Ehrenamt

Ehrenamtliche Betreuer - eine Aufgabe zwischen Pflichten und Freude

Werner Trogemann regelt die Alltagsgeschäfte für eine 88-Jährige, Klaus Meinders für einen 49-Jährigen. "Ich habe nicht gewusst, auf was ich mich einlasse", sagt Klaus Meinders.

Klaus Meinders war Ingenieur bei Evonik, heute ist er ehrenamtlicher Betreuer. Für einen 49-jährigen Halterner regelt er die Amtsgeschäfte und ist nebenbei sogar ein bisschen Vater-Ersatz. "Ich habe anfangs nicht gewusst, auf was ich mich einlasse. Heute sage ich, das Ehrenamt macht mir großen Spaß", erzählt der 66-Jährige.

Profil erstellen

Klaus Meinders ist einer von 65 ehrenamtlichen Betreuern, die in der Betreuerdatei des Caritas Centrums Haltern vermerkt sind. Geführt wird diese Datei unter strengen Auflagen des Datenschutzes. "Wer interessiert ist, eine ehrenamtliche Betreuung zu führen, kann sich jederzeit an die Mitarbeitenden des Betreuungsvereins wenden, so Kirstin Damm. In einem persönlichen Gespräch werden Erwartungen abgefragt, zum Beispiel, wieviel Zeit man investieren möchte oder ob man lieber ältere oder jüngere Menschen unterstützen möchte. Wenn alle Fragen, Wünsche und Erwartungen geklärt sind, wird sozusagen ein Profil von dem Interessierten erstellt. "In der Regel melden sich die Kreisbetreuungsstelle Recklinghausen oder das Amtsgericht im Fall einer benötigten Betreuung bei uns", so Iris Küppertz. "Wir schauen dann, ob für diese ehrenamtliche Betreuung ein Interessierter infrage kommt." Gleichzeitig informiert, berät, unterstützt und begleitet das Caritas-Team um Kristin Damm und Iris Küppertz die Ehrenamtlichen in allen Fragen rund um die Betreuung.

Nähe und Distanz

Werner Trogemann, früher stellvertretender Leiter des Jugendamtes beim Kreis Coesfeld und lange Ratsherr im Halterner Stadtparlament, ist wie Klaus Meinders ehrenamtlicher Betreuer. Als er in Pension ging, suchte er nach einer Möglichkeit, seinen Alltag neu zu strukturieren. Ziel war dabei vor allem, anderen Menschen zu helfen. Seit 2011 hat der 73-Jährige sieben Halterner betreut; zurzeit sind es zwei, darunter eine 88-Jährige, die an Demenz erkrankt ist. "Natürlich baut man eine Beziehung auf, aber man muss auch die nötige Distanz wahren", beschreibt er einen Spagat. Meistens haben die, die rechtliche Unterstützung brauchen, keine Angehörigen, oder diese fühlen sich überfordert.

Klaus Meinders hat sich das Rüstzeug für sein Ehrenamt in den angebotenen Fortbildungsseminaren des Caritas Centrums geholt. Für ihn kam jedoch die Betreuung einer älteren Person nicht infrage. Der 66-Jährige kümmert sich seit vier Jahren um einen 49-Jährigen. "Ein netter Mensch ist das, wir kommen gut miteinander aus." Der 49-Jährige lebt in einer eigenen Wohnung im Ernst-Lossa-Haus und ist richtig glücklich darüber. "Das Wohl und der Wille des Betreuten steht immer an oberster Stelle", betonen sowohl Klaus Meinders als auch Werner Trogemann.

Keine Risiken

Aufgaben von Klaus Meinders und Werner Trogemann sind in der so genannten Bestellung geregelt. Es geht unter anderem um die Regelung von Heimangelegenheiten, Vertretung vor Ämtern und Behörden, Regelung des Postverkehrs und der Vermögensangelegenheiten. Der Betreuer vertritt die ihm anvertraute Person gerichtlich und außergerichtlich. Die Notwendigkeit einer Betreuung wird alle fünf Jahre neu überprüft. Manchmal, wie im Fall eines Flüchtlings, endet sie nach einem Jahr. Sie kann aber auch, wie häufig bei älteren Menschen, bis zum Tod fortgeführt werden. Ehrenamtliche Betreuer sind über den Betreuungsverein versichert, sie gehen bei ihrer Aufgabe keine persönlichen Risiken ein.

Werner Trogemann und Klaus Meinders erklären übereinstimmend, was für dieses Ehrenamt wichtig ist: Zeit, Einfühungsvermögen und Respekt dem Betreuten gegenüber. "Man muss wissen, dass man Zeit investieren muss, zu Beginn ein bisschen mehr, dann reduziert sich eine Betreuung im Schnitt auf einen Tag pro Woche", erzählt Werner Trogemann. Es sei ein Geben und ein Nehmen. Betreute seien einfach dankbar, dass jemand da ist, der sich um sie kümmert.

"Wirklich eine Freude"

Angst vor den Aufgaben müsse niemand haben. Eigentlich entscheide man Dinge, die man auch für sein eigenes Leben entscheiden müsse. Über allem stehe immer die Frage: Kann ich das verantworten? Dazu müsse man kein Experte sein. "Wenn ich Fragen habe, finde ich immer einen Weg. In meinem Beruf war das genauso", sagt Klaus Meinders. Für ihn war der Aufgabenbereich ganz neu: "Es macht mir wirklich Freude, mir neue Erfahrungswelten zu erschließen."

Werner Trogemann erzählt noch ein schönes Beispiel aus der Arbeit mit einer dementen Betreuten. Von ihr wusste er, dass sie gerne Tomaten isst. Jedes Mal, wenn Werner Trogemann die Dame besuchte, brachte er Tomaten mit. Der gute Geschmack im Mund weckte freudige Erinnerungen an früher. Der Besuch war sofort entspannt und vergnügt.

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