Ruhrfestspiele 2019

„Boutelis“: Tanzende Kobolde mit Perücken

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Recklinghausen - Drei Mal war die Compagnie Lapsus aus Toulouse mit ihrer Produktion „Boutelis“ bei den Ruhrfestspielen im Theater Marl zu erleben.

Die schlafende Frau im blauen Kleid wird von einem seltsamen Wesen fast liebevoll beobachtet. Während sie auf dem Bett liegt und dem Erwachen entgegen dämmert oder langsam einschläft, wirbelt um sie herum das Leben. Es ist eine Mischung aus Traum und Wirklichkeit, die sich da in unterschiedlichen Sequenzen abspielt. Sie selbst ist die Hauptperson – oft geklont in Gestalt tanzender Männer mit braungelockten Perücken vor dem Gesicht.

Drei Mal war die Compagnie Lapsus aus Toulouse mit ihrer Produktion „Boutelis“ bei den Ruhrfestspielen im Theater Marl zu erleben. Mit ihrer Deutschlandpremiere haben die Franzosen die Reihe „Neuer Zirkus“ beim Festival eröffnet. Sie zeigen, was der Zirkus alles kann, wenn er sich aus vielen anderen Genres speist. Die Bühne wurde zur Traumwelt.

Neue Produktionen entwickeln die Mitglieder der Compagnie Lapsus im Ensemble

„Boutelis“ kommt als ein wunderbar komponiertes und sehr intensives Stück daher. Es vereint Körpertheater, Pantomime, Tanz und tolle Akrobatik, mit Musik und visuellen Effekten. Die Inszenierung spielt mit Licht und Schatten in einem reduzierten Bühnenbild, das mit spärlichem Mobiliar bestehend aus Bett, Schrank, Spiegel und zwei Türen auskommt. Letztere symbolisieren Tore in eine andere Welt und manchmal auch die letzte Fluchtmöglichkeit. Es gibt immer neue überraschende Perspektiven, voller Bewegung und mit viel Humor inszeniert.

„Boutelis“ ist der arabische Begriff, der den Zustand des Halbbewusstseins zwischen Wachen, Schlafen und Träumen beschreibt. Die Compagnie erzählt eine Geschichte aus dieser Zwischenwelt, in der die Frau im blauen Kleid sich selbst immer wieder neu begegnet. Figuren werden dressiert, zur Seite geschubst und dann wieder liebevoll umarmt. Clowneske Momente mit tanzenden oder kriechenden Kobolden wechseln mit toller Akrobatik, Kunststücken auf dem Einrad Jonglage und mehr. Virtuos wird ein Winddrachen über die Bühne gelenkt. Tagfantasien, böse Albträume und romantische Illusionen werden in „Boutelis“ zu einer mal anrührenden, dann hinreißend komischen Show.

Neue Produktionen entwickeln die Mitglieder der Compagnie Lapsus im Ensemble. Grundlage für „Boutelis“ war das Essay „Air and Dreams“ („Luft und Träume“) des französischen Philosophen Gaston Bachelard über die Kraft der Vorstellung von Bewegung.

Reise ins menschliche Unterbewusstsein

Die Compagnie Lapsus baut darauf eine Reise in das menschliche Unterbewusstsein auf und macht sie mit zirzensischer Heiterkeit zur leicht verdaulichen Theaterkost. Einfach schön!

Mit „Boutelis“ behauptet der Neue Zirkus seinen gleichberechtigten Platz in der Welt der zeitgenössischen Künste. Die Compagnie Lapsus zeigt damit auch, dass Anspruch und Unterhaltung keine Gegensätze sind. Gerne mehr von solchen feinsinnigen Theatererlebnissen wie „Boutelis“, das in Marl vom Publikum gefeiert wurde.

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