Ein leeres Bett steht auf der Intensivstation im Prosper Hospital in Recklinghausen.
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Noch stehen viele Intensivbetten im Kreis Recklinghausen - hier ein Patientenzimmer im Recklinghäuser Prosper Hospital - leer. Angesichts steigender Neuinfektionszahlen rüsten sich die Kliniken aber dafür, wieder mehr Corona-Patienten behandeln zu müssen. Besonders kritisch ist die Infektionslage weiterhin in Gladbeck.

Auch bundesweit ganz vorne

Corona-Krise: Diese Kreis-Stadt ist weiter Spitzenreiter bei den Fallzahlen und bricht einen traurigen Rekord

  • Oliver Prause
    vonOliver Prause
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Im gesamten Kreis Recklinghausen steigen die Corona-Infektionen stark an. Aber eine Stadt ist seit Beginn der Pandemie bei den Fallzahlen unerreicht. Jetzt wurde dort ein trauriger Rekord aufgestellt.

Update, 15.10., 10.50 Uhr: Gladbeck bleibt weiterhin der traurige Rekordhalter im Kreis Recklinghausen, was die Anzahl der Infektionen mit dem Coronavirus betrifft. So schießt die 7-Tage-Inzidenz nach Zahlen der Kreisverwaltung am Donnerstag auf 125,6 hoch. 627 Fälle wurden bislang bekannt, 455 davon gelten als geheilt. Es gab 23 Todesfälle in Gladbeck. Noch dramatischer ist die Lage deutschlandweit nur in Berlin-Neukölln mit einer Inzidenz von 153,2 sowie im Eifelkreis Bitburg-Prüm (131,2).

Unsere bisherige Berichterstattung: Seit dem vergangenen Wochenende ist der Kreis Recklinghausen nun auch offiziell Corona-Risikogebiet. Die von der Kreisverwaltung am Dienstagnachmittag gemeldete Inzidenz (der labortechnisch bestätigten SARS-CoV-2-Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) liegt aktuell bei 65 und damit über der Schwelle von 50. Folglich müssen in allen zehn Städten umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Kraft gesetzt werden.

Corona-Maßnahmen: Gladbeck waren zunächst die Hände gebunden

Eine Kommune hätte aber gerne schon viel früher eingegriffen, weil die eigene Sieben-Tage-Inzidenz bereits seit längerem deutlich über dem Grenzwert von 50 lag: Gladbeck. Doch den dort Verantwortlichen waren zunächst die Hände gebunden, weil man als kreisangehörige Stadt nicht selbstständig tätig werden konnte.

Dabei wäre ein schnelles Einschreiten wohl dringend nötig gewesen. Schon zu Beginn der Pandemie lagen die Fallzahlen in Gladbeck klar über denen der anderen Kreis-Städte. Das lag zunächst am Corona-Ausbruch in einem Gladbecker Altenheim, den man dort lange Zeit nicht in den Griff bekam. Die Folge: Insgesamt zehn Heimbewohner im Cura-Seniorenzentrum starben im Frühjahr an den Folgen des Sars-CoV-2-Erregers - weitere infizierten sich, genauso wie zahlreiche dort Beschäftigte.

Sieben-Tage-Inzidenz: Bundesweit liegen nur wenige Orte vor Gladbeck

Nach einer Phase der scheinbaren Ruhe im Sommer verlagert sich das Ausbruchsgeschehen in diesem Herbst jetzt in erster Linie an die Schulen in Gladbeck. Die Corona-Inzidenz stieg in den letzten Wochen dadurch kontinuierlich an. Aktuell liegt Gladbeck bei 108,5 - und weist damit - wenn man Stadtbezirke in kreisfreien Städten und kreisangehörige Städte mit berücksichtigt - einen der höchsten Werte bundesweit auf. Eine höhere Sieben-Tage-Inzidenz gibt es (Stand: 13. Oktober 2020) zum Beispiel im Berliner Bezirk Neukölln mit 130,5 und in Ahlen (Kreis Warendorf/131,2).

Corona-Krise in Gladbeck: Mehr Bürger denn je sind aktuell mit dem Virus infiziert

Auch die Zahl der Bürger, die aktuell in der Stadt mit Corona infiziert sind, ist mit 124 höher denn je. Alarmierende Zahlen, die vor allem in den bisher schon arg gebeutelten Altenheimen erneut die Alarmglocken klingeln lassen. Um einen Corona-Ausbruch zu verhindern, hat beispielsweise das Eduard-Michelis-Haus in Gladbeck wieder strengere Besuchsregeln eingeführt.

Aber auch die Stadtspitze sieht sich zum weiteren Handeln gezwungen. Schon am 6. Oktober hatte sie die Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen in Gladbeck wieder eingeführt. Das ging aber erst, nachdem eine Allgemeinverfügung, in enger Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt und der Bezirksregierung Münster, erstellt wurde, die es der Stadtverwaltung ermöglichte, eigenständig trotz Kreis-Angehörigkeit zu handeln.

Neben Gladbeck liegt nun der gesamte Kreis Recklinghausen über dem Corona-Grenzwert

Jetzt hat auch der Kreis Recklinghausen Maßnahmen erlassen, nachdem die kreisweite Sieben-Tage-Inzidenz seit Samstag über dem Grenzwert 50 liegt. Seit Dienstag, 13. Oktober, gilt daher die Maskenpflicht unter anderem auch in den Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen, bei Kulturveranstaltungen sowie für Zuschauer bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen. Weiterhin können sich maximal fünf Personen aus verschiedenen Haushalten im öffentlichen Raum treffen. Außerdem darf in der Öffentlichkeit im Zeitraum von 22 bis 6 Uhr kein Alkohol konsumiert werden. Shisha-Rauchen ist dort ebenfalls verboten.

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