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Ruhrfestspiel-Intendant Olaf Kröck

Intendant Olaf Kröck im Interview

Ruhrfestspiel-Chef: „Wir brauchen keine Hollywood-Stars“

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In Recklinghausen redet der Chef der Ruhrfestspiele, Olaf Kröck, mit uns über die neue Saison.

Es tut sich was bei den Ruhrfestspielen. Nicht nur, was das Programm betrifft. Olaf Kröck hat – mit Unterstützung des Landes – knapp 100.000 Euro in die marode Infrastruktur gesteckt. Auch und gerade in Sachen Technik. WLAN ist plötzlich auch bei den Ruhrfestspielen kein Fremdwort mehr… Wir haben uns mit dem Intendanten unterhalten. Allerdings nicht über wirklich alte Holzstühle, dringend nötige neue Bildschirme und endlich mögliche Telefon-Konferenzen, sondern über das Programm 2020, das längst liebgewonnene Publikum – und das anstehende Weihnachtsfest. 

Sie sind in der stressigen Planungsphase oder – angesichts der Programm-Veröffentlichung Ende Januar – wahrscheinlich schon viel weiter. Was wird sich ändern, was wird intensiviert, was reduziert? 

Grundsätzlich wird sich nichts ändern

Grundsätzlich wird sich, was das Programm betrifft, nichts ändern. Wir laufen drei, vier Tage länger und dauern jetzt genau sechs Wochen. Ansonsten sind und bleiben die Ruhrfestspiele ein Schauspiel-Festival. Und dazu kommen dann die anderen Angebote. Wir haben versucht den Mix aus ästhetischer Herausforderung, Entdeckungen und Prominenz ähnlich wie im Vorjahr zu halten. Denn die positive Erfahrung der letzten Spielzeit war wirklich eines: das Publikum der Ruhrfestspiele. Die vehemente Kritik vor gut einem Jahr, übrigens vor Veröffentlichung des Programms, hat mich durchaus zweifeln lassen: „Geht das gut?“ Aber ich bin regelrecht überwältigt, wie gut das gegangen ist. Auch in wirklich sehr herausfordernde Stücke sind viele Menschen gegangen. Das Publikum war nicht nur neugierig, sondern hat auch oft und klar betont, dass es mehr davon will. Aber ich will das Festival dennoch nicht komplett in diese Richtung drehen. Dann würden die Ruhrfestspiele ihr Herz verlieren. Zu Herz und Hirn dieses Festivals gehört diese Herausforderung. Aber dazu gehört auch die Breiten-Arbeit. Das heißt: ein wirklich gutes Kabarett-Programm, ein wirklich gutes Musik-Programm, ein wirklich gutes Kinder- und Jugendtheater-Programm – und natürlich der Neue Zirkus, der Fringe ersetzt hat – und hervorragend angenommen worden ist. Klar gemacht hat die letzte Saison aber auch das: Wir brauchen keine Hollywood-Stars um Erfolg zu haben. Recklinghausen kann viel mehr, als nur den Star zu holen und sich mit ihm zu schmücken. Das habe ich gerade nach der aufwühlenden Inszenierung von „Ein wenig Leben“ gemerkt. Das Publikum hat Lust mitzugehen. Es ging ja nicht um oberflächliche Provokation. Sondern um Inhalte. 

Sie hatten im letzten Jahr finanziell zu kämpfen, mussten mit weniger Geld als ihr Vorgänger, Frank Hoffmann, auskommen. Gibt es Veränderungen beim Sponsoring respektive den Finanzierungsmöglichkeiten des Festivals? 

Ja. Die RAG-Stiftung hat ihre Mittel erhöht – und damit das Wegbrechen der Mittel von Evonik abgefedert. Auch, wenn das nicht ganz kompensiert werden kann. Im letzten Jahr konnten wir bekanntlich weniger Produktionen einladen, deshalb weniger Plätze anbieten und weniger Karten verkaufen. Das bedeutet: weniger Einnahmen. Aber wir hatten glücklicherweise auch sehr vorsichtig gerechnet. 75 Prozent Auslastung waren anvisiert, 90 Prozent haben wir erreicht. Deshalb ist unsere finanzielle Situation auch so entspannter. Ganz konkret heißt das: Im letzten Jahr war es mehr als eine Million Euro weniger, jetzt ist es nur noch knapp eine Million Euro weniger. Es sind diesmal also rund 200.000 bis 300.000 Euro mehr. Damit können wir nicht über die Stränge schlagen oder direkt wieder auf sieben Wochen gehen. Aber damit kann man arbeiten. 

Gerade ist bereits der Vorverkauf für Jazz-Star Chilly Gonzales (25. Mai) sowie für Markus Stockhausen mit der WDR Big Band und dem WDR Funkhausorchester gestartet (31. Mai / wir berichteten). Worauf kann man sich ansonsten im nächsten Jahr freuen? 

Wir werden eine, wie ich finde, super Mischung haben. Eine aus richtig fantastischem Schauspiel-Theater, mit großartigen, auch aus Film oder Fernsehen bekannten Akteuren, mit echten Regie-Stars. Dabei sind aber auch richtige Klassiker, die hier ihre Premiere feiern. Zum Beispiel „Der zerbrochne Krug“ vom Schauspiel Hannover. Die Ruhrfestspiele können aber auch zeitgenössisches Tanztheater. Wir haben drei große choreographische Arbeiten. Groß heißt in diesem Fall: nicht in der „kleinen“ Version mit Musik vom Band, sondern gleich mit 20 Musikern und 13 Tänzern. Das Neuer-Zirkus-Programm kann sich zudem – auch mit einer Weltpremiere – ebenso sehen lassen wie das Kinder- und Jugendtheater-Programm. 

Das Recklinghäuser Publikum ist besonders

Sie haben im letzten Jahr Ihre erste Saison hier komplett durchgezogen. Was ist das Besondere, das Andere, das Bemerkenswerte an Recklinghausen, an diesem Publikum oder auch am Festspielhaus – wenn es so etwas denn gibt? 

Das gibt es. Ich wusste schon als reiner Besucher, dass das Recklinghäuser Publikum – gerade auch in punkto Begeisterungsfähigkeit – besonders ist. Das deckt sich auch ein bisschen mit dem Schauspielhaus in Bochum. Diese beiden Orte haben wirklich eine innere Seelenverwandtschaft. Und das hat sich für mich jetzt nicht nur bestätigt, es ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Denn diese Begeisterungsfähigkeit bedeutet auch: Neugierde. Meine Befürchtung, dass es ein Problem sei, dass wir in diesem Hollywood-Bereich nicht fischen, war Quatsch. Der Markt hat sich inzwischen total verändert. So etwas gibt es noch in kommerziellen Kreisen, am Broadway oder im Westend. Aber sonst nicht mehr. Und das Publikum sieht das genauso – und hat das genau so oft geäußert. In Gesprächen, in der Kartenstelle … Vielfalt ist gefragt. Die Menschen gehen zu Storno – und ebenso zu „Ein wenig Leben“. Sie sind offen, haben Lust, Neues zu entdecken – und zu verstehen. Und sie sagen einem natürlich auch mal die Meinung, wenn sie etwas nicht gut finden! Aber nie boshaft. 

Die Resonanz des Publikums war im letzten Jahr fantastisch – wie ist die Resonanz der Künstler aufs Revier, auf Recklinghausen, auf die Ruhrfestspiele? 

Gleichermaßen fantastisch. Recklinghausen darf wirklich stolz sein auf das, was es hier hat. Dieses Festival hat das absolute Potenzial, einer der wichtigsten Player in der europäischen Kunst-Szene zu sein. Dafür müssen wir aber auch Neues zeigen, Herausforderndes zeigen, Fremdes zeigen. Wir müssen konfrontieren, nicht unbedingt provozieren. Wir bekommen inzwischen direkte Anfragen von berühmten Künstlern, die hier dabei sein wollen. Verantwortlich dafür ist auch die Bereitschaft dieses Publikums. 

Ich feiere Weihanchten ganz klassisch

Bevor wir Sie gehen lassen, noch ein paar persönliche Fragen an den Intendanten: Wie feiern Sie Weihnachten? 

Ich feiere Weihnachten ganz klassisch mit der Familie. Und natürlich mit Weihnachtsbaum. Wahrscheinlich werde ich sogar irgendwann ein Buch herausbringen zu dem Thema. Ich erlebe jedes Jahr eine aberwitzige Geschichte mit unserem Weihnachtsbaum. Uns sind schon Bäume geschenkt worden, wir haben schonmal das Lametta mit dem Staubsauger abgesaugt oder uns von Treckern befreien lassen, weil wir mit dem Auto zu tief ins Land gefahren sind, um einen zu schlagen… 

Und was kommt bei Ihnen am Fest auf den Plattenteller? Eher „Last Christmas“, Klassik oder Smooth-Jazz?

Es geht bei uns relativ klassisch zu. Wir singen alle sehr gerne. Es wird also ordentlich gesungen. Und ich habe auch schon Blockflöte gespielt zu Weihnachten. 

Gerade hatten wir den Plattenteller, jetzt den echten. Was gibt es zum Fest? 

Ich koche immer für alle. Und seit Jahren mache ich so eine Art Weihnachts-Tapas. Nicht wirklich spanisch. Aber es kommen viele verschiedene Sachen auf den Tisch. Da kommt die Frage, ob irgendwer etwas nicht oder doch mag, gar nicht erst auf. Von der 8- bis zur 80-Jährigen. Es gibt also nicht den klassischen Gänsebraten mit Rotkohl oder Fondue. Es wird allerdings zunehmend vegetarischer. Nicht so sehr aus ideologischen Gründen, aber in unserer Familie geht das Fleisch-Interesse einfach zurück. Auch bei den Kindern. 

Die wichtigste Frage zum Schluss: Was wünschen Sie sich zu Weihnachten – bitte außer dem Weltfrieden? 

Ganz persönlich wünsche ich mir zu allererst, dass ich noch ganz oft mit meiner Familie, also auch den Großeltern meiner Kindern, zusammen feiern kann. Dann wünsche ich mir einen wirklich schönen Whiskey, also einen Single Malt – das einzige starke Getränk, das ich wirklich mag. Und, wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir wirklich sehr, dass wir in diesem Jahr für die Finalisierung des Spielzeit-Programmbuchs nicht noch einmal eine Sonderschicht am ersten Weihnachtsfeiertag einschieben müssen. Aber im Moment sieht das sehr gut aus!

Karten für die Konzerte mit Chilly Gonzales (25. Mai) sowie für Markus Stockhausen mit der WDR Big Band und dem WDR Funkhausorchester gibt es unter 0 23 61/ 91 83 21. INFO Das Gesamtprogramm der Ruhrfestspiele finden Sie am Abend des 28. Januar aktuell online bei uns unter www.24vest.de – und am 29. in allen Tageszeitungen des Medienhauses Bauer. Der Vorverkauf startet am 31. Januar. Karten gibt es dann in allen unseren Geschäftsstellen, im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter 02 09 / 14 77 999.

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