Begegnung mit Mutter Theresa

Halterner helfen seit 30 Jahren im Slum in Südafrika

Haltern/Khayelitsha - Seit 30 Jahren setzen sich Meta Rentzsch und ihre Tochter für Menschen im Slum von Khayelitsha ein. Auslöser war eine Begegnung mit Mutter Theresa. Seitdem ist viel passiert.

Als sich die Halternerin Meta Rentzsch vor nun bald 30 Jahren in ein Flugzeug Richtung Kapstadt setzte, hätte sie mitnichten daran geglaubt, dass diese Reise ihr Leben verändern sollte. Wollte sie doch eigentlich nur ihre Tochter Hiltraud Elise Elsing besuchen, die vor einigen Jahren dorthin als Bauingenieurin ausgewandert war.

Doch dann begegnete sie in eben diesem Flugzeug Mutter Theresa. Zufällig kam sie mit der Friedensnobelpreisträgerin in ein Gespräch und erfuhr, dass die Nonne auf dem Weg in die Slums von Khayelitsha war. Die Townships in der Metropole Kapstadt gehören noch heute zu den größten Armutsvierteln Südafrikas. Inspiriert durch das Gespräch mit Mutter Theresa besuchten Meta und ihre Tochter kurz nach ihrer Ankunft das Township.

Hütten aus Pappe, Blech und Plastikabfällen

Was die beiden Halternerinen dort sahen, ließ sie sprachlos. Auf relativ kleiner Fläche lebten viel zu viele Menschen. Der Großteil davon in Hütten und Behausungen aus Pappe, Blech, Holz und Plastikabfällen, ohne Wasser und ohne Strom. Besonders die Armut der Kinder beschäftigte sie sehr. Schnell entschieden die beiden Powerfrauen, dass den Menschen dort geholfen werden musste. Und so gründeten sie vor nun bald 30 Jahren den "Förderverein Khayelitsha 1989 Haltern", bauten mithilfe von einigen Halterner Geldern einen der ersten Kindergärten des Townships, das Haus Haltern und blicken heute auf eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch zurück.

Seitdem hat sich viel getan. Mithilfe von vielen Sachspenden und unzähligen Spendengeldern konnte der Verein bis heute bereits acht kleinere und größere Projekte verwirklichen und damit der Region helfen. Als Hiltraud das Rentenalter erreicht hatte, beendete sie zwar ihre Karriere als Ingenieurin, die Arbeit für den Förderverein ging allerdings weiter.

Das Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" sollte dabei nicht vergessen werden. "Wir ermöglichen lediglich den Bau der Projekte! Die Einrichtungen selbst werden dann von anderen Organisationen aus der Region geleitet.", so Hiltraud Elsing. Elise, wie sie hier genannt wird, hilft mit Fachwissen und Geldern des Fördervereins, wo sie nur kann. So auch bei der 2002 neu erbauten Vorschule Mnqophiso, in der heimischen Sprache Xhosa bedeutet dies so viel wie: "Wir wollen zusammenarbeiten!". Bis zu diesem Zeitpunkt waren die 90 Kinder in lediglich zwei Blechcontainern untergebracht und wurden von gerade einmal vier volontierenden Frauen betreut.

Mit der Hilfe des Fördervereins konnte sich die Gruppe als eine NGO (auf deutsch: Nichtregierungsorganisation) registrieren und über eine Bauphase von vier Etappen innerhalb von fast zehn Jahren eine zweigeschossige Vorschule bauen, welche bis heute als Musterbeispiel für Hilfe zur Selbsthilfe steht. Aktuell kümmern sich rund acht angestellte Lehrerinnen und sechs Volontärinnen um das Wohl der 280 Vorschüler. In den durch die Spenden des Fördervereins gut ausgestatteten Klassenräumen lernen die Fünf- bis Sechsjährigen erste Rechen- und Englischkenntnisse, um später eine Chance auf eine bessere Zukunft zu haben. Außerdem werden sie hier jeden Mittag mit einer warmen Mahlzeit versorgt.

Das Kinderzentrum Khumbulani versorgt Babys und Vorschulkinder

Eines der neusten und größten Projekte befindet sich mitten im Zentrum des Armutsviertels. Das 2016 eingeweihte Kinderzentrum Khumbulani versorgt heute Kinder vom Babyalter bis zum Vorschulalter. Aktuell investiert Elise Elsing allerdings besonders viel Energie in das 1999 erbaute Selbsthilfezentrum Nobantu. Das von der NGO "Women for Peace" geleitete Zentrum befindet sich in dem zu Khayelitsha gehörenden Township Mfuleni.

Die Arbeit der Frauen konzentriert sich auf das Ermutigen von Frauen, Jugendlichen und Kindern, die Verantwortung für ihr Leben selbst zu übernehmen. Die Arbeitslosenquote ist hoch, die Kriminalitätsrate steigt ebenso wie der Drogenkonsum. Viele junge Mädchen bekommen bereits mit 14 ihr erstes Kind und sind mit Ende zwanzig häufig mehrfache Mutter. Diese Entwicklung macht den Frauen von "Women for Peace" große Sorgen.

Es wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis Not und Elend in diesem Land beseitigt sind. Für den Förderverein Khayelitsha gibt es noch viel zu tun und dafür sind Spenden dringend notwendig.

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