"Crash Kurs NRW"

Rettungskräfte mahnen Jugendliche mit realen Unfällen zur Verantwortung im Straßenverkehr

Wie schnell ein Leben vorbei ist, das haben Rettungskräfte 220 Schülern am Donnerstag mit echten Beispielen aus ihrer Arbeit beim Verkehrsunfallpräventionsprogramm "Crash Kurs NRW" gezeigt.

In der Aula des Schulzentrums ist nur noch das leise Surren der Lüftung zu hören, als die ersten Unfallbilder auf der Leinwand erscheinen. Autos, die in einem Trümmerfeld um einen Baum gewickelt sind. Wracks, die auf dem Dach im Graben liegen. Davor 220 Real- und Hauptschüler, die zusehen.

Jugendlich gehören zu den Hauptunfallverursachern

Mit Bildern von realen Unfällen, Erstberichten von Feuerwehr, Polizei, Notarzt und Notfallseelsorgern und einem Unfallopfer war am Donnerstag das Verkehrsunfallpräventionsprogramm "Crash Kurs NRW" zu Gast an der Alexander-Lebenstein-Realschule. Am Tag zuvor wurde das Programm bereits mit den Gymnasiasten durchgeführt. Ziel der eineinhalbstündigen Veranstaltung ist es, Jugendliche vor allem in den 10. Klassen dafür zu sensibilisieren, vorsichtig und verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen.

Laut Polizei kommt es in NRW jährlich zu 550.000 Verkehrsunfällen. 19 Prozent davon werden durch junge Fahrer verursacht. "Über 500 Menschen werden dabei pro Jahr getötet", so die Polizei. Die Gründe in über 50 Prozent der Fälle: Überhöhte Geschwindigkeit, das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes und Alkohol- und Drogenkonsum.

Einen dieser Berichte aus erster Hand stammt von Claudia Dietermann. "Ich war oft an dem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, warum ich nicht an diesem scheiß Baum kleben geblieben bin." Der 26. Januar 1994. An diesem Tag, da sei ihr ihre Freiheit genommen worden, selbst über ihr Leben zu entscheiden, sagt die ehemalige Halternerin. Als sie auf der linken Spur der Hullerner Straße unterwegs ist, schert ein Autofahrer rechts neben ihr aus. Claudia Dietermann weicht nach links aus. Und kollidiert mit einem Baum.

"Ich habe gedacht und gefühlt, ich sterbe"

Ihr Bein bohrt sich 18 Zentimeter in ihre Hüfte. "Ich habe gedacht und gefühlt, ich sterbe", sagt Deitermann. Doch sie überlebt, liegt zwei Wochen im Koma. Die Rehabilitation dauert 20 Monate. Der Unfall belastet die Beziehung zu ihrem Exfreund, die beiden trennen sich. Sie verliert ihren Job. Noch heute nehme sie Schmerzmittel, sagt Deitermann. Aber: "Ich bin eine Kämpferin, und habe es wieder auf die Beine geschafft."

Jeder der Helfer, die nach und nach auf die Bühne steigt, hat mindestens einen Vorfall im Kopf, der sie oder ihn bis heute begleitet. ""So ein Unfall schädigt alle", sagt der Seelsorger und ehemalige evangelische Pfarrer Ulrich Gallwitz aus Herten.

Unfallseelsorger begleiten einige Schüler aus der Aula, einige senken immer wieder den Blick. Am Ende verabschiedet Polizeihauptkommissarin Ute Honvehlmann die Schüler mit den Worten: "Ihr tragt die Verantwortung, ihr habt nur das eine Leben."

In unserem Video erklären die Malteser in Haltern, worauf man bei der Ersten Hilfe achten sollte:

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