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Der Regisseur Heinrich Breloer beim Bergfest im Grimme-Institut in Marl.

Grimme-Preis

Marler Regisseur im Interview: „Grimme ist der wichtigste Fernsehpreis“

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Der mehrmalige Gewinner Heinrich Breloer spricht über Bertolt Brecht, seine Heimat Marl und die langersehnte Nominierung.

Der Autor und Regisseur Heinrich Breloer (78) wuchs in Marl auf. Er ist in diesem Jahr mit seinem Doku-Drama „Brecht“ wieder für den Grimme-Preis nominiert. Nach seinem Frühwerk „Bi und Bidi in Augsburg“ (1978) ist das sein zweiter Film in Sachen Brecht. Breloer gewann den Adolf-Grimme-Preis mit Gold 1984 und 1992. 

Wie hat sich Ihre Herangehensweise im Vergleich zum ersten Brecht-Film vor 40 Jahren verändert? 

„Bi und Bidi in Augsburg“ war mein erster Film. Durch Zufall habe ich damals erfahren, dass die Mitschüler und die erste Geliebte, Paula Banholzer, noch leben. Bei der Doku damals war es Festhalten, was da ist und die richtigen Fragen stellen. Ich habe diese wunderbare Gelegenheit, dass die Leute noch lebten, auch genutzt, um Szenen für spätere Zeiten aufzunehmen. Und die sind dann gekommen. 

Wie machen Sie sich die Verquickung von Dokumentation und Inszenierung zunutze?

Beim Film „Brecht“ konnte ich somit die Personen in der Fiktion lebendig werden zu lassen, um dann in der Montage etwas ganz Besonderes herzustellen. Sodass wir einmal die alte Dame sehen können, wie sie mir die Geschichte erzählt und gleichzeitig sehen wir Brecht, wie er mit dem jungen Menschen spazieren geht. Das hat auch einen Verfremdungseffekt, wie Brecht ihn entwickelt hat, in dem plötzlich Figuren anfangen zu sprechen und du merkst, die haben ja wirklich gelebt. Und gleichzeitig kommst du mit den Mitteln des Spiels auch an das Herz der Zuschauer. Das ist ein Mittel, das ich fürs Fernsehen immer wieder entwickelt habe und das ist eine andere Art, als zum Beispiel nur stellenweise Dokumente in den Film hineinzubringen. 

Was war Brecht für ein Mensch?

Ich habe seine Geliebte mal gefragt, ob sie ihn mal habe weinen sehen. Natürlich nicht. Er war der erkaltete Mensch, der ein heißes Herz in sich hatte, aber für die Zeiten und sich selber cool sein wollte und immer kalt war. Ich habe das Gewissen eines Eisklumpens, sagte er, deshalb konnte er auch so mit den Frauen jonglieren. Es waren ja immer mehrere im Geschäft. Das war für die Frauen sicher sehr schwer, aber der Film zeigt das. 

Warum war Ihnen dieses Projekt so wichtig?

Thomas Mann und Brecht, das sind die zwei großen Stars, die wir haben, sodass wir diese Filme in andere Länder verkaufen konnten. So können wir deren Geschichte erzählen. Unglaublicher Anschub für einen jungen Mann Filme über Brecht oder Thomas Mann müssen nicht in Hollywood verfilmt werden und die erzählen uns dann was über die beiden. Das wollten wir umgekehrt machen. 

Wie blicken Sie auf das Mammutprojekt Brecht zurück?

Acht Jahre hat das gedauert. Es gibt sowohl einen Roman als auch die zweiteilige Dokumentation im Fernsehen. Im Buch konnte ich näher herangehen und über Teile sprechen, die wir nicht drehen konnten – wie das Exil.

Ist Ihnen Heimat wichtig? 

Na klar! Es war sehr schön hier, die Loemühle war mein Elternhaus. Die Gäste , die hier gelesen haben, sie wohnten bei uns und ich konnte mir als Schüler morgens Autogramme holen. Aber weil ich im Internat war, war ich nur an den Wochenenden da. Aber man muss aus so einer Stadt, aus der Provinz, auch rausgehen – ich bin nach Hamburg gegangen – um dann wiederkommen zu können und hier einen Preis zu gewinnen. Ich musste in die Großstadt, ich musste mich in der Großstadt verändern, ein anderer Mensch werden, das war in Hamburg möglich. Auch, um das Handwerk zu lernen, und dann war es schön sehr früh zurückzukommen und nicht als Marler Bürger, sondern als jemand, der gerade einen sehr guten Film gemacht hat, den die Jury anerkannt hat. 

Welche Bedeutung hat der Grimme-Preis für Sie? 

Ich bin als Gymnasiast schon in diesen Räumen des Grimme-Instituts gewesen. Dieser Preis ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Das war ein unglaublicher Anschub für einen jungen unbekannten Mann, als ich den ersten Preis gewann. Es ist der größte und wichtigste Fernsehpreis, weil er sein Geld nicht in Gold, sondern in die Jury steckt. Der bedeutet mir viel. Die stehen alle in einer schönen Reihe, meine Grimme-Soldaten. Sie bewachen die Goldene Kamera und den Bambi. Es wäre sehr schön, wenn ich die Chance bekäme, zum Ende meines Arbeitslebens noch einmal auf die Bühne gerufen zu werden.

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