Ruhrfestspiele 2019

Annette Postel gewinnt das Publikum mit Witz und großer Opern-Kunst

Recklinghausen - Sie ist Chansonsängerin, Entertainerin, Kabarettistin und vermutlich die einzige deutschsprachige Operncomedienne – Annette Postel plauderte, nein sang bei den Ruhrfestspielen aus dem Opernnähkästchen.

Sie begeisterte das Publikum bei ihrem Stück „Sing oper stirb!“ mit viel Humor und vor allem mit einer grandiosen Vier-Oktaven-Stimme.

„Wer von Ihnen war denn schon mal in der Oper? Das Phantom der Oper zählt nicht!“ So beginnt Annette Postel ihren Abend im großen Zelt auf dem Grünen Hügel und scheint in diesem Moment schon zu wissen, dass sie die erfahrenen Opern-Fans und die völligen Opern-Neulinge am Ende des Abend gleichermaßen um den Finger gewickelt haben wird.

Es geht um singende Zicken, um Konkurrenzgehabe hinter der Bühne, um große Oberweiten und um das hohe C. Es ist kein Verunglimpfen, was Postel da bei ihrem Programm mit dem Untertitel „Operette sich, wer kann“ tut. Ihr Blick auf den Opernbetrieb bleibt liebevoll, bei aller wortgewandter Lästerei.

„Oh große Kunst, wie hold bist du mir?“ fragt Postel singend ihre eigene Profession, um schnell „Und wer bezahlt meine Miete?“ hinterherzuschießen. Was zwischendurch beinahe an Hape Kerkelings „Hurz“ erinnert, beweist doch, dass Postels Herz für die große Opern-Kunst schlägt. Sie liebt und beherrscht das, was sie an diesem Abend parodiert – finden sich schließlich die Pamina („Die Zauberflöte“) und die Donna Elvira („Don Giovanni“) in Annette Postels Vita.

Während sie augenzwinkernd Tenöre aufs Korn nimmt, große Gefühle nachspielt und sich mit ihrem wunderbaren Pianisten Peter Schnur neckt, erklärt Postel dem Publikum ganz nebenbei echte Zusammenhänge des Opernbetriebs. Ergebnis des Abends: Lust auf Oper. Nur wird man wohl so schnell nicht in die Oper gehen können, ohne dabei an Annette Postel zu denken.

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