Ruhrfestspiele 2019

Milan Peschel kann bei Ruhrfestspiel-Lesung nicht durchweg überzeugen

Recklinghausen - Warum der großartige Schauspieler und Regisseur Milan Peschel bei seiner Ruhrfestspiel-Lesung nicht durchweg überzeugen konnte.

Es gibt Schauspieler, die, wie etwa Ronald Zehrfeld im vergangenen Jahr, ihre Hausaufgaben nicht wirklich gut machen, sich auf ihre Lesung kaum vorbereiten oder sie vermasseln. Und es gibt die Fleißigen wie Milan Peschel. Sie durchdringend schwierige Texte vorab sehr genau. Texte, die sie mitunter selbst gewählt haben. Und trotzdem bleibt ein Rest Unsicherheit, das Räuspern und die kleinen Textstolperer - so auch bei der letzten vom Medienhaus Bauer präsentierten Lesung der diesjährigen Ruhrfestspiele unter dem Titel „Für alle reicht es nicht“ von Heiner Müller.

Eigentlich ist Milan Peschel ein Publikumsliebling. Er ist bescheiden, offen, sympathisch, ein talentierter Schauspieler und Regisseur, der schon am Bochumer Schauspielhaus unter Olaf Kröck Johann Nestroys „Freiheit in Krähwinkel“ inszenierte und beim Intendanten einen „großartigen“ Eindruck hinterließ, wie Kröck auf die letzte Premiere am grünen Hügel einstimmte. Ein begnadeter Leser vor dem Herrn ist Milan Peschel – leider, muss man sagen – weniger. Was er zu Beginn auch unumwunden zugibt: „Ich mache das nicht so oft, ich bin mehr der Spieler und habe letzte Nacht vor Aufregung kaum geschlafen.“

Aufregung, die auch von seiner Bewunderung für den Autor Heiner Müller, der in diesem Jahr 90 geworden wäre, herrühre: „Es liegt mir am Herzen, zu sagen, dass ich mir Heiner Müller ausgesucht habe. Vielleicht, weil ich auch aus der DDR stamme, sicher aber, weil er eine Leerstelle in meiner Biographie ist.

Milan Peschel: "Ich komme mir vor wie ein DJ"

Ich durfte ihn nie persönlich kennenlernen. Es ist heute also eine Art erste Begegnung mit einem Idol, einer Vaterfigur.“ Apropos Vater: „Ein toter Vater wäre vielleicht ein besserer Vater gewesen“, rezitiert Peschel. „Am besten ist ein totgeborener Vater.“ So steht es in Heiner Müllers „Der Vater“ aus dem Werk „Germania: Tod in Berlin“ von 1958. Was danach folgt, sind Fragmente wie „Bericht vom Großvater“, „Das Duell“ über den Weg der Panzer von Berlin nach Moskau und zurück, „Der Mann im Fahrstuhl“ aus „Der Auftrag“ oder „Germania 3. Gespenster am toten Mann über Stalin und Hitler sowie Prosa im Stil von „“Bilder“ aus dem Jahr 1955, „Der glücklose Engel“ oder das bittere Diagnosegedicht „Herzkranzgefäss“.

Er komme sich vor wie ein DJ, sagte Milan Peschel in seiner humorig-selbstkritischen Art. Ein DJ, der einen Best-of-Mix aus zu vielen guten und manchmal doch unbekannten Werken für eine Hommage an Heiner Müller auswählen soll. Das Publikum dürfe ruhig fragen oder den Raum verlassen, wenn die Lesung zu banal würde: „Das soll hier keine einseitige Angelegenheit sein“, so der Schauspieler in dem leider nur halbvollen großen Haus.

Das Publikum blieb, lauschte Peschels Gedankengängen wie „ganz schön traurig“, „einmal gemeinsames Abhusten“ oder „das stellt sich mir jetzt, wo ich es vor Publikum lese, ganz anders dar“. Dafür erntete er oft Zustimmung, Kopfnicken und taute allmählich doch noch auf. Am Ende, nach knapp 90 Minuten, bedachte Recklinghausen ihn dafür mit einem langen, herzlichen Applaus.

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