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Zwei Theatergenerationen: Olaf Kröck (l.) im Gespräch mit Hansgünther Heyme, von 1990 bis 2003 sein Vorgänger als Intendant der Ruhrfestspiele.

24 Lebenskünstler und ein Shakespeare

Hansgünther Heyme zeigt inklusives Projekt in der Weißkaue

Recklinghausen - Eigentlich war in diesem Jahr nur eine kleine Werkstattschau, quasi eine Prolog-Inszenierung für das große Lebenskünstler-Festival im nächsten Jahr geplant. Aber da hatten die Ruhrfestspiele die Rechnung ohne Hansgünther Heyme gemacht.

Denn wenn der Mann, der das sinkende Festspiel-Schiff von 1990 bis 2003 mit seinem Europäischen Festival wieder flott machte, etwas anpackt, dann richtig. Zumal ihn das Thema, die theatralische Erarbeitung von Stoffen mit Laien und Randgruppen, seit seinem Weggang aus Recklinghausen umtreibt.

So ist aus der kleinen Werkstattschau inzwischen ein einstündiger Theaterabend geworden. Und besonders wie die Schauspieler ist auch der Ort des Geschehens für die „Fetzen aus dem Traum des William S.“, frei nach Shakespeares „Sommernachtstraum“: Statt wie angekündigt im kleinen neuen Studio im Festspielhaus finden die Aufführungen in der Weißkaue auf Schacht 7 der ehemaligen Zeche Blumenthal am Westcharweg 101 statt. Und zwar am Sonntag, 12. Mai, um 20 Uhr sowie am Montag, 13. Mai, um 18 und um 20 Uhr. 100 Zuschauer haben in dem barrierefreien alten Industrieraum Platz.

24 Menschen, die sich anders bewegen als die anderen, die nichts hören, nichts sehen, die kein Deutsch oder gar nicht sprechen, sind die Protagonisten des Abends. In den vergangenen Monaten hat Hansgünther Heyme die Lebenskünstler jeweils an den Wochenenden an die literarische Welt des englischen Dramatikers herangeführt. Behutsam, aber mit künstlerischem Anspruch. Auf eine Stunde wurde die Vorlage zusammengestrichen. „Wir präsentieren Fetzen, aber die Handlung dieses hoch aktuellen Stückes ist gut nachvollziehbar, Shakespeares Sätze haben ihre Kraft bewahrt.“ Es sei faszinierend zu erleben, wie sich die Akteure entwickelten, ganz neue Stärken mobilisierten und jeder auf seine Weise lerne, schwärmt Heyme. Auch in Shakespeares großer Komödie gehe es darum, das Leben zu meistern.

Nach den Aufführungen läuft das von der „Aktion Mensch“ geförderte Lebenskünstler-Projekt weiter. „Regisseur Franz-Joseph Dieken hat mit 22 weiteren Laien ein warming-up gemacht. Das Ergebnis und vieles mehr zeigen wir dann 2020“, erzählt Projektkoordinator Alois Banneyer.

Karten (10/erm. 7 Euro) für die „Fetzen aus dem Leben des William S.“ gibt es nur in der Kartenstelle der Ruhrfestspiele, Martinistraße 28

Gespannt und stolz auf die Produktion seines 83-jährigen Vorgängers ist auch der Festspielchef. „Die ersten Theater-Ikonen in meinem Leben hießen Roberto Ciulli, George Tabori und Peter Brook.“ Später, als die eigene Beschäftigung mit dem internationalen Theater begann, sei er ganz schnell auf den Namen Hansgünther Heyme gestoßen, erinnert sich Olaf Kröck. Und weil er mit dem besonderen Gast und seinem Europäischen Festival den Europa-Experten schlechthin vor Ort hat, verpflichtete er Hansgünther Heyme auch gleich für die neue Reihe „Partei ergreifen!“ Heute um 18 Uhr können alle Interessierten mit dem Gralshüter des politischen Regie-Theaters und anderen in der Bar 42 über das Thema „Europa jetzt!“ diskutieren.

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