Ruhrfestspiele 2019

Warum ein 200 Jahre altes Märchen modern gespielt eine Freude ist

Recklinghausen - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, ein Märchen der Gebrüder Grimm – in der bekannten Fassung stammt es aus dem Jahre 1819 – steht auf dem Plan, im Kleinen Haus.

Wohlwissend, dass Theater überraschen kann, aber dennoch nicht vorbereitet auf die kleinen und großen Spektakel, die das Performancekollektiv Showcase Beat Le Mot da auf die Bühne bringen wird, nimmt das Publikum Platz.

Eine karge Bühne, ein paar Ständer, die wie Hängemattenhalterbausätze wirken, laute Musik, vier Menschen in hellblauen Schlafanzügen mit roten skelettähnlichen Aufdrucken auf der Vorderseite. Rückwärts kommen sie bis zum Bühnenrand – und beginnen das Märchen so modern und besser zu erzählen, als man es sich hätte träumen können, in einer so lakonisch-flapsigen improvisiert wirkenden und dennoch gezielt gespielten Weise, dass es eine wahre Freude ist.

Auf Seelenfang in Castrop-Rauxel

Die Geschichte ist hinlänglich bekannt – ein armes Glückskind soll die Prinzessin heiraten und der König will das mit aller Macht verhindern. Schafft er aber nicht, ätsch! – obwohl er es auf Deubel-komm-raus versucht – auf vielerlei Art und schließlich mit der Bedingung, die drei goldenen Haare des Teufels zu organisieren. Die einzigen Requisiten sind silberglänzende hohle Stangen, die Sprachrohre sind, zu Wald und Fluss werden können, zu Feuerstellen, zu Ameisenaugen und zu Briefumschlägen. Klingt skurril? Ist es nicht, es ist unaufgeregt und plausibel, erst recht für die Kinder im Publikum – spielt es sich nicht im „echten“ Leben genau so am besten: mit ein paar Stöcken, Humor und Spontanität?

Ein Junge aus der dritten Reihe, Alexander (10) aus Dortmund, hat einen spontanen Mitmach-Auftritt – und das Publikum feiert ihn, als er sich auf den lockeren Tonfall der Darsteller einlässt und abgeht mit den Worten: „Ich bin dann weg hier.“

Die Geschichte mag alt sein, aber darf unbedingt mit „Einhorn-Emojis“ und „Hausarrest und Internetverbot“ garniert, mit ausdrucksstarkem Tanz und lustig-albernden Partyszenen versetzt werden. Die Pause wird ebenso lapidar wie lustig angesagt mit: „Es gibt so Dinger hier aus Teig, mit Schoko. Und nach der Pause sehen wir uns in der Hölle.“

Video-Sequenzen, Lieder („Und was vorwärts geht, und was rückwärts fällt…“) und Alltagssprüche („Wenn der Teufel von der Arbeit kommt, ist hier aber was los“ und „Boah, ich muss auf Seelenfang gehen, in Castrop-Rauxel.“) lassen diese Inszenierung zu einem Gesamtbild werden, das man noch stundenlang hätte anschauen können.

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