Bahnhof Sythen

Zehn vermummte Personen attackieren Zug

SYTHEN - Eine psychische Extremsituation mussten die Reisenden des aus Münster kommenden RE 2 in der Nacht auf den 5. Juni im Bahnhof Sythen durchleiden. Aus der Dunkelheit stürmt plötzlich eine Meute von zehn Maskierten auf den Zug zu. Welche Gedanken schießen einem da durch den Kopf?

Gott sei Dank hatte es die vermummte Meute aber nicht auf die Fahrgäste abgesehen, sondern nur auf den Zug: "'Graffiti-Bombing' heißt dieses neue Phänomen aus der Sprayer-Szene", erklärt Bundespolizeisprecher Volker Stall auf Anfrage.

"Bislang hatten wir in unserem Zuständigkeitsbereich aber nur Fälle auf einem kleineren Bahnhof in Bochum", betont er. Bei diesen Attacken gehe es den Sprayern vor allem darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Fläche des Zuges zu besprühen, so Stall.

Andere Aussage

Gegenüber den Fahrgästen des Zuges in Sythen habe der Zugbegleiter aber eine andere Aussage gemacht. „Er hat gesagt, dass bei dieser Masche die Maskierten in den Zug springen und Reisende wie Aussteigende ausrauben würden“, erklärt eine Augenzeugin.

Daher habe er auch die Türen verriegelt. "Daran kann sich unser Mitarbeiter aber nicht erinnern", so ein Bahnsprecher auf Anfrage. „Dieses Missverständnis ist wohl der bedrohlichen Situation geschuldet.“

Dazu passt, dass sich die etwa zehn Vermummten von der bahnsteigabgewandten Seite genähert und dann rund zehn Quadratmeter des Zuges mit Farbe besprüht hätten, erläutert Volker Stall weiter. "Die Türen auf der Seite, von der die Sprayer kamen, waren bei dem Halt eh verriegelt."

Türen blockiert

Es sei aber bei den ihm bekannten anderen Fällen durchaus vorgekommen, dass sich die Sprayer über den Bahnsteig angenähert und dann die Türen blockiert hätten, um den Zug an der Weiterfahrt zu hindern, betont Stall. "Wenn dann Fahrgäste Zivilcourage zeigen, werden sie von den Vermummten mit Farbe besprüht."

Der Spuk in Sythen hat nur ein paar Minuten gedauert und körperlich kam auch niemand zu Schaden, die Sprayer entkamen allerdings unerkannt. "Als die von Zugpersonal verständigten Beamten der Bundespolizei sowie örtlichen Polizeibehörde eintrafen, waren die Sprayer schon wieder verschwunden", so Stall. Auch die sofort eingeleitete Fahndung blieb letztlich erfolglos.

Obwohl die Attacke den Reisenden mehr als nur einen Schrecken eingejagt haben dürfte, handelt es sich aus juristischer Sicht nur um Sachbeschädigung: "Sollte sich jemand durch die Aktion der Sprayer psychisch bedroht fühlen, könnte er wohl auch auf Körperverletzung klagen", so Stall.

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