Zwei packende Choreografien

Getanzte Sehnsucht nach verschütteten Welten

Recklinghausen - Im südafrikanischen Mpumalanga herrscht Arbeitslosigkeit bis zu 40 Prozent, seitdem die Jobs in den Goldminen verloren gegangen sind. Seine Sehnsucht nach verschütteten Welten bringt das Basotho-Volk aber nicht durch Krieg zum Ausdruck – sondern durch Tanz. Und das sehr eindringlich – auch bei den Ruhrfestspielen.

Bevor das Festival der Uraufführungen in diesem letzten Jahr der Intendanz von Frank Hoffmann abdankt – Nachfolger Olaf Kröck will es nicht fortsetzen – wartet es noch einmal mit etwas Neuem auf: mit der Gattung Tanz. Dem Ruhrfestspielthema „Heimat“ und den sozialen Umbrüchen in einem Land extremer gesellschaftlicher Kontraste, wie Südafrika es ist, näherte sich das Projekt „The Choreonauts“ gleich von zwei Kontinenten aus, dem afrikanische und dem europäischen – mit einer schweißtreibenden 75-minütigen Premiere und zwei packenden Choreografien.

So zeigen fetzige Tanzeinlagen in schrillem Outfit zu Boney M’s „Daddy Cool“ in Helge Letonjas „Digging in the night“ die gespaltene Seele eines Landes: Während in den Metropolen wie Johannesburg lässige Black Dandys und Start-up-Unternehmer durch den Puls der Nacht flanieren und sich Müllsammler an offenen Feuern wärmen, kehrt das arbeitslose Volk der Basotho in der Enklave und eigenständigen parlamentarischen Monarchie Lesotho gezwungenermaßen zur Landwirtschaft zurück.

Aber lässt sich dort überhaupt noch an traditionelle Lebensformen anknüpfen? Gemeinsam mit den vier Tänzern Steven Chauke, Eugene Mashiane, Shawn Mothupi und Thabo Kobeli geht Letonja auf Spurensuche in einem vom Bergbau geprägten Land, in dem viele Konflikte unter der Oberfläche schwelen. Mit Elementen wie klassischer Musik, Operngesang und Balleteinlagen ist die zweite Choreografie an diesem Abend stellenweise sehr poetisch, ohne Hintergrundwissen über Südafrikas Probleme allerdings oft schwer zu durchdringen.

Zur Unterstützung hat sich Letonja als Gründer der Tanzcompagnie „Steptext dance project“ Phumlani Nyanga aus dem südafrikanischen East London zur Seite geholt. Mit „In between“ greift Nyanga das Thema auf, von äußeren Zwängen und materiellen Bedürfnissen getrieben zu sein. Wo bleibt da noch die Zeit für das Menschliche, für die Verbundenheit mit der Erde? Eine Erde, die auf der Leinwand abgebildet, nur noch aus tiefen Rissen und unendlicher Trockenheit zu bestehen scheint.

Zwischen Traditionellem und Zeitgenössischem

Karten zu den Veranstaltungen der Ruhrfestspiele gibt es in den Geschäftsstellen des Medienhauses Bauer, im RZ- und SZ-Ticketcenter oder aber unter Tel. 0209/1477999.

Nyanga vertraut dabei mit seiner auf dem südafrikanische Festival Dance Umbrella prämierten Tanzkunst auf die Verbindung von Traditionellen und zeitgenössischen Elementen. Herausgekommen ist beeindruckender Tanz, wenn auch nicht immer leicht zu verstehen. Wohl auch deshalb standen die Choreografen dem Publikum, das diese Darbietung mit Bravo-Rufen quittierte, im Anschluss persönlich Rede und Antwort.

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