Eurokrise

Der Euro ist weiter in Gefahr, aber es gibt Lösungsansätze für die Krise

In Deutschland müssen die Löhne steigen, um die Krise des Euro zu bewältigen, sagte die Taz-Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann im Alten Rathaus.

Flüchtlingskrise, Brexitkrise - das sind die beherrschenden aktuellen Themen in den Medien. Von der Eurokrise redet zurzeit kaum jemand. Dabei ist sie noch längst nicht vorbei. Das machte die Wirtschaftsjournalistin und Buchautorin Ulrike Hermann in einem informativen und spannenden Vortrag im Alten Rathaus klar.

Die Organisatoren - Stadtbücherei, VHS und Freunde der Stadtbücherei - freuten sich über einen mit rund 80 Besuchern voll besetzten Saal und die anschließende lebendige Diskussion mit der Taz-Redakteurin, die bereits zum wiederholten Mal in Haltern war.

Vier Ursachen für die Krise des Euro

Ulrike Herrmann analysierte vier Eurokrisen als Gefahrenquellen: Länder wie Griechenland hätten sich im Ausland verschuldet, nicht bei eigenen Banken und seien dadurch in Schwierigkeiten geraten.

Zum Zweiten sei die Eurozone falsch konstruiert, so Herrmann. 19 Mitgliedsländer gäben eigene Staatsanleihen heraus, zwar alle in der gleichen Währung aber zu unterschiedlichen Konditionen und unter differenten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Damit sei Investoren und Spekulanten Tür und Tor geöffnet, Länder in die Pleite zu treiben.

Die "dritte Krise" sei der Wettbewerb, so Ulrike Herrmann. Insbesondere der deutsche Exportüberschuss erzeuge Defizite in den anderen Ländern. Durch

Lohndumping und den wachsenden Billiglohnsektor habe sich Deutschland in den letzten zehn Jahren einen Wettbewerbsvorteil "erschlichen", der andere Volkswirtschaften, beispielsweise Frankreich in Schwierigkeiten bringe.

Viertens seien Managementfehler für die schwelende Eurokrise verantwortlich. Im Prinzip gebe es nicht mehr einen Euro, sondern 19, sagte Ulrike Herrmann in Haltern. Der Schuldenschnitt für Griechenland habe den Euro "von innen gesprengt". "Die Folgen erleben wir heute. Wenn ein Grieche oder Italiener Geld anlegen will, dann eröffnet er ein Konto in Deutschland oder kauft hier Immobilen. Die Folgen sehen wir in den großen Städten", so Herrmann.

Schulden aufkaufen und Löhne anheben

Zwei Maßnahmen hält Ulrike Herrmann für dringend erforderlich, um den Euro zu retten: Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse Schulden von in Not geratenen Staaten aufkaufen, wie sie es in Irland bereits zum Teil getan habe. "Außerdem muss in Deutschland das Lohnniveau kontinuierlich steigen, um wieder einen Ausgleich zwischen den Volkswirtschaften zu schaffen", so die Wirtschaftsjournalistin. "Hartz IV einzuführen ohne einen Mindestlohn festzulegen, hat einen riesigen Billiglohnsektor geschaffen, der den Wettbewerb verzerrt.

In der sehr engagierten Diskussion wurden auch weitere aktuelle Fragen angesprochen wie die mögliche Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, die Rolle der USA und Russlands und vor allem der Brexit.

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