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Lebenskünstler-Projekt

Ein starkes Stück Shakespeare im Industrie-Denkmal

Recklinghausen - Die 24 Darstellerinnen und Darsteller wurden enthusiastisch gefeiert: Denn sie hatten im Rahmen des "Lebenskünstler“-Projektes in Hansgünther Heymes humoristischer Shakespeare-Bearbeitung „13 Fetzen aus dem Traum des William S.“ alles gegeben!

Premiere hatte auch eine neue, zugleich alte Spielstätte: Die Waschkaue in der alten Zeche Blumenthal bot in ihrer rohen Patina den idealen Rahmen für ein extraordinäres Theaterereignis. Längst stehen hier die Räder still und die Graffitisprayer haben die Kacheln für sich entdeckt. Zwei Abende lang schließt sich hier ein Kreis, wie er für die Historie der Ruhrfestspiele bestens passt: Aus dem vergangenen Zeitalter des Kohlebergbaus geht neue Kultur, in diesem Fall großes Theater hervor.

Antike Sagenwelt wirkt sehr heutig

In weißen Umhängen bespielt die Truppe des inklusiven Lebenskünstler-Theaterprojekts den ganzen Raum. Die von Shakespeare in dessen „Sommernachtstraum“ aufgegriffene antike Sagenwelt wirkt in diesem Moment so, als wären sämtliche Akteure direkt aus der tiefen Unterwelt der Schächte in die Realität von heute aufgestiegen – sowohl der Herzog Theseus (verkörpert von Dieter Salja), die Amazonenkönigin Hippolyta (Hildegard Sommer), aber auch Elfen, Kesselflicker, Schreiner, Löwen, Zimmermänner bekräftigen in der Inszenierung des Ruhrfestspiel-Altmeisters diese Aura.

Die Akustik an diesem Ort hat noch keinerlei Feintuning erfahren, was die Sprachverständlichkeit manchmal etwas schwierig macht, aber so etwas wird sicherlich künftig behebbar sein. Umso überwältigender ist die Ausstrahlung, die von der spontanen Spiellust aller Beteiligten ausgeht. Bewusst wurde bei der Komprimierung und ironischen Abwandlung des Shakespeare-Stoffes darauf geachtet, dass zwischen Haupt- und „Nebenrollen“ kaum Hierarchien sichtbar sind. Das ist gut so: Denn die darstellerischer Wucht kommt aus dem Kollektiv. Zumal die Lebenskünstler-Truppe viele echte Charakterköpfe vereint, mit denen weiter zu arbeiten sich lohnt. Kaum zu glauben, dass all dies in gerade einmal drei Monaten erarbeitet wurde!

Ein Glücksfall sind persönliche Kontakte zwischen dem Lebenshilfe-Projekt, den Ruhrfestspielen und dem Betreiber-Verein des Industrie-Denkmals „Blumental 7 e.V“. Erst dadurch konnte die Aufführung kurzfristig möglich werden. Zu hoffen ist, dass hier ein regelmäßiger Kultur-Spielort entstehen wird.

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