Uraufführung von Oliver Bukowski

Kleinod auf dem Kontinent Kleist

RECKLINGHAUSEN. Er hält sich für großartig, tritt auf wie ein Pfau in goldenen Schuhen. Doch sehr bald wird aus Getskard auf der kargen Bühne ein von Zweifeln Geplagter, ein manisch Depressiver, einer, der seinen Platz im Leben sucht und nicht findet.

Und das ist nur eine Facetten in Oliver Bukowskis Auftragswerk zu den Ruhrfestspielen. Mit „Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen“ gelingt dem Autor beim Festival der Uraufführungen eine ebenso weitsichtige wie vielschichtige Betrachtung des „Kontinents Kleist“. Der Dramatiker hat mit einem Drei-Personen-Stück ein denkbar knappes Format gewählt. Doch im Theaterzelt bringt der Bukowski-erfahrene Regisseur Markus Heinzelmann vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg das Drama des Gescheiterten in einem dichten Kammerspiel als großartige Theaterkunst auf die schlichte weiße Bühne. Eine traurige Geschichte und zugleich doch ein Stück voller Humor. Stefan Haschke lotet dabei die Figur des Getskard bis ins Innerste aus, als Claudi pendelt Lydia Stäubli virtuos zwischen dem stoischen Gleichmut der langjährigen Lebensgefährtin und der verzweifelten Leidenschaft der Liebenden. Marco Albrecht als Wiepert ist der glatte Geschäftsmann, der sich und anderen die Welt so erklärt, wie er sie braucht. Bukowski beschreibt einen rastlosen Dichter, lässt Getskard die Uraufführung und das Scheitern des „Zerbrochenen Krugs“ erleben, der bei Publikum und bei der Kritik durchfällt wie ehemals das Kleist’sche Original. Getskard lebt die Extreme: Zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Himmelhochjauchzen und zu Tode betrübt, einen Menschen auf der Irrfahrt durch seine Zeit. Man könnte fast meinen, Festivalchef Frank Hoffmann hätte sich mit dem Gegenwartsdrama noch einmal vergewissern wollen, dass seine Entscheidung für Kleist als Ruhrfestspielmotto richtig war. Oliver Bukowskis Auftragswerk ist ein Beweis. „Wenn es uns gelingt, zeigt es mit seinen wenigen Figuren persönliche Situationen und Lebensumstände, wie sie denen von Kleist nahe kommen: Mit all seiner Arbeit und seinen Niederlagen, seinen Bindungsschwächen, seinem Narzissmus und, ja, auch seiner Erkrankung. Ein durchaus gewöhnliches Leben – und gerade deshalb tragisch und groß“, das hatte Oliver Bukowski im Interview mit dem Medienhaus Bauer über seine Kleist-Betrachtung gesagt. Er ist nichts schuldig geblieben.

Wie hat es Ihnen gefallen? Sagen Sie uns Ihre Meinung. Per Post an die Redaktion Kultur, Kampstraße 84b, 45772 Marl, oder per Email an kultur@medienhaus-bauer.de Karten für die Ruhrfestspiele: 0 18 05/147788 (ecotel, 0,14 €/Min. a. d. dt. Festnetz T-Com).

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