Ruhrfestspiele 2019

"Heldenzentrale“ ist ein Stück für junge Menschen von ganz eigener Ästhetik

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Recklinghausen - Charlotte Luise Fechners „Heldenzentrale“ ist ein Theaterstück für junge Menschen von ganz eigener Ästhetik. Es wurde im Rahmen der Ruhrfestspiele aufgeführt.

Schule mit starren Sitzreihen und Frontalunterricht an einer Kreidetafel, das war gestern. Heute setzt man pädagogisch auf bewegliche Lerninseln. Auch im jungen Theater lösen sich alte Formate zunehmend auf, spielt das jeweilige Stück nicht mehr nur vorne auf der Bühne. So startet Charlotte Luise Fechners „Heldenzentrale“ „irgendwo im Nirgendwo“ – mitten im Ruhrfestspielhaus, zwischen Raum Zeppelin und dem kleinen Studio im Obergeschoss.

Dort dürfen Schüler ab neun Jahren erst einmal Kisten hin und her schleppen und den Eingangsworten eines Erzählers (wunderbar in einer Dreifachrolle: Nima Bazrafkan vom Kölner COMEDIA Theater) lauschen. Wie gesagt: Irgendwo im Nirgendwo, auf einem verlassenen Parkplatz am alten Güterbahnhof entdecken Olivia (Laura Schümann) und der leicht verpeilte Galip (Marius Bechen) bei der täglichen Fahrt zur Schule einen verlassenen LKW.

Sie ist genervt und aktiviert jeden Morgen ihre Superheldinnenkräfte, „mutet“ alles und alle, um endlich Ruhe zu haben – vor den Kontrollanrufen der Helikopter-Mama, der nervenden Schlagermusik vom Schulbusfahrer und den blöden Sprüchen ihrer Mitschüler. Er, versetzungsgefährdet und deshalb täglich im Clinch mit seinem Dad, will möglichst unbeobachtet Gedichte als SAMS, also „Sprachnachricht an mich selbst“, in sein Handy sprechen – etwa in der Art: „Für das Leben, das wir haben, braucht man Helden, die es tragen.“

Beim Schulausflug ins Theater findet Galip seine Superhelden freilich nicht, auch wenn er sich mitten ins junge Publikum setzt, Selfies nach dem Motto „Hashtag #Hero of the day“ mit ihm schießt und vorgebetet bekommt, dass Superhelden etwa Hunger und Durst stillen sollten. „Wir brauchen Essen und Trinken für die ganze Welt, das kann was dauern.“

Zu lange, entscheidet Galip. Und so entern Olivia und Galip unabhängig von einander und irgendwie doch gemeinsam den LKW statt das Sommercamp.

Eine schöne, stimmige Boschaft

Sie machen ihn – „pling, pling, schütt, plum, pling, jetzt den Motor an, geht doch“ wieder flott und düsen in ihrem Geheimquartier durch die Nacht, immer auf der Suche nach Mut, Talent, Zugehörigkeit, kurz: nach Superhelden. Am Ende finden sie sich schließlich selbst und stellen fest: „Wir alle sind super. Super genug.“ Diese Botschaft des Stücks ist schön und stimmig.

Doch so manches Mal versucht das Team des COMEDIA Theaters zu sehr, mit der Sprache der Jugend, „whatever“, zu gefallen und es reiht auffallend viele schräge Szenen mit abstrakten Bildern aneinander. Kartons als Güterbahnhof. Kartons als LKW-Ladung. Kartons als klappriger Schulbus. „Klack, klack.“ Kartons sogar als Köpfe nervtötender Eltern.

Immerhin: Mit diesen knappen Ressourcen schafft es dennoch eine ganz eigene Ästhetik und eine neue Zugangsform zu einem Hort, in dem Unterschiedlichkeit erfahren, Austausch geübt und Toleranz gelernt wird.

Rubriklistenbild: © Thomas Nowaczyk

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