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Immer präsent – und immer auch im Gespräch mit dem Publikum: Olaf Kröck (M.

Ruhrfestspiele 2019

Ruhrfestspiel-Publikum im Sturm erobert

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Recklinghausen - Wie Intendant Olaf Kröck bereits in seiner ersten Saison eine spektakuläre Auslastung von mehr als 90 Prozent erreichen konnte.

Die Ruhrfestspiele, das renommierte, erfolgreiche und älteste Theaterfestival Europas, in neue Hände zu geben, ist nicht einfach. Das Programm muss stimmen, das Publikum muss mitziehen. Sonst endet die Saison – wie 2004 bei den Ruhrfestspielen unter Frank Castorf – im nicht nur finanziellen Desaster. Doch Olaf Kröck hat es geschafft. Der neue Intendant hat den am Wochenende endenden Ruhrfestspielen im Handumdrehen seine eigene Handschrift verpasst – und das Publikum im Sturm erobert. Auch durch seine große Präsenz auf Recklinghausens Grünem Hügel.

Mit einer Auslastung von mehr als 90 Prozent – trotz einer Million Euro im Etat weniger und einer deutlich gekürzten Festspiel-Zeit – schreibt Kröck sogar Festspiel-Geschichte. Diese Auslastung ist prozentual gesehen das drittbeste Ergebnis der Ruhrfestspiele seit 1991. 71.000 Karten gab es, 64.000 wurden verkauft. Kröck: „Wir sind schlicht überwältigt … Die diesjährigen Ruhrfestspiele haben gezeigt, dass Theaterkunst, die sich mit Inhalten der Gegenwart beschäftigt, große Zuschauergruppen erreichen kann. Die Lust auf eine Auseinandersetzung mit genau diesen Themen haben den Erfolg der Ruhrfestspiele 2019 ausgemacht.“

Die Festspiele als Festival der Ovationen

Und Kröck hat viele Akzente gesetzt. Tanz hat schon bei der Eröffnungspremiere eine wichtige Rolle gespielt, das Kinder- und Jugendtheater wurde stark ausgebaut, Neuer Zirkus begeisterte – auch in Spielstätten wie der Halle König Ludwig 1/2 – und löste Fringe mit ab. Und auch optisch wurde auf dem Grünen Hügel und im Festspielhaus einiges geändert. Für das heimische Publikum ist Kröck dabei voll des Lobes: „Die Ruhrfestspiele sind das Festival der Ovationen … Das ist eine Welle der Liebe“, sagte Kröck im Gespräch mit dieser Zeitung. Nirgendwo sonst habe er so eine Begeisterungsfähigkeit erlebt.

Die Schauspieler seien oft regelrecht überwältigt, erzählt er aus den vergangenen Tagen. Manch einer habe den stürmischen Applaus sogar mit dem Smartphone gefilmt – und Recklinghausens guten Ruf über die Social-Media-Kanäle in aller Welt verbreitet. Aber auch das Fehlen dieser Ovationen sei hier immer eine klare Aussage.

Allerdings kamen die Besucher bei weitem nicht nur aus der Region. Es gab Zuschauer auch aus Kanada, Australien, den USA, Russland, China, Brasilien, Großbritannien, Polen, der Slowakei, Ungarn, Italien, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Schweden. Und das spricht auch für die inhaltliche Ausrichtung – und das Alleinstellungsmerkmal der Festspiele.

Einiges soll sich im nächsten Jahr ändern

Nach den Ruhrfestspielen ist bekanntlich vor den Ruhrfestspielen. Und deshalb ist schon jetzt klar: Im nächsten Jahr soll sich trotz des Erfolgs einiges ändern. Das fange, so Kröck, zum Beispiel bei den noch nicht zufriedenstellend eingesetzten Wegweisern zum Festspielhaus an. Da hätte man oft schon abbiegen müssen, wenn man sie gerade sehe.

Und auch die Kommunikation mit dem Publikum könne an vielen Stellen noch verbessert werden, damit die Zuschauer auch wirklich wissen würden, was sie erwartet.

Ganz wichtig: Publikumsrenner sollen zukünftig mindestens drei-, viermal gespielt werden. „Wir wollen nicht, dass sich 1 000 Menschen ein Stück mit bekannten Schauspielern wie Devid Striesow und Maria Schrader angucken können, aber doppelt so viele enttäuscht sind und auf der Warteliste stehen“. Schon jetzt sei man deshalb für 2020 in Gesprächen, die genau so etwas ausschließen sollen.

Olaf Kröck hat alles richtig gemacht. Er hat in seiner ersten Saison als Intendant der Ruhrfestspiele ein anspruchsvolles, vielfältiges, buntes Festival auf die Beine gestellt. Ein großes Festival, das Theater und Tanz, Kabarett und Comedy, Kinder- und Jugendtheater, Lesungen und viele musikalische Höhepunkte bot. Das hatte er versprochen, das hat er gehalten.

Er hat dem Festival aber auch sofort eine eigene Handschrift verpasst – und nicht versucht, die alten Ruhrfestspiele zu kopieren. Mancher mag die Handschrift, manch’ einer nicht. Sicher ist: Das Publikum insgesamt ist ihm trotz Änderungen und Neuausrichtungen gefolgt. In Massen.

Das lag einerseits wohl auch an den oft nur moderaten Modifizierungen. Kröck hat teils, wie bei Fringe, nur die Verpackung geändert, aber die Inhalte weiter angeboten. Andererseits lag es aber auch sicher daran, dass Kröck auf die Menschen hier zugegangen ist. Der Intendant war da. Er war immer, na ja: fast immer präsent. Er begrüßte die Zuschauer bei Premieren, er diskutierte mit ihnen vor oder nach Vorstellungen, er stand scheinbar jederzeit Rede und Antwort. Das kam an.

Der mit 90 Prozent Auslastung so enorme Zuspruch des Publikums ist ein Schatz. Ein Schatz, den es allerdings auch zu bewahren gilt. Man kann nur hoffen, dass Kröck auch im nächsten Jahr ein so spannendes wie anspruchsvolles Programm bietet, trotz aller wünschenswerten Änderungen nicht mit der Axt zu modifizieren beginnt – und weiter die Nähe der Zuschauer sucht. Dann dürfte dem weiteren Erfolg nichts entgegenstehen. Hoffen muss man aber auch, dass die Sponsoren den diesmal mit einer Million Euro weniger ausgestatteten Etat auf Grund des bemerkenswerten Erfolgs endlich wieder in altbekannte – oder bessere Bahnen lenken. Das wäre Kröck, den Ruhrfestspielen und dem Publikum zu wünschen. Denn dieses herrliche Festival hätte, wie es bisher üblich war, ruhig noch ein bisschen länger dauern können.

64.000 Zuschauer – und 90 Prozent Auslastung bedeuten, so Kröck: „Die Säle waren voll. Alle Säle waren voll“. Und das sind sie auch jetzt am Abschluss-Wochenende.

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