Bürgermeister sollen helfen

Camper protestieren gegen Zeltplatz-Schließung

HALTERN - Der Kreis Recklinghausen beabsichtigt, den Kreisjugendzeltplatz am Stockwieser Damm zum 1. November 2018 zu schließen. Doch das wollen sich die Camper, die sich dort wohlfühlen, nicht gefallen lassen. Wir haben sie besucht: Jetzt sollen die Bürgermeister helfen.

Monika und Torsten Husemann aus Düsseldorf haben vor zwölf Jahren einen Pachtvertrag für Parzelle 102 unterzeichnet. Auf 240 Quadratmetern stehen ein 9,70 Meter langer Wohnwagen mit Wintergarten und ein Pavillon, den Rest gestalteten sie als pflegeleichte Grünanlage. Ihre Wochenenden und ihre Urlaube verbringen sie, die in der Finanzverwaltung Düsseldorf arbeiten, hier in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stausee. Als sie vor zwei Wochen zum Campingplatz nach Haltern kamen, sprach sie ein Nachbar an: „Wisst Ihr schon, es gibt schlechte Nachrichten.“ Die fanden sie wenig später per Einschreiben in der Post: die Kündigung zum 1. August 2018.

Das 34 345 Quadratmeter große Gelände mit 104 Plätzen zum Campen und Zelten soll aus Kostengründen aufgegeben und vermarktet werden. Jahrzehnte hat der Kreis als Verpächter nur das Nötigeste investiert, mittlerweile sind die Funktionsgebäude aus dem Jahre 1958 ziemlich marode. „Uns fehlen die finanziellen Ressourcen für die Wiederherstellung eines angemessenen Gebäudezustandes“, erklärt dazu Kreisdirektor Roland Butz. Zwar diskutieren die politischen Gremien aktuell noch, aber für eine Wende sieht es schlecht aus.

„Wir sind sehr traurig“, sagt Torsten Husemann (51). „Hier ist es so schön ruhig, wir genießen es, mitten in der Natur zu sein“, pflichtet ihm seine Frau Monika (55) bei. Ihre drei Kinder sind auf der Parzelle glücklich groß geworden. Jetzt beginnen Torsten und Monika Husemann langsam mit dem Abbau, im März wechseln sie nach Ahsen.

Das Ehepaar Husemann ist jung genug, um noch einmal neu anzufangen. Viele auf dem Platz sind das nicht. Edith (80), die an Wochenenden mit dem Zug von Dortmund nach Haltern und dann vom Bahnhof mit dem Rad zu ihrer Parzelle radelt, wird das Campen aufgeben müssen. Einen Umzug schafft sie körperlich nicht mehr. Für viele macht die Schließung des Platzes die Lebensplanung zunichte. Zur Wut und Enttäuschung kommt noch die finanzielle Belastung. Torsten Husemann: „Ein Rückbau kostet schnell 1000 Euro.“

Die Camper wollen nicht einfach aufgeben. Für Samstag (16. September) um 18 Uhr organisieren Helmut Tadeusz und Marcell Luttke als Sprecher der Gemeinschaft eine Versammlung auf dem Kreisjugendzeltplatz. Dazu haben sie die Bürgermeister des Kreises eingeladen (auch Bürgermeister Bodo Klimpel) sowie Vertreter des Kreises. „Wir können diesen Beschluss nicht nachvollziehen. Der Freizeitwert, der hier vernichtet werden soll, ist immens“, ärgert sich Helmut Tadeusz. In der freien Natur preiswert seine Freizeit verbringen zu dürfen, sei ein unbezahlbares Gut. Torsten und Monika Husemann unterstützen den Protest, denn sie wären so gern geblieben.

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