´Buchveröffentlichung

Halterner schrieb zusammen mit seinem Sohn seine schmerzhaften Flucht-Erinnerungen auf

Kurt Grube musste während des Zweiten Weltkrieges seine Heimat verlassen. Nun hat der 88-Jährige gemeinsam mit seinem Sohn seine zum Teil schmerzhaften Erinnerungen aufgeschrieben.

Als Kurt Grube 1992 den Ort seiner Kindheit, Stolzenburg in Pommern, wiedersieht, ist er überwältigt. Jetzt hat der 88-Jährige die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend gemeinsam mit seinem Sohn Christian von der der Galerie Augenblick in Haltern aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht.

"Rundreise in die Vergangenheit, Erinnerungen an Pommern 1930 bis 1946" heißt der Band, der ab sofort im Buchhandel erhältlich ist.

Bei einer Familienfeier entdeckte Christian Grube die enorme Fähigkeit seines Vaters, sein Leben in lebendigen Sätzen und aus einem nahezu fotografischen Gedächtnis zu erzählen. "Mein Vater versteht es bis zum heutigen Tag, eine Welt aufzubauen und wiederzugeben, die er seit 88 Jahren durchlebt", so Christian Grube.

Das Elternhaus ist weg

Er forderte seinen Vater auf, seine Erinnerungen aufzuschreiben, die durch die gemeinsame Reise neu aufgefrischt worden waren. "Er setzte sich hin und lieferte 200 Seiten, geschrieben auf kariertem Papier mit Bleistift und in Druckbuchstaben. Christian Grube hatte den Rahmen vorgegeben, redigierte anschließend die Texte und fand in der Edition Pommern einen kleinen Verlag, der sofort bereit war, das Buch in sein Programm aufzunehmen.

Die gemeinsame Reise von Vater und Sohn steht am Anfang der Geschichte. In Stolzenberg muss Kurt Grube sehen, dass sein Elternhaus nicht mehr steht: "Ich stand mitten in meiner Kindheit und musste weinen", beschreibt er seine Gefühlslage in diesem Moment.

Dann greift er den Faden auf, berichtet von seiner Kindheit, der harten Arbeit seines Vaters. "Sein Blick auf die Nazizeit bleibt distanziert, er entwickelt eine gute demokratische Sichtweise auf das Erlebte", so Christian Grube.

Schließlich holt der Krieg die Region ein, die Ostfront umschließt die Heimat von Kurt Grube, der von seiner erfolglosen Flucht und späterer Vertreibung berichtet.

Bei der Fahrt mit der Bahn bleibt die große Ungewissheit: Geht es in den Westen oder den Osten. Zwei Drittel der Wagen werden nach Osten transportiert, Kurt Grube hat Glück. Er landet im Auffanglager in Lübeck.

1947 beginnt er in Bochum eine Ausbildung auf der Zeche Hannover-Hannibal, wechselt später zum Bergwerk AV nach Marl und heiratet 1957. 1961 wird sein Sohn Christian geboren.

In dem Buch der beiden Autoren wird Zeitgeschichte lebendig und nacherlebbar. Kurt Grube erfüllt es heute mit Stolz, dass seine Jugenderinnerungen inzwischen als Buch vorliegen. "Als er das erste Buch in der Hand hielt, war er sehr gerührt", erzählt Christian Grube.

"Ich war auf der Flucht"

"Auch auf die Diskussion des Flüchtlingsthemas hat Kurt Grube seine eigene Sicht: "Ich war auch auf der Flucht und brauchte Hilfe", sagt er heute.

Das Buch "Rundreise in die Vergangenheit" umfasst 150 Seiten. Es kostet 15,90 Euro und ist außer im Buchhandel auch in der Galerie Augenblick an der Zaunstraße erhältlich.

Christian Grube wird das Buch in Kürze auch in Lesungen vorstellen. Außerdem arbeitet er bereits an einem zweiten Buch, in dem er sich mit seiner eigenen Kindheit im Ruhrgebiet beschäftigt.

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