Facebook-Aktion

Diese Halternerinnen verschenken Zeit mit ihren Pferden

Haltern - Die Halternerinnen Anja Lemmnitzer und Nadine Bergmann wollen zu Weihnachten etwas Gutes tun und bedürftigen Kindern helfen. Sie verschenken Zeit mit ihren Pferden. Von der Resonanz auf ihr Angebot sind sie überwältigt.

Zeit mit ihren Pferden verschenken und dadurch Kinderaugen zum Funkeln bringen - das wollen die beiden Halternerinnen Anja Lemmnitzer und Nadine Bergmann zu Weihnachten machen. Die Idee stammt aus der Facebookgruppe "Schenke Kindern Zeit mit Pferden (Kreis Recklinghausen)". Profitieren sollen Kinder, die sich sonst keine Reitstunden und kein Pferd leisten können. Im Kreis Recklinghausen und auch bundesweit beteiligen sich viele Pferdebesitzer an der Aktion.

Nadine Bergmann war von der Idee von Anfang an begeistert. Sie möchte einfach mal "etwas zurückgeben". Besonders Kinder, die schwere Schicksalsschläge erleiden mussten, sollen profitieren. Diesen Kindern möchte auch Anja Lemmnitzer eine Freude machen. "Warum sollte man an Weihnachten nichts Gutes tun? Die Kinder freuen sich darüber und ich bin ja so auch oft am Stall."

Das war der Grund, warum sie auf Facebook und auf Instagram (ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos) Zeit mit ihren Pferden Fips und Jonas angeboten hat. Ihre Pferde seien super für so eine Aktion geeignet. "Beide sind sehr gut erzogen." Besonders Kaltblut-Wallach Jonas sei bei den Kindern sehr beliebt. "Jonas ist ein echter Schatz. Er weiß auch sofort, ob ich oder ein Kind ihn führt - bei Kindern ist er dann immer besonders vorsichtig."

Momentan haben sich etwa zehn Eltern und Kinder bei Anja Lemmnitzer gemeldet. "Wenn es nicht mehr werden, dürfen wahrscheinlich auch alle kommen". Viele Eltern, die ihr bisher geschrieben haben, schicken ihr oft sehr lange Nachrichten. "Teilweise erzählen sie mir ihre ganze Lebensgeschichte."

Berührende SchicksaleÄhnliches erlebt auch Nadine Bergmann. Bei ihr haben sich fast "zu viele" gemeldet. "Das wird echt schwer, wenn ich mich da entscheiden muss, schließlich will ich kein Kind enttäuschen." Deshalb wird Nadine mehrere Kinder zu sich und ihrem Pferd Marley einladen. "Am Anfang habe ich nicht gedacht, dass sich so viele melden und dass der Aufruf solche Wellen schlägt." Aber sie freut sich. "Ich arbeite im Altenheim und weiß, wie sehr man sich für Pferde begeistern kann. Tiere sind die besten Therapeuten", sagt die Altenpflegerin. Marley, ihre Stute, sei ein total verschmustes Pferd.

Weil sie sich nicht entscheiden kann, möchte Nadine die Gewinner auslosen. "Das sind so viele Schicksale, die mich persönlich berühren. Allein nach dem ersten Tag hatte ich 25 Anfragen."

Sie hofft, dass sie sich mit anderen Pferdehaltern wie zum Beispiel Anja Lemmnitzer absprechen kann, damit man die Kinder untereinander aufteilt.

Die Altenpflegerin möchte noch im Dezember die ersten Kinder einladen. "Ich denke, dass wir uns dann nachmittags treffen werden und dann Marley putzen und füttern. Die Kinder sollen mal einen Tagesablauf am Stall kennenlernen. Wer Lust hat, darf natürlich auch reiten." Ein Zeitlimit will die Pferdebesitzerin dabei nicht setzen. "Die Kinder dürfen so lange bleiben, wie sie wollen." Und wenn ein Kind fragt, ob es Marley ab und mal besuchen kann? "Da würde ich natürlich nicht Nein sagen."

Anja Lemmnitzer dagegen wird die Kinder voraussichtlich erst im neuem Jahr einladen. "Die Kinder können sich bis zum 20. Dezember bei mir melden." Danach will sie sich mit den Eltern und Kindern in Verbindung setzen und gemeinsam einen Termin vereinbaren. "Da ich zwei Pferde habe, kann man das wahrscheinlich ganz gut aufteilen." Sie möchte spontan schauen, wann alle Beteiligten Zeit haben, ein Elternteil soll immer mit dabei sein.

Reiten, ein teures HobbyAnja Lemmnitzer und Nadine Bergmann wissen beide, dass sich viele Familien das Hobby Reiten nicht leisten können. Dieser Sport ist nicht einfach zu finanzieren. "Ich habe während meiner Ausbildung mein ganzes Geld ins Pferd gesteckt", erzählt Nadine Bergmann. Dafür habe sie dann auch ab und an aufs Feiern gehen verzichtet. Auch Anja Lemmnitzer musste für das Reiten etwas opfern. "Ich musste mich damals zwischen Fußball und Reiten entschieden, am Ende hat das Reiten gewonnen."

Sie weiß, dass nicht alle Eltern sich so etwas leisten können. "Es sind ja nicht alleine die Reitstunden, die du bezahlen musst. Dann gibt es noch die Ausrüstung oder im Sommer mal die Reiterferien. Reiten ist sehr zeitintensiv und du brauchst erst mal Pferd, Reitlehrer und Eltern, die dich zum Stall bringen."

Gerade deswegen möchten die beiden an Weihnachten den Kindern etwas Gutes tun. "Wenn die Kinder diese Funkeln in den Augen haben, dann freue ich mich natürlich auch", sagt Anja Lemmnitzer. Sie überlegt außerdem, gemeinsam mit einer Freundin in einem Kinderheim anzufragen. "Die Kinder dort finden das sicher auch toll."

Und auch Nadine Bergmann möchte nicht nur zu Weihnachten etwas Gutes tun. "Es wäre toll, wenn man auch außerhalb von Weihnachten solche Aktionen machen könnte." Sie überlegt, im kommenden Jahr eventuell selbst etwas auf die Beine zu stellen.

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