"Monitor"-Chef Georg Restle beim Bergfest im Marler Grimme-Institut.
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"Monitor"-Chef Georg Restle beim Bergfest im Marler Grimme-Institut.

Interview mit Georg Restle

Trotz Morddrohung Haltung gezeigt - "Monitor" für den Grimme-Preis nominiert

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Die „Monitor“-Redaktion ist mit Leiter Georg Restle für einen Grimme-Preis nominiert. Anonyme Briefe können sie nicht einschüchtern.

Nach einem AfD-kritischen Kommentar wurde der Leiter des WDR-Magazins „Monitor“, Georg Restle, in einem Schreiben aus dem rechtsextremen Spektrum mit Mord bedroht. Restle und die „Monitor“-Redaktion ließen sich nicht einschüchtern, berichteten weiter kontinuierlich und haltungsstark über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus. Für ihre journalistische Leistung sind sie für den Grimme-Preis 2020 nominiert. Wir sprachen mit Georg Restle über Journalismus in Zeiten von Hass und Hetze. 

Wie sicher fühlen Sie sich? 

Georg Restle: Ich fühle mich in keiner Weise beeinträchtigt. Aber es ist bestürzend, dass es Menschen in diesem Land gibt, die andere, deren journalistische Arbeit ihnen nicht passt, mit dem Tod bedrohen. Damit meine ich die Entwicklung der ganzen letzten Jahre, in denen viele Kollegen bedroht worden sind, auch solche, die nicht so bekannt sind. 

Keine Schere im Kopf

Haben Sie jetzt manchmal eine Schere im Kopf, wenn Sie das Thema Rechtsextremismus aufgreifen? 

Nein, wir sind ein Team, wir machen unseren Job genauso nüchtern weiter wie bisher. Wir haben weder eine Schere im Kopf noch Schaum vor dem Mund. 

Weiß man etwas über die Hintergründe der Morddrohungen? 

Es gibt Ermittlungen, die mittlerweile beim Generalstaatsanwalt in Berlin liegen. Ich wünsche mir, dass solche Straftäter ermittelt werden.

Für Menschenwürde und Meinungsfreiheit

Sie stehen für einen werteorientierten Journalismus – welche Werte sind gemeint? 

Erst mal die journalistischen Werte: Distanz zu halten, sich seiner Unabhängigkeit immer bewusst zu sein. Aber natürlich auch die Grundwerte, für die unsere Verfassung steht: Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit. 

Sind diese Werte stärker als früher bedroht? 

Ja, durch die Partei, die im Osten 25 Prozent und mehr Stimmen im letzten Jahr gewonnen hat. Sie macht kein Hehl daraus macht, dass sie Grundwerte wie die Meinungsfreiheit und das Antidiskriminierungsgebot zur Disposition stellt. Auch das Demokratieprinzip. Das ist ja gerade so interessant, dass diese Partei immer wieder so tut, als seien sie die wahrhaften Demokraten. Wenn man ihnen genau zuhört, stellt man fest, dass sie Mitbestimmung und den Schutz für Minderheiten in Frage stellen. Aufgabe von werteorientiertem Journalismus ist es auch, einer breiten Öffentlichkeit klarzumachen, was uns droht, wenn wir diese Freiheiten verlieren.

"Rechtspopulistisch" ist noch verharmlosend

 Wenn Sie über die AfD berichten, folgt der Zusatz „rechtsextrem“. Empfinden es manche Zuschauer nicht als unglaubwürdig und belehrend, wenn Sie der Partei stets dieses Etikett ankleben? 

Interessant ist, dass es mittlerweile als belehrend gilt, wenn wir die Leute aufklären. Journalisten sind verdammt noch mal dafür da, Erkenntnisse, die sie recherchiert haben, der Öffentlichkeit mitzuteilen. Wenn wir recherchieren, dass es engste Verbindungen des AfD-Spitzenkaders – Herr Höcke, Herr Kalbitz – in die rechtsextremistische Szene gibt, wenn Menschen, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Verdachtsfälle eingestuft werden, diese Partei prägen und von ihren Sprechern als integraler Bestandteil wahrgenommen werden – was bleibt uns dann anderes übrig, als diese Partei im Kern als rechtsextremistisch zu bezeichnen? Ich halte alles andere für eine Verharmlosung – auch den Begriff des Rechtspopulismus. 

Das Grimme-Institut gibt die Preisträger am 3. März bekannt. Alle Nominierungen finden Sie hier.

Ebenfalls für den Grimme-Preis nominiert sind die NDR-Journalisten, die den Rettungseinsatz der "Sea-Watch" im Mittelmeer und die Verhaftung von Kapitänin Carola Rackete filmten.

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