Altenpflege

Der Zeitdruck macht vielen Pflegekräften am meisten zu schaffen

Haltern - Stationäre Pflegeeinrichtungen in Haltern im Fokus - Eine Altenpflegerin berichtet über ihren Arbeitsalltag zwischen wirtschaftlichen Zwängen und dem Dienst am Menschen.

Der Zeitdruck mache ihr am meisten zu schaffen, beschreibt eine Halterner Altenpflegerin ihren Arbeitsalltag. Sie ist in einem Altenheim in der Stadt beschäftigt und möchte nicht mit Namen genannt werden. In der Regel eile sie im Laufschritt über die Gänge, weil es die zahlreichen Aufgaben und das hohe Tempo so erfordern.

Für Gespräche mit den Bewohnern bleibe lediglich während der Pflege Zeit. Mehr Zuwendung sei nicht drin. Die Pflegekräfte müssten bei Wünschen, die an sie herangetragen werden, zu häufig sagen: "Jetzt kann ich nicht. Vielleicht später." "Mich macht diese Situation ganz oft traurig", sagt die Frau. Je älter man selbst werde, desto sensibler reagiere man auf diese Erlebnisse. "Du hast Angst davor, was mit dir selbst später einmal passieren könnte", macht sie deutlich.

Zwänge diktieren den Alltag

Dem examinierten Personal bliebe nichts anderes übrig, als sich auf die Pflege der alten Menschen zu konzentrieren. Das Rundum-Paket früherer Tage existiere nicht mehr. Extra-Wünsche der Bewohner würden heute von Betreuungsassistenten erfüllt, die nach einigen Schulungen von den Altenheimbetreibern beschäftigt werden. "Sie entlasten die Fachkräfte enorm", sagt die Altenpflegerin. Ihre eigene Arbeit werde dadurch aber nicht erfüllender.

Sie fände es beispielsweise gut, wenn bei Menschen, die sie jahrelang gepflegt hat, Raum für die Sterbegleitung bliebe. Im Moment sei das nur als "Privatvergnügen" möglich. Die Fachkräfte seien gefangen zwischen den Anforderungen der Pflege und der Dokumentation.

Bis ins kleinste Detail müsse die Pflegeplanung eines jeden Bewohners aufgezeichnet werden. Das sei Bedingung für gute Noten durch den Pflege-TÜV.

"Schreiben, was man will"

"Ich denke immer, der Medizinische Dienst sollte sich die Bewohner ansehen. Auf Papier kann man schließlich schreiben, was man will", sagt die Halterner Altenpflegerin. Ohne Leidenschaft für den Dienst am Menschen seien diese Bedingungen nur schwer auszuhalten. Deshalb sieht es die Frau kritisch, dass Arbeitssuchende in die Pflege gedrängt werden, weil hier Personal gesucht werde. Es gebe beim Nachwuchs auch viele, "die willig sind, aber den Druck nicht aushalten".

Dieser entsteht wohl auch durch den Personalschlüssel in der stationären Altenpflege. Plötzliche Erkrankungen von Mitarbeitern oder unvorhergesehene Ereignisse bei den Bewohnern störten dann nicht nur die Routine. "Wenn sich ein Bewohner eingestuhlt hat oder gefallen ist, ist die ganze Planung hinfällig", beschreibt die Altenpflegerin.

Anerkennung für ihren Berufsstand gebe es genug. Oft höre sie den Satz: "Was Du machst, könnte ich nicht." Mehr als eine bessere Vergütung ihrer Leistung benötigten die Altenpfleger bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit.

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