Ruhrfestspiele 2019

Von dieser Inszenierung bleibt nur wenig haften

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Recklinghausen - „Hochdeutschland“ kommt über eine blasse Schaumparty kaum hinaus.

Mit einem der letzten Gastspiele in dieser Saison zeigte Festivalintendant Olaf Kröck am vergangenen Wochenende noch einmal, wofür das Ruhrfestspielmotto seiner ersten Saison „Politik und Poesie“ steht. „Hochdeutschland“ in der Inszenierung der Münchner Kammerspiele soll eine hochpolitische, gesellschaftskritische Betrachtung der Gegenwart sein. „Das Buch der Stunde“, so jubelte das Wochenmagazin „Zeit“ über Alexander Schimmelbuschs Roman, der 2018 erschien und in einem fiktiven Jahr 2017 spielt.

Der junge Regisseur Kevin Barz macht daraus eine eineinhalb Stunde lange wortreiche Abrechnung mit der grenzenlosen Kapitalverliebtheit im 21. Jahrhundert und einem moralischen Fingerzeig auf diejenigen, die abgehängt und ausgegrenzt werden. Aber er kommt dabei über eine blasse Schaumparty leider nur wenig hinaus. Schimmelbuschs Politsatire zwischen bitterböser Abrechnung und sozial-romantischer Utopie böte deutlich mehr Potenzial.

Auf der Bühne des Kleinen Theaters im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen löst sich die Welt des erfolgsverwöhnten, stinkreichen Bankers Victor in einem Meer von Seifenblasen auf. Zwei Schauspielerinnen (Zeynep Bozbay und Julia Windischbauer) und zwei Schauspieler (Jannik Mioducki und Abdoul Kader Traoré) werden in der Inszenierung von Regisseur Kevin Barz zu Rezitatoren und Erzählern. Sie sind ganz in weiß und mit Regenmänteln als Schutz bekleidet. Bis zum Bauch stehen sie in dem alles überflutenden Schaum auf dämmriger Bühne. Es ist eine kalte Welt, die aus dem Hintergrund der Bühne am Flügel von Sachiko Hara mit romantischen Kompositionen irritierend durchbrochen wird.

Victor sitzt in seiner noblen Suite im Hotel Adlon und lässt im fiktiven Jahr 2017 sein Leben an sich vorbeiziehen. Er schaut auf die globale Gesellschaft und findet wenig, was ihn zufrieden stellt. Zwischen Pasta Carbonara und Vitello Tonnato sinnt er darauf, wie die Welt besser werden kann. Mit der Gründung der Deutschland AG und der Begrenzung des Vermögens auf 25 Millionen Euro für Superreiche soll die Ungleichheit gelindert werden und die Gerechtigkeit wieder ein zentraler gesellschaftlicher Wert. Er will der Weiße Ritter sein und schreibt sein Manifest.

Das Schauspiel-Quartett in Kevin Barz Bühnenfassung listet die Ideen des ernüchterten Multimillionärs Victor wie auf einer Perlenkette auf, bleibt kühl, nüchtern, distanziert – und leider blass. Da helfen auch keine Tauchbäder in Seifenblasenbergen. Am Ende fällt die schaumige Pracht unter einem Wasserstrahl zusammen – auch von der Inszenierung bleibt nach dem braven Schlussapplaus wenig haften.

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