„Dumbledore“ Michael Gambon in Marl

Von Hogwarts zur Theaterbühne

MARL - Grüner Tweed-Anzug, die Aktentasche unter dem Arm. Wer es nicht besser weiß, kommt nicht auf die Idee, dass hier gerade ein Weltstar auf dem Weg ins Marler Theater ist. Michael Gambon ist da. Kennen Sie nicht? Dann vielleicht „Albus Dumbledore“ aus den Harry-Potter-Filmen?

Den Zauberhut hat der gefeierte irische Film- und Bühnenschauspieler an den Nagel gehängt. Von Hogwarts, der Schule für Zauberkunst im Roman, zieht es ihn auf die Marler Theaterbühne. Für den 73-jährigen Weltstar ist es der erste Auftritt in Deutschland seit fast 50 Jahren. „Play Beckett“ heißt seine Mission bei den diesjährigen Ruhrfestspielen. Und die erfüllte er am Dienstagabend in der Deutschlandpremiere des Dubliner Gate Theaters auf der Bühne des Marler Theaters grandios. Im ersten Teil des doppelten Beckett-Abends brillierte Gambon ohne Worte in „Eh, Joe“. Den Text spricht eine Frauenstimme aus dem Off. Gambon fasziniert als Joe allein durch Mimik und wenige Gesten, reagiert auf das, was die Frau ihm leise ins Ohr sagt. Ein faszinierendes Theatererlebnis, das dem einzigen Schauspieler hinter dem transparenten Gaze-Vorhang einiges abverlangt. Die ganze Zeit über ist sein Gesicht als Großprojektion zu sehen. Jeder Wimpernschlag ein emotionaler Moment. „Nach einer Aufführung im Londoner Westend hat mich mal eine Frau aus dem Publikum gefragt, wann wir den Film gedreht haben“, erzählt Michael Gambon schmunzelnd bei unserem Treffen im Theater Marl zwischen Nachmittagsprobe und der ersten Vorstellung am Abend. „Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ich das ich das live auf der Bühne spiele.“ Bei seinem Gastspiel in Marl wird der von der britischen Königin zum Ritter geschlagene Charakterschauspieler von Michael Colgan, dem künstlerischen Leiter des Dubliner Gate Theaters begleitet, und von einem Leinwandhelden, der kaum weniger bekannt ist als er selbst: Barry McGovern, ein irischer Schauspieler und anerkannter Spezialist für Samuel Becketts Werk wie er, gestaltet den zweiten und längeren Teil des Theaterabends mit „I‘ll go on“. Kinogänger werden ihn aus dem Film „Braveheart“ in Erinnerung haben. Schon 1985 fand am Gate Theatre in Dublin die Uraufführung von „I‘ll go on“ statt, 2006 spielte Michael Gambon zum ersten Mal in „Eh Joe“. Seitdem werden beide Inszenierungen in Großbritannien, den USA und Australien immer wieder begeistert gefeiert. Dass es so lange gedauert hat, bis das Gate Theatre auch nach Deutschland kommen konnte, ist leicht zu erklären: „Die Ruhrfestspiele sind die Ersten, die uns eingeladen haben“, betont Theaterintendant Michael Colgan. Im Gepäck haben die irischen Künstler Samuel Beckett, wie ihn hier kaum jemand kennt. Nicht die auch bei uns häufiger gespielten Bühnenstücke, sondern ein Fernsehspiel und eine Romatrilogie sind Grundlage der Inszenierungen. „Um ein Stück wie ,Eh Joe‘ auf die Bühne zu bringen, braucht man jemanden, der sich mit Filmarbeit auskennt“, erklärt Michael Gambon. Für das Ruhrfestspiel-Publikum fügt es sich glücklich, dass der gefragte Filmdarsteller Michael Gambon bei seinem aktuellen Kinoprojekt gerade eine Woche drehfrei hat und in Marl neben Barry McGovern auf der Bühne stehen kann. „Sie sollen kommen sich unterhalten lassen und vielleicht am Ende wie ich feststellen, dass es kaum eine schönere lyrische Sprache gibt als die von Samuel Beckett in ,Eh Joe’ “, so wünscht sich der irische Theaterintendant Michael Colgan die Begegnung mit dem Publikum Vest.

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