Bauernregeln

Lavesumer haben gutes Gespür für Luftströmungen

Die Menschen hatten ein gutes Gespür für Luftströmungen. Das zeigt eine Bauernregel aus Lavesum, die Volkskundler vom LWL neben vielen anderen nun vorgestellt haben.

Ein Blick auf die Wettervorhersage ist selbstverständlich. Was vor knapp 500 Jahren nur in Bauernregeln oder sehr lokal in Form von meteorologischen Flugblättern publik gemacht wurde, lässt sich heute leicht in Wetter-Apps nachlesen. Den Weltwettertag der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am vergangenen Samstag nahmen die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum Anlass, einige Bauernregeln aus dem Volkskundearchiv vorzustellen.

Schäfer galten als Wetterpropheten

Bevor die Meteorologie wissenschaftlich fundierte Aussagen über Klima und Wetter ermöglichte, stützten sich Vorhersagen auf Beobachtungen, die in Kalendern oder in Form von Merksätzen festgehalten oder mündlich weitergegeben wurden. "Als Wetterpropheten galten unter anderem Schäfer, die sich bei ihren Prognosen auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe stützten", erklärt Kim Wessel, die die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln aus Westfalen im Archiv der Volkskundlichen Kommission untersucht hat.

Festgehalten wurden die Wetter- und Klimabeobachtungen oft in Form von Bauernregeln. "Bauernregeln waren weit verbreitet und zum Beispiel auch im antiken Rom und Griechenland oder in Vorderasien bekannt", so Wessel. Bauernregeln lassen sich in drei Kategorien unterteilen: "Wetterregeln", die das Wetter der nächsten sechs bis zwölf Stunden vorhersagen, die "Witterungsregeln" als langfristige Vorhersagen und die "kalendergebundenen Klimaregeln", bei denen es um die durchschnittlichen jährlichen Witterungsabläufe geht.

Beispiele für Wetter- und Witterungsregeln

Eine Wetterregel ist beispielsweise "Ein Ring um den Mond, der Regen drin wohnt." Eine Witterungsregel lautet "Liegt nach Sonnenuntergang über Flüssen, Bächen und Wiesen ein dichter Nebel, so ist anhaltend schönes Wetter zu erwarten." In der Sammlung der Volkskundlichen Kommission finden sich auch ein paar Regeln, die aus dem Rahmen zu fallen scheinen. So heißt es, dass es in Lavesum Regen gebe, wenn man die sechs Kilometer entfernte Bahn hören könne. "Hier zeigt sich, dass die Menschen ein gutes Gespür für Luftströmungen hatten, die nicht nur Regen brachten, sondern im Vorfeld auch eine veränderte Akustik", sagt Wessel.

Die kalendergebundenen Klimaregeln sind unter den Bauernregeln am häufigsten. Hierzu zählt etwa die in Deutschland verbreitete Regel "April, April, der macht, was er will", die auf das oft wechselhafte April-Wetter hinweist. "Die Regel ?Ist es in den ersten August-Wochen heiß, so bleibt es oft lange warm' haben wir in Deutschland aus dem vergangenen Jahr noch lebhaft in Erinnerung. Die Variante ?Kommt August mit großer Hitze, macht der Winter weiße Witze' hat sich dagegen 2018 nicht bewahrheitet", so Wessel.

"Bauernregeln sind eigentlich Wahrscheinlichkeitsaussagen"

"Ob die Bauernregeln überwiegend zutrafen, lässt sich schwer sagen. Denn über die Jahre und Jahrzehnte hinweg gab es teils gravierende Klimaverschiebungen, die den Beobachtungen der kalendergebundenen Klimaregeln nicht entsprachen. Die Bauernregeln sind also eigentlich Wahrscheinlichkeitsaussagen", erklärt Wessel.

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