Lesung

Wenn Sandra Hüller auf Hauschka trifft

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WALTROP - Die Zutaten sind richtig gut. Eine fantastische Schauspielerin, die äußerst bemerkenswerte Texte liest, ein großartiger Musiker, der für einen atmosphärischen „Soundtrack“ sorgt, und dazu ein hinreißendes und äußerst einfallsreiches Licht-Design. Und doch fehlt der Gesamt-Komposition beim Ruhrfestspiel-Abend von Sandra Hüller und Volker Bertelmann alias Hauschka gerade am Anfang etwas.

Die beiden haben für das Projekt „The Art of Beginning“ nach eigenen Angaben lange nach Texten gesucht – und wirklich wunderbare gefunden und ausgewählt. Außerdem lassen sie hier nicht nur musikalisch Raum für Improvisationen. Hüller: „Ich mag Platz für Experimente. Wenn nicht alles so durchchoreographiert ist… Wir wissen nicht genau, was passieren wird“.

Sandra Hüller liest also. Nach einem Ausflug zu John Cage in Halberstadt bringt sie erste Kapitel aus teils unveröffentlichten Werken zu Gehör. Ocean Vuongs „Auf Erden sind wir kurz grandios“, TC Boyles „Das Licht“ oder „Am Beispiel des Affen“ von Amitava Kumar.

Die Klangskulpturen, die Hauschka dazu unter Nutzung unterschiedlichster Objekte auf den Saiten aus seinem Flügel lockt, sind erstklassig – und sorgen mit den nebeldurchfluteten Licht-Installationen für eine grandiose Atmosphäre. Florence To (Figurendesign) und Jörg Bittner (Lichtdesign) haben einen wirklich guten Job gemacht.

Hüller aber bleibt anfangs über weite Strecken erzählerisch zu distanziert, stimmlich zu flach – und liest zu schnell. Sie kann trotz der guten Texte nicht genug packen. So manches Mal droht man mit Hauschkas Klangwellen wegzugleiten und der Text zu verschwinden. Dazu kommt noch ein nicht wirklich gut eingestelltes Mikro.

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Dann jedoch wird Hüller warm. Oder entspannter – und liest deutlich besser, akzentuierter, taucht in die Rollen/Texte ein – und vermag plötzlich problemlos mitzureißen. Da wird es dann richtig gut. Das allerdings ist relativ spät – und sicher (noch) nicht „The Art of Beginning“. Das Publikum bedankt sich dementsprechend mit starkem und freundlichem, aber nicht besonders stürmischem oder langanhaltendem Applaus.

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