurz vor Ende des regulären Sets einfach die Besucher entscheiden, welche noch gespielt werden sollen. So viel Mut zur freiwilligen Improvisation verdient großen Respekt und ist eine absolute Ausnahme im heutigen kommerzorientierten Konzertbusiness.

Zumal die Band die gewünschten Stücke wie "The Best Of Me" - im wahrsten Wortsinne - perfekt zum Besten gibt. Sogar beim uralten "Long gone" vom 1984er-Durchbruchalbum "Reckless" gibt man sich keine Blöße. Nur vor "Into The Fire" muss Adams innehalten und offenbar erstmal den Text richtig zusammenbringen. Dann liefern er und seine Mitstreiter aber eine überragende Version des Titelsongs seines 1987er-Werkes ab.

Bryan Adams als jüngere Version von Bruce Springsteen

In diesen intimen Momenten kommen dem Betrachter sogar Vergleiche mit dem "Boss" in den Sinn. Adams liefert an diesem Abend ähnlich gut ab wie der rund zehn Jahre ältere Bruce Springsteen in seinen besten Tagen. Das Publikum ist restlos begeistert. Harte Arbeit kommt im Revier eben auch nach den Zechenzeiten immer noch gut an.

Ganz so lange wie der "Boss" bei seinen Auftritten spielt die Band dann aber doch nicht. Nach zweieinhalb Stunden und einer langen Zugabe (unter anderem mit einer Akustik-Version von "Whiskey In The Jar") ist nach "All For Love"- dem Soundtrack-Hit des Films "Die drei Musketiere" - Schluss.

Die ganze Arena feiert eine riesige Party, es gibt Standing Ovations für die fünf Musiker, und es wird klar: Die Stühle im Innenraum hätte man an diesem magischen Konzertabend nun wirklich nicht gebraucht.

Im Ruhrgebiet tummeln sich zurzeit eine ganze Reihe hochkarätiger Acts. Erst vor wenigen Wochen waren die deutschen Industrial-Rocker von Rammstein zu Gast in der Arena auf Schalke. Um die beiden Auftritte in Gelsenkirchen gab es im Vorfeld und im Nachhinein viel Aufregung.

Am 7. September kommt Herbert Grönemeyer in die VELTINS-Arena und wird dort Stücke seines aktuellen Albums "Tumult" sowie Klassiker aus seiner langjährigen Karriere spielen.

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