Ruhrfestspiele 2019

Geistliche Chormusik bei den Ruhrfestspielen

Recklinghausen - Der Städtische Chor Recklinghausen widmet sich bei den Ruhrfestspielen mit der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) geistlichen Werken von Antonín Dvorák.

Geistliche Chormusik bei den Ruhrfestspielen? Das mutet wie ein Fremdkörper in einem Programm mit explizit politischem Zuschnitt an. Den als „Frühlingskonzert“ angekündigten, keineswegs heiteren, vielmehr besinnlichen Auftritt des Städtischen Chores Recklinghausen mit der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) in der Christuskirche kann man als Programmbeitrag zugeschnitten auf ein Gotteshaus betrachten.

Und da ergibt er beim diesmal besonders breit gefächerten Festival Sinn. Nämlich als dezenter Hinweis auf das kulturelle Potenzial dieser Region. Den traditionsreichen Städtischen Chor muss man in Recklinghausen nicht noch extra preisen. Was dieser Klangkörper unter der Leitung von Alfred Schulze-Aulenkamp, eines profilierten Chorerziehers, zu leisten vermag, erreicht oft professionelles Niveau.

Staunen durfte man über seine imponierende Flexibilität und eine Klangpracht, die Antonín Dvorák auf der Höhe des Komponierten gerecht wird. Sein geistliches Werk, aus dem das Requiem herausragt, steht im Schatten des hinlänglich Bekannten.

Schulze-Aulenkamp tat gut daran, die für einen tschechischen Architekten und Mäzen zur Einweihung einer Schlosskapelle komponierte D-Dur-Messe in ihrer späteren Orchesterfassung von 1892 mit dem ebenfalls 1892 zu einem ganz und gar nicht geistlichen Anlass, der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus in New York uraufgeführten wuchtigen Te Deum zu kombinieren. Ein Kontrastprogramm sozusagen.

Was bei Dvorák schillernd und in den exakt dem lateinischen Ordinarium folgenden Chorpassagen der Messe schwebend klingt, verlangt höchste Präzision. Nur im Sanctus fehlte es kurz an Feinabstimmung zwischen Chor und Orchester. Die abgestufte Dynamik meisterte Schulze-Aulenkmap mit Weichzeichner.

Die Zeit scheint stehen zu bleiben

Und weich intoniert der Chor das Kyrie, bevor der Gesang mehrstimmig mächtig anschwillt. Im Domine Deus des Glorias scheint die Zeit stehen zu bleiben. Im Credo besticht der Chor durch dramatische Emphase. Im Credo klingt das Cruzifixus wie ein Aufschrei.

Neben der dezent begleitenden Neuen Philharmonie Westfalen fielen vier erstklassige Solisten ins Gewicht: an erster Stelle die 2015 vom Musiktheater im Revier nach Mainz gewechselte Dorin Rahadja mit der blühenden Klangpracht ihres wohlgerundeten Soprans, Eva Nesselraths profunder Alt, Giovanni Silvas leuchtender Tenor und der kurzfristig eingesprungene Bariton Thomas Peter in der sonor gemeisterten Bass-Partie.

Im Te Deum, das der Chor schon 2012 gesungen hat, spielt das Orchester eine ungleich wichtigere Rolle. Erstaunlich modern klingt das Aeterna, und der Chor trumpft so mächtig auf, als sänge er Orffs Carmina Burana, nachdem er gerade erst mit vorbildlicher mezza voce beeindruckt hat.

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