42. Jazzmatinee im Dortmunder Opernhaus

Wenn der Schnee leise „swingt“

DORTMUND - Was wäre der zweite Weihnachtstag ohne die große Jazzmatinee im Dortmunder Opernhaus? Und was wäre das Ruhrgebiet ohne seine vielfältige, an musikalischen Farben reiche Szene?

Unter dem Oberbegriff des Jazz vereint sich in der Region eine extrem bunte Vielfalt – was jeder erfuhr, der sich vor den Bühnen im Foyer des Dortmunder Musentempels treiben ließ. Da sang das Publikum natürlich mit, wenn die altehrwürdige „Pilspicker-Jazzband“ im Dixieland-Swing „Leise rieselt der Schnee“ intoniert. Die Dortmunder Formation ist so alt wie die vom Förderverein für den Jazzclub Domicil veranstaltete Matinee selbst: 42 Jahre! Doch findet hier alles andere als eine Nostalgie-Veranstaltung statt. Tanzbare Grooves aller Couleur versetzten in beschwingte morgendliche Partylaune – und vor allem auf der „Modern Jazz“-Bühne lebte die Gegenwart dieser vielfältigen Musikrichtung. Da treibt in Dortmund der hochdynamische Fusion-Jazz der Patric Siewert Group beispielsweise mächtig voran: Patric Siewert, ein E-Bass-Virtuose aus Essen, nimmt seinen Anspruch wörtlich, mit zupackenden Läufen immer „ganz vorne dran“ zu sein. Dieses Spiel ist ein Treibriemen für die hellwache rhythmische Intensität seitens des Schlagzeugers Jaime Andres Moraga, um damit die brillant funkelnden Pianoläufe von Felix Römer intensiv zu befeuern. Wenn der Trompeter Lars Kuklinski wiederum mit seinem Ensemble eine Suite durchkomponiert, reagieren alte und neue Musiktraditionen unmittelbar miteinander. Zusammen mit dem Cellisten Jörg Brinkmann, dem Gitarristen Hartmut Kracht und Peter Eisold am Schlagzeug führt die Reise durch Choräle, Sarabanden, durch melodiöse Parts und Heavy-Rock-Ausbrüche – vor allem die Umwege sind hier das Ziel und einfach nur spannende Musik jenseits von Stilschubladen das Resultat! Nicht ganz so alt wie die Pilspickers, aber schon 30 Jahre auf den Livebühnen des Ruhrgebiets zuhause ist die Bläserformation „Schwarzrot-Atemgold“. Sie ließ auf der großen Bigband-Bühne das Temperament zuverlässig überkochen und dabei auch viele orientalische und osteuropäische Farben aufglühen. Wie ein verlässlicher Herzschlag pulsiert das Schlagzeug – dazu wird auf Holz- und Blech in die Hörner gestoßen, wie wir es sonst nur aus den Blaskapellen der Volksmusik des Balkans kennen. Und „Schwarzrot Atemgold“ sind souverän genug, sich auch mal einen 80er-Jahre-Hit wie „Sweet Dreams“ einzuverleiben. Klasse!

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