+
Der Journalist Friedrich Küppersbusch ("ZAK") produziert das neue Talk-Format "Chez Krömer".

Interview mit Friedrich Küppersbusch

Warum die freche Talkshow "Chez Krömer" Chancen auf den Grimme-Preis hat

  • schließen

Kurt Krömers freche Talk-Show "Chez Krömer" ist für einen Grimme-Preis nominiert. Produziert wird sie von Friedrich Küppersbusch. Er verriet uns mehr über das neue Format.

Eine Talkshow wie ein Verhör, eine Bühne wie eine enge Zelle – das ist das neue rbb- Format „Chez Krömer“ (Rundfunk Berlin-Brandenburg). Komiker Kurt Krömer nimmt seine Gäste – den Motivations- Guru Jürgen Höller, die Jung- Politiker Philipp Amthor und Kevin Kühnert – genüsslich in die Mangel, unterbricht sie, sobald sie labern. Mit der bösen Show, die aus dem Rahmen fällt, ist Krömer zum sechsten Mal für einen Grimme-Preis nominiert. Produziert wird sie von dem Journalisten und Autor Friedrich Küppersbusch. Was ihm an dem neuen Format gefällt, verriet er uns im Interview.

Es wird so viel Müll in deutschen Talkshows geredet – warum kommt dieses freche Format erst jetzt? 

Friedrich Küppersbusch: Weil der Kurt vier Jahre Pause gemacht hat und nicht auf dem Schirm war, war die Freude des rbb über das Wiedersehen so groß, dass sie gesagt haben: ,Komm, mach einfach, was du möchtest’. Es war ein glücklicher Moment. 

Hat er Sie als Produzent gewonnen oder Sie ihn? 

Der Kurt meldete sich vor zwei Jahren und sagte, ,ich hab ne Menge erlebt und ich würde gern wieder Fernsehen machen, aber nicht die alten Formate, sondern als Gereifter zurückkommen.’ Wir haben über die Weiterentwicklung geredet und gesagt: Augen zu und durch, wir riskieren das jetzt. 

Wünschen Sie sich dieses In-die-Ecke-Treiben der Gesprächspartner auch von Journalisten? 

Ja. 

Wem würden Sie selbst gern über den Mund fahren? 

Ich hab doch schon ein gewisses Vorstrafenregister. Ich glaube, dass Kurt das sehr charmant macht, extrem schlagfertig, ohne Netz und doppelten Boden. Ganz genau weiß nur Kurt, was in der Sendung passiert.

Wählen Sie mit Kurt Krömer die Gäste nach Abneigung aus? 

Er lädt Leute ein, die er nicht leiden kann, aber auch Freunde – und er verrät nicht, wer was ist. Es gibt welche, die sehr plausibel in das Beuteschema einer Verhörzelle passen und es gibt welche, wo man perplex ist und sagt: Wieso der jetzt, der ist doch ein netter Kerl? 

Welche Eigenschaften müssen Gäste haben, um in die Zelle zu kommen? 

Es schadet nicht, wenn man eine Biografie hat. Obwohl... Philipp Amthor hat eine übersichtliche Biografie. Selbst aus der hat Kurt einiges gezaubert. 

Gibt es Mitleid-Effekte bei den Zuschauern, wenn der Verhörte so oft unterbrochen wird? 

Nee, das hatten wir bisher nicht, aber es kann ja mal passieren. Kurt ist so eine charmante Mischung aus bösem Onkel und Charmebolzen, dass man ihm ganz wenig übel nimmt. Journalisten würde man es sofort übel nehmen. In derMediathek haben wir über 1,3 Millionen Abrufe nach den ersten vier Folgen. Kurt hat offenbar eine besondere Reichweite bei jungen Zielgruppen und Zielgruppen, die klassisches Fernsehen gar nicht mehr benutzen. 

Wie viele Kandidaten haben als Gesprächspartner schon abgesagt? 

Alle sagen immer nur aus Termingründen ab. Aber es ist ein reizvoller Job, Gäste für „Chez Krömer“ zu gewinnen. 

Die Grimme-Preise werden am 27. März im Theater Marl vergeben.

Nominiert für den Grimme-Preis sind auch die NDR-Journalisten, die denRettungseinsatz der "Sea-Watch" im Mittelmeer und die Verhaftung von Kapitänin Carola Rackete dokumentierten.

Lesen Sie auch unser Interview mit dem Leiter der "Monitor"-Redaktion, Georg Restle, der sich von Morddrohungen nicht einschüchtern ließ. "Monitor" (WDR) ist für die kontinuierlichen, haltungsstarken Berichte über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus für den Grimme-Preis nominiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Zahlreiche Fotos und Videos vom Karneval: So feiern die Närrinnen und Narren im Kreis Recklinghausen
Zahlreiche Fotos und Videos vom Karneval: So feiern die Närrinnen und Narren im Kreis Recklinghausen
Keine Energie mehr: Tesla-Fahrer begeht Einbruch bei der Polizei und "tankt" auf Männertoilette
Keine Energie mehr: Tesla-Fahrer begeht Einbruch bei der Polizei und "tankt" auf Männertoilette
Der Kampf um das Bürgermeisteramt beginnt - warum viele Marler fünf Kreuze machen können
Der Kampf um das Bürgermeisteramt beginnt - warum viele Marler fünf Kreuze machen können
Insolvenz und Betrugsverdacht bei Recklinghausens größtem Taxiunternehmen
Insolvenz und Betrugsverdacht bei Recklinghausens größtem Taxiunternehmen
Mahnwache in Oer-Erkenschwick: "Kein Platz für Rassismus!"
Mahnwache in Oer-Erkenschwick: "Kein Platz für Rassismus!"

Kommentare