Ankerzentren

Asylkreis protestiert mit Straßentheater gegen Flüchtlings-Politik

Der Asylkreises führte mit einem Straßentheater eindringlich vor Augen, was zentrale Sammelunterkünfte bei Schutz suchenden Menschen auslösen. Aber nicht jeder Zuschauer ließ sich berühren.

"Wann komme ich endlich hier raus?" - ein Hilfeschrei dringt aus dem Ankerzentrum vor der Sixtus-Kirche. Eine geflüchtete Frau hält die Enge und das Abgeschoben-Sein nicht mehr aus. "Ankerzentren hebeln die Menschenrechte aus", stellt Dr. Marion Lillig, Flüchtlingsreferentin beim Caritasverband Haltern/Datteln, fest. Passanten bleiben auf dem Markt stehen und sehen: Es ist alles ein Laienspiel. Aber die Gefühle und Ängste sind echt. Denn die, die die Flucht geschafft haben und angekommen sind, stellen wirkungsvoll am eigenen Leib Erlebtes dar.

"Hoch explosiv"

Hintergrund einer spektakulären Aktion vor der Sixtuskirche während des Gänsemarktes ist Innenminister Horst Seehofers Werben um Ankerzentren für Flüchtlinge. Mit ihnen, so argumentiert er, könne Deutschland effektiver das Flüchtlingsproblem lösen. In Bayern gibt es diese Ankerzentren bereits, Nordrhein-Westfalen setzt stattdessen auf zentrale Flüchtlingsunterkünfte. Die aber, so sagen der Paritätische Wohlfahrtsverband und auch der Halterner Asylkreis, sind kein Deut besser. Es seien nicht die Orte, wo Asylsuchende gewissermaßen "vor Anker gehen" könnten, sondern es handele sich um rigide abgesperrte Sammelunterkünfte für bis zu 2000 Menschen. Neuankommende voller Hoffnung, auf ein Folgeverfahren wartende, abgelehnte Flüchtlinge und solche, die auf ihre Abschiebung warten, hocken unter einem Dach. "Das ist hoch explosiv", sagt Dr. Lillig.

Theaterpädagoge an der Seite

Sie hat sich gerade im Regierungsbezirk Köln eine solche Sammelunterkunft angesehen. Engagement für Flüchtlinge, wie es in Haltern täglich gezeigt werde, sei in solchen Zentren nicht mehr möglich, erklärte sie. Ehrenamtliche würden nur mit einem bestimmten Auftrag hineingelassen. Zum Abgeschottet-Sein gehöre auch, dass Kinder nicht den Schulunterricht besuchen dürfen. Wie fühlt sich das für die Geflüchteten an? Am Sonntag konnten Besucher im Rahmen eines szenischen Straßentheaters davon einen Eindruck bekommen. Alois Banneyer, Theaterpädagoge der Ruhrfestspiele Recklinghausen, entwickelte ein kurzes Stück dazu, Anna Katrin Klöpfer (Schauspielerin und Lehrerin) führte in Haltern Regie. "Die Laiendarsteller sind gut", staunte sie. Nachgespielt wurden die Kontrolle, die Einweisung in ein Ankerzentrum und der belastende Alltag. Der Asylkreis hatte dafür das Modell eines Ankerzentrums gebaut und stellte dieses als Theaterbühne auf den Alten Markt vor der Kirche auf. "Das wirkt sehr realitätsnah", fand David Schütz vom Caritasverband. Ein Beobachter zeigte sich sehr berührt: "Das ist harte Kost."

Auftritt in Recklinghausen

Aber nicht alle ließen sich beeindrucken. Irgendwann sei es auch mal gut mit den Sorgen um die Flüchtlinge, sagte ein Passant.

Der Asylkreis zieht mit dem Straßentheater weiter. Am 12. Dezember führt er es im Bürgerhaus Recklinghausen auf, am 1. Mai 2019 soll es ein Programmpunkt zur Eröffnung der Ruhrfestspiele sein. "Ankerzentren werden ohne Not geschaffen. Wir hoffen, dass die Politik umdenkt, wenn die Bürger sich zu Wort melden", setzt Dr. Lillig große Hoffnungen in das Projekt.

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