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Auch Malik Enes Can – hier bei einer Sketch-Probe in der Otto-Burrmeister-Realschule – wird mit seinen Mitschülern auf dem „Jahrmarkt international“ auftreten.

Ruhrfestspiele 2019

200 Schüler treten beim "Jahrmarkt international" auf

Kreis RE - Der „Jahrmarkt international“ wird am 24. Mai auf der Wiese vor dem Ruhrfestspielzelt eröffnet. Fürs Spektakel sorgen 200 Schüler aus dem Kreis.

Das Schild hängt bereits auf der Wiese vor dem Ruhrfestspielzelt: „Jahrmarkt international“. Der „Rummel“ beginnt am 24. Mai, dauert dann eine Woche lang. In den nächsten Tagen wird im Recklinghäuser Stadtgarten aufgebaut, was so dazugehört: ein großes Eingangstor und eine Wurfbude, ein Theaterwagen mit Bühne und ein Verkaufswagen mit Backofen, diverse Zelte und Stände.

„Jahrmarkt international“ ist ein Arbeiten-und-Lernen-Projekt des Jobcenters Kreis Recklinghausen in Kooperation mit den Ruhrfestspielen und dem Bildungszentrum des Handels (BZdH): Zwölf junge Erwachsene – darunter mehrere Flüchtlinge – sägen, hämmern und schrauben seit Monaten, um die Jahrmarkt-Hütten entstehen zu lassen. Parallel dazu feilen sie an ihren Sprachkenntnissen und Schulabschlüssen, um so ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu verbessern.

So weit, so gut. Damit es auf dem „Jahrmarkt international“ aber auch richtig trubelig wird, muss ein buntes Programm her, ein Spektakel – „und darum kümmern sich vor allem rund 200 Sechstklässler von der Otto-Burrmeister-Realschule in Recklinghausen, der Sekundarschule-Süd in Castrop-Rauxel und der Paul-Gerhardt-Schule in Oer-Erkenschwick“, erläutert Dorothee Kuckhoff vom BZdH. Die Mädchen und Jungen werden Sketche aufführen, einen Film zeigen, Hör- und Videoinstallationen präsentieren oder Ruhrfestspiel-Flaneure zu Mitmachspielen einladen.

Dorothee Kuckhoff leitet das BZdH-Projekt „Lebenswelten aktiv gestalten“. Dessen Ziel ist es, „dass die Kinder ihr Umfeld erkunden, ihre Stadt“, so BZdH-Geschäftsführerin Gabriele Bültmann. „Sie sollen herausbekommen, was man sonst noch tun kann, außer am Handy oder der Playstation zu hängen. Und dabei soll auch ein großer Wert auf die kulturelle Bildung gelegt werden.“

Intendant Kröck übernimmt Nebenrolle

Insgesamt beteiligen sich 1460 Sechstklässler von 18 Schulen aus den Kohlerückzugsgebieten des Ruhrgebiets auf unterschiedlichste Weise am „Lebenswelten“-Projekt. Und 200 Mädchen und Jungen von drei Schulen bereiten sich in diesem Rahmen nun seit mehreren Monaten mit Künstlern und Trainern auf ihren großen Tag beim „Jahrmarkt international“ vor.

So laufen auf einer Bühne in der Otto-Burrmeister-Realschule gerade die Proben für einen Sketch. „Er handelt von zwei Jungen, die beste Freunde sind“, erzählt Sechstklässler Malik Enes Can. Doch dann werde diese Freundschaft auf die Probe gestellt. „Es kommt ein Mädchen neu in die Klasse. Und beide Jungs wollen es beeindrucken.“

Für die Ruhrfestspiele ist es möglicherweise nicht ganz ohne Risiko, sich auf derartige Projekte einzulassen. Schließlich wissen sie vorher nie, wie sehenswert das jeweilige Ergebnis sein wird. „Aber bei uns im Haus gibt es eine große Offenheit für solche Ideen“, betont der Theaterpädagoge Alois Banneyer. „Das sieht man ja auch daran, dass unser neuer Intendant Olaf Kröck in dem Film der Otto-Burrmeister-Schule eine Nebenrolle übernommen hat.“

Kröck spielt sich selbst in „Wie von Geisterhand! Die wirklich wahre Geschichte der Ruhrfestspiele – echt, ich schwör“. Auf den Film und vor allem die Schüler ist die künstlerische Begleiterin Susanne Burmeister sehr stolz: „Die Schüler merken, dass aus einer Idee durch Phantasie und Kreativität wirklich etwas werden kann – wenn sie zusammenhalten, diszipliniert ‚dranbleiben‘ und sich jeder einbringt.“

Das „Jahrmarkt“-Programm

Der „Jahrmarkt international“ ist vom 24. bis zum 31. Mai auf der Wiese vor dem Ruhrfestspiel-Zelt geöffnet. -Die Sechstklässler der Otto-Burrmeister-Realschule Recklinghausen präsentieren selbst geschriebene Sketche („Ehrliche Arbeit, beste!“, „Gängstaschule“), einen Film und die Literaturperformance „Das Horrorhaus“. Außerdem ziehen sie mit „Kreaturen, denen du noch nie begegnet bist“ als Walking-Act über den Jahrmarkt – und zwar am Freitag, 24. Mai, um 11.30 und 17 Uhr. -Die Castrop-Rauxeler Sekundarschule-Süd ist dabei mit Sketchen, dem „Jahrmarkt der Masken“, einer Installation mit Fühlboxen und ganz viel „Mitmachspaß“ (Dosenwerfen, Torwand) – und zwar am Montag, 27. Mai, sowie Dienstag, 28. Mai, jeweils um 11.30 und 17 Uhr. -Die Oer-Erkenschwicker Paul-Gerhardt-Schüler haben sich spielerisch mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten auseinandergesetzt – und präsentieren eine Hör- und Videoinstallation (Mittwoch, 29. Mai, 11.30 und 17 Uhr). Der Eintritt ist jeweils frei. -Das Projekt „Lebenswelten aktiv gestalten“ vom Bildungszentrum des Handels in Recklinghausen wird vom Land NRW und dem Europäischen Sozialfonds finanziell unterstützt – sowie von der RAG-Stiftung und der Stiftung Mercator gefördert.

Die Jungen und Mädchen sollen auf dem „Jahrmarkt international“ zeigen, was sie können – und dadurch als Persönlichkeiten wachsen. „Die Ruhrfestspiele wirken auf viele unserer Schüler wie etwas Unerreichbares. Auch das soll sich ändern“, sagt Kuckhoff. Banneyer freut es jedenfalls, „wenn wir in der Lebenswelt dieser Kinder Kontur annehmen“.

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