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Stolz auf seinen Grimme-Preis ist das Docupy-Team mit (v. l.) Autorin Nora Nagel, Redakteurin Nicole Ripperda, Projektleiterin Eva Müller, Autorin Julia Friedrichs und Redakteurin Nicole Kohnert: „Wir haben nicht als Einzelkämpfer, sondern als Team gewonnen“, sagt Eva Müller. Docupy beleuchtete das Thema Ungleichheit in Deutschland, stellte Lösungsansätze der Zuschauer wie ein Pflichtpraktikum für Politiker oder einsehbare Steuererklärungen ins Netz. Reiche und Arme wurden mit einem GPS-Ortungsgerät ausgestattet, damit die Zuschauer sehen, wie sie sich bewegen.

Grimme-Preis 2019

Antworten auf das globale Chaos

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Essen/Marl - Deutschlands Fernsehmacher setzen sich auseinander mit einer aus den Fugen geratenen Welt: Viele starke Serien und neue Multimedia-Formate werden 2019 mit Grimme-Preisen prämiert.

Völkermord, Korruption, Giftmüll – die Jury Information und Kultur musste schlucken angesichts der harten Themen, die Journalisten aufgriffen. Außergewöhnlich nahe kamen sie Hochstaplern, Rechtsradikalen – Menschen, deren Geschichte sie mit der Kamera erzählen. Grimme-Direktorin Dr. Frauke Gerlach ist „begeistert von der Formatvielfalt, Aktualität und handwerklichen Qualität“ vieler Dokumentationen. Im Gedächtnis bleiben „Kulenkampffs Schuhe“ (SWR), Regina Schillings tiefenanalytischer Rückblick auf die Unterhaltungsshows der Wiederaufbauzeit. Nur ein preisgekröntes Doku-Format wurde zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurde: Die Docupy-Redaktion (WDR) beleuchtete in ihrem Multimedia-Format #Ungleichland, wie ungerecht es im reichen Deutschland zugeht. Mit ihren Online-Videos erreicht sie Millionen.

In der Sparte Unterhaltung hat die Grimme-Jury noch Wünsche offen. Großen Innovationen fehlten, sagt der Vorsitzende Thomas Lückerath. Immerhin: „Deutschland kann Show!“ Das zeigt Grimme-Preis-Abonnent Jan Böhmermann mit dem akribisch recherchierten Spiel „Lass dich überwachen...“ um Peinlichkeiten aus sozialen Netzwerken (ZDF). Das beweist auch das Team um Komiker Luke Mockridge in „Catch! Der große Sat.1 Fang-Freitag“. Hier wird das altbekannte Kinderspiel Fangen raffiniert und unterhaltsam inszeniert.

Nach einer Pause wird in der Sparte Kinder und Jugend wieder eine Produktion für die Kleinsten ausgezeichnet: die Tier-Trickfilmserie „Animanimals“ (KiKA/SWR): „Sie ist zauberhaft, zum Lachen – ich kann jedem nur empfehlen, sich das anzuschauen“, sagt Frauke Gerlach. Einen Preis erhält auch Autor Marco Giacopuzzi für die sensible, berührende Reihe „Schau in meine Welt“ (HR) über Kinder, die trotz chronischer Krankheit ihr Leben in die Hand nehmen. Wie man Politik unterhaltsam für Jugendliche transportiert, zeigt Schlecky Silbersteins bissige Satire „Bohemian Browser Ballett“, Teil des neuen SWR-Jugendangebots Funk.

Hohes Tempo und neue Werte

Serien mit hohem Erzähltempo bleiben auf dem Vormarsch. Sie spiegeln die Irrsinns-Geschwindigkeit, mit der sich unsere Gesellschaft verändert. „Die Menschen haben Lust auf intensiv erzählte Stoffe“, analysiert Jury-Chef Patrick Presch. Er entdeckte Geschichten mit jungen Protagonisten auf der Suche nach eigenen Werten in einer unüberschaubaren Welt. Ausgezeichnet werden die Serien „Hackerville“ (TNT), „Bad Banks“ (ZDF/Arte) und „Beat“ (Amazon Prime Video). Preiswürdig fand die Jury auch die liebevoll inszenierte, schräge Klamotte „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ (ARD) von Regisseur Axel Ranisch und Autor Sönke Andresen. Vorbild Loriot lässt grüßen.

Den Publikumspreis der Jury Marler Gruppe erhält die Doku „Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners“ (WDR/Arte). Sie erzählt die Geschichte von fünf Social-Media-Moderatoren, die im Auftrag der Weltkonzern traumatisierende Fotos und Videos aus Facebook und YouTube löschen – den ganzen Hass im Netz. „In Sekunden entscheiden sie, was zugänglich bleibt und zensiert wird“, sagt Juror Hermann Koch: „Der Film zeigt eindrucksvoll die Maschinerie dahinter.“

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