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Gibt am Flügel den Takt an: der Weißclown.

Clowns 2 1/2

Das Kind im Greis

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RECKLINGHAUSEN - „Kommt ruhrfestspielen!“ wirbt das Kulturfestival auf Plakaten. Nun spielt niemand schöner als Roberto Ciulli. Mit seiner 2013 im Mülheimer Theater an der Ruhr uraufgeführten Miniatur „Clowns 2 ½“, hier zu sehen im Kleinen Haus, stellt der Prospero des deutschen Theaters das nachhaltig unter Beweis.

Schon die Einführung ist zauberhaft: 85 Jahre alt, von so selbstverständlicher wie unaufdringlicher Bühnenpräsenz, mit einer wunderbaren Stimme führt der gebürtige Mailänder (ja, ja, der Charme der Italiener …) ein ins Sujet. „Das war das Beste des Abends“, raunt die Sitznachbarin – so entzückt wie vorzeitig enttäuscht. „Das wird nicht zu toppen sein.“ Aber doch!

Ein Altersheim. Die Bewohner Clowns – zumindest sind sie so geschminkt. Die Stühle, die man ihnen zugewiesen hat, sind klein. Wie im Kindergarten. Und so gebärden sie sich – wie Kinder, in uralten Körpern. Das Fleisch verfällt, das Wesentliche bleibt. Da der geile Bock, dort das ewige Mädchen. Hier die feine Dame, den Spinner nicht zu vergessen.

Gesprochen wird kein einziges Wort. Es gibt Musik. Ein Weißclown entlockt dem Flügel Melodien der Zärtlichkeit, der Melancholie. Über allem schwebt das schmerzlich vermisste Gestern.

Und es gibt Geräusche. Im Lesesaal „schei ...“ die Clowns was auf Information, sie rascheln und knistern mit den Blättern der Zeitungen, in denen sie längst nicht mehr vorkommen, zerreißen sie – ein schrilles Crescendo auf die entwürdigende Stimmlosigkeit. Dann kommt der Pfleger – „Il Maestro“ – mit der großen Windmaschine und pustet die Krakeeler aus dem Raum. Aus die Maus.

Lustig ist das alles nicht. Aber ist es die Aufgabe des Clowns, heiter zu stimmen? Roberto Ciulli macht Mut. Lächeln unter Tränen, tanzen, träumen. In einer Vision des Abschieds (vom Leben), der kein Abschied ist, lässt er seine Gaukler in einem Schrank verschwinden – und wiederkehren. Frech und dreist und lachend und wiehernd – wie Blagen außer Rand und Band.

Das Publikum reagiert mit enthusiastischem Beifall und Bravo-Rufen auf diesen Wimpernschlag jenseits der Wirklichkeit und doch mittendrin.

Und feiert ein Ensemble, dessen Spielfreude unwiderstehlich und fantastisch ist. Danke.

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