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Interkulturelle Begegnung über den Dächern von Lavesum.

Schul-Austausch

Über Leben und Lernen in Haltern und in Togo

LAVESUM - Drei Wochen Togo in Haltern, drei Wochen Haltern in Togo: Die Lehrerin Chantal Sewede Koté hospitiert gerade an verschiedenen Schulen in der Region. Und die Schülerin Sophia Schniederjan bereitet sich auf ein dreiwöchiges Auslandspraktikum in Afrika vor. Wir haben mit beiden über den Austausch gesprochen.

Madame Koté, was waren Ihre Erwartungen vor Ihrer langen Reise?

Koté: Am 4. September bin ich über Marokko und Frankfurt mit dem Flugzeug angereist und bleibe bis zum 24. September bei meiner Gastfamilie in Lavesum an der Lochtruper Straße, um von hier aus an sechs verschiedenen Schulen und Schultypen zu hospitieren: Und zwar an der Grundschule in Lavesum, an der Halterner Freiherr-von-Eichendorff-Schule mit ihrem jahrgangsübergreifenden Modell, an der benachbarten Montessori-Schule in Dorsten und an der reformpädagogischen Wartburg-Schule in Münster, die als mustergültige Modellschule gilt, sowie an den Waldorfschulen in Witten und Herdecke. Damit möchte ich einen vergleichenden Überblick über die verschiedenen pädagogischen Konzepte gewinnen, um das Beste daraus für unsere Avenir-Schulen in Togo zu übernehmen, die ebenfalls einen reformpädagogischen Ansatz haben.

Sophia Schniederjan, wie haben Sie von dem Avenir-Projekt in Togo erfahren?

Schniederjan: Ich bin Schülerin der Klasse elf des Joseph-König-Gymnasiums hier in Haltern, wo das Angebot zu freiwilligen Auslandspraktika besteht, von dem allerdings nur wenige Mitschüler Gebrauch machen. In einem Zeitungsartikel der Halterner Zeitung Ende April habe ich über das interessante Projekt in Togo gelesen. Darin war auch das Angebot des Vereins an Halterner Schülerinnen und Schüler mit französischen Sprachkenntnissen enthalten, bei dem Projekt in Togo vor Ort mitzuarbeiten.

Frau Koté, Welche Funktion und Aufgabe haben Sie in dem Projekt übernommen und wie lange sind Sie dabei?

Koté: Ich bin seit rund sechs Jahren an der reformpädagogischen Grundschule „Ecole Primaire“ des deutschen Avenir-Vereins im Dorf Adetikopé nahe der togolesischen Landeshauptstadt Lomé als Klassenlehrerin und Deutschlehrerin tätig. Zuvor habe ich an der Universität in Lomé Germanistik und Pädagogik studiert. Als Lehrerin kann ich daran mitwirken, dem Analphabetentum und dem Bildungsrückstand in unserem Land und speziell auf den Dörfern zu begegnen, denn ohne Bildung haben unsere Kinder keine Zukunft. Nun bin ich zum ersten Mal im Ausland, ich war zuvor noch nie in Deutschland oder Europa.

Und Frau Schniederjan fliegt bald nach Togo. Was hat Sie daran gereizt, ausgerechnet dort ein Auslandspraktikum zu absolvieren?

Schniederjan: Der afrikanische Kontinent und seine Kultur haben mich immer schon interessiert und fasziniert, außerdem bin ich sozial sehr engagiert, sodass ich für dieses Projekt des Halterner Vereins Avenir sofort Feuer gefangen und Kontakt aufgenommen habe. So kam die Planung für mein bevorstehendes dreiwöchiges Auslandspraktikum vom 2. bis 22. Oktober in Togo zustande, auf das ich mich schon sehr freue.

Wie haben Sie sich auf den bevorstehenden Aufenthalt in Togo vorbereitet?

Schniederjan: Da in Togo die Amtssprache Französisch ist und ich seit der sechsten Klasse am Französisch-Unterricht mit Zertifikat teilnehme, habe ich die sprachlichen Voraussetzungen erworben. Und da ich mich sehr für Geografie interessiere, habe ich mich natürlich über Land und Leute informiert. Über das Projekt selber habe ich mich auf der sehr informativen Homepage des Avenir-Vereines sowie durch mehrere Gespräche mit der deutschen Projektleiterin in Lavesum gründlich informiert.

Frau Koté, wie waren Ihre ersten Eindrücke, Erlebnisse und Menschenbegegnungen in Deutschland und speziell in Haltern?

Koté: Mein erster Eindruck ist, dass in Deutschland und in dieser Stadt alles in guter, gepflegter Ordnung ist. Vor allem die Straßen sind gut ausgebaut und ohne Löcher. Aufgefallen sind mir auch die Mülleimer an den Häusern in verschiedenen Farben für die Müllsortierung. Das finde ich sehr gut, denn die Abfallbeseitigung liegt in unserem Land im Argen. Die Menschen, die mir in Deutschland und vor allem in Haltern und auf dem Dorf Lavesum begegnet sind, finde ich ausgesprochen nett und zuvorkommend. Auch erfahre ich großzügige Gastfreundschaft. Und an den Schulen erlebe ich aufgeschlossene Lehrer und Schüler und sehr gute Ausstattungen.

Wie ist denn der Schulalltag in Togo und was wird dort unterrichtet?

Koté: An unseren Regierungsschulen und katholischen und evangelischen Konfessionsschulen sowie Privatschulen ist der Tagesablauf nach dem Muster des starren französischen Schulsystems sehr einheitlich strukturiert: Alle Schulen beginnen morgens um 7.30 Uhr und gehen vormittags bis 11.30 Uhr sowie nachmittags von 15 bis 17 Uhr. An den Regierungsschulen sind 50 bis 80 Kinder in einer Klasse, an den übrigen Schulen etwas weniger. Unterrichtet werden Fächer wie zum Beispiel Mathematik, Wissenschaft, Geschichte und so weiter, zumeist noch im strengen „Frontalunterricht“. In Togo kenne ich nur zwei Schulen, die auch deutschen Sprachunterricht anbieten, darunter unsere Avenir-Schule.

Wer organisiert und finanziert den Aufenthalt und wie wird er gestaltet?

Schniederjan: Da das Avenir-Projekt überwiegend von Spenden und Mitgliedsbeiträgen getragen wird, erhalte ich zwar ein Taschengeld für die Verpflegung vor Ort und kostenfreie Unterkunft und Betreuung, muss aber den Flug selber organisieren und finanzieren. Dazu habe ich eigens einen Job in einem Hofcafé in Lavesum angetreten und bekomme auch von der Familie und Verwandten finanzielle Unterstützung. Vor Ort erhalte ich dann organisatorische Unterstützung, kann aber selber nach meinen Interessen den Aufenthalt weitgehend gestalten. So werde ich unter anderem den Deutschunterricht für das Lehrerkollegium an der Avenir-Schule mitgestalten und mich vor allem auch im Avenir-Kindergarten bei der Kinderbetreuung betätigen und auch einige Tage in togolesischen Familien verbringen. Ich hoffe, dass der momentane Lehrer-Streik in ganz Togo nicht in der Zeit den Schulbetrieb dort lahmlegt und bin schon ganz aufgeregt.

Frau Koté, Was steht als Nächstes für Sie in Deutschland an?

Koté: Von Samstag bis Dienstag kommt auch unser langjähriger örtlicher Projektkoordinator, Herr Dodji Kpaleté aus Lomé, nach einer Tagung in Genf ebenfalls als Gast nach Lavesum, der allerdings schon ein Dutzend Mal in Deutschland war. Wir werden dann gemeinsam am Sonntag die Jahreshauptversammlung des deutschen Avenir-Vereins besuchen, bei der auch ein Gospelchor auftritt.

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