Ehemalige Wasag Sythen

Firma Maxam stellt Sprengstoffproduktion ein

Sythen - Mit dem Bergbau verschwinden 2018 auch Zulieferbetriebe - so wie die alte Sprengstoff-Fabrik von Maxam in Sythen. Für die Folgenutzung des ehemaligen Wasag-Geländes gibt es schon Ideen.

Nach 120 Jahren endet in diesem Jahr die Geschichte der Sprengstoffproduktion auf dem ehemaligen Wasag-Gelände in Sythen-Lehmbraken. Die Maxam Deutschland GmbH mit Muttersitz in Spanien schließt ihr Werk auf einem 109 Hektar großen Produktionsstandort in Haltern zum 31. Dezember 2018. Diese Nachricht wurde am Dienstag von einem Mitarbeiter bestätigt. Da ausschließlich der deutsche Bergbau beliefert werde, mache der Weiterbetrieb der Sprengstoff-Fabrik nach der Aufgabe der letzten beiden Zechen in Ibbenbüren und Bottrop in diesem Jahr keinen Sinn mehr. Zurzeit seien noch 16 Mitarbeiter in Sythen beschäftigt. In den zivilen Glanzzeiten der Wasag waren es einmal 350.

Die Maxam hat die Auflage, die Werksanlagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz stillzulegen. Dr. Rolf Niepmann, Geschäftsführer der Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern mbH, begleitet diesen Prozess. Am 1. Januar 2019 gehen die Flächen der ehemaligen Wasag in den Besitz des Kreises Recklinghausen über. Dieser kaufte das 209 Hektar große Gelände im vergangenen Jahr zu einem symbolischen Preis von einem Euro von der Sythengrund.

Infrastruktur erhalten

Wichtig werde bei diesem Übergang unter anderem sein, dass die vorhandene Infrastruktur erhalten bleibe, erklärte Rolf Niepmann im Gespräch mit der Redaktion. So müsse das Gelände weiterhin durch einen Zaun gesichert bleiben, um die Bunkeranlagen, in denen der Sprengstoff gemischt wurde, vor fremdem Zutritt zu sichern. Der ehemalige Bahnübergang an der Münsterstraße in Höhe der Einfahrt zum Silbersee II werde zurückgebaut. Das wünschen sich Anwohner schon länger, da sie sich durch den Lärm des Kraftfahrzeugverkehrs, der über die alten Gleise brettert, belästigt fühlen.

Wie das Gelände in Zukunft genutzt werden könnte, ist noch nicht entschieden. Das sei Sache der Politik, teilte Rolf Niepmann mit und fügte hinzu: "Es gibt 100 und eine Idee." Der Kreis ließ Ende 2017 wissen, dass sich Interessenten gemeldet hätten. Experten sähen auf dem Gelände Einrichtungen des Naturschutzes und der Freizeitwirtschaft. Rolf Niepmann bedauert, dass so wohl über 100 Hektar Industriefläche mit guter logistischer Anbindung für Haltern verloren gingen.

Altlastenproblem

Das Altlastenproblem ist nach wie vor nicht gelöst. Das vergiftete Grundwasser durch Produktionsrückstände aus dem Ersten Weltkrieg wird auch den Kreis als neuen Besitzer des Geländes auf Jahre beschäftigen. Die Sythen-grund habe bisher fünf Millionen Euro in die Grundwassersicherung investiert, informierte Rolf Niepmann. Noch in diesem Jahr werde der Höchstbetrag, den das Nachfolgeunternehmen der Wasag für die Sanierung aufbringen müsse, aufgebraucht sein. Festgelegt sind 5,7 Millionen Euro, was dem Verkehrswert der Fläche entspricht.

Letztlich werden danach die Bürger für die Umweltsünden in der Vergangenheit geradestehen müssen. Der Kreis holt sich zwar mit dem AAV (Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung) einen kompetenten Partner an die Seite. In ihm sind aber das Land NRW und seine Kommunen mit einigen Unternehmen zusammengeschlossen, sodass die Allgemeinheit die Altlastenaufbereitung bezahlt. In der Regel übernehme der AAV 80 Prozent der Kosten, sagte Sprecherin Sabine Schidlowski-Boos auf Anfrage.

Der Verband kann 30 Jahre in der Altlastensanierung vorweisen und will mit dem Kreis Recklinghausen (und mit der Stadt Haltern) eng zusammenarbeiten. Die Herausforderung in Sythen liege in der Größe der betroffenen Flächen und der komplexen Problemstellung, erklärte Sabine Schidlowski-Boos. Sobald der Vertrag mit dem Kreis abgeschlossen ist, werde der AAV in die Sanierungsuntersuchung einsteigen. Vor 2019 sei nicht mit aktiven Bewegungen durch den AAV in Sythen zu rechnen.

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