Freispruch nach Masturbationsverdacht

Vorbildliche Zeugenaussage einer 14-Jährigen

HALTERN - Drei Wochen lang saß er in Untersuchungshaft, bei der Verkündung des Freispruchs ist der Angeklagte erleichtert in seinem Stuhl zusammengesackt und musste erst einmal ganz tief durchatmen. Fast genau ein Jahr nach seiner Festnahme stand der zur Tatzeit 27-Jährige am gestrigen Mittwoch vor Gericht, weil er in Haltern am Kanal vor zwei damals 13-jährigen Mädchen masturbiert haben soll.

"Nach der Schilderung der Zeugin können wir den Anklagevorwurf nicht aufrecht erhalten", sagte Richter Frank Waab, Direktor des Amtsgerichts Marl. Der Angeklagte (inzwischen 28 Jahre alt) wohnt in Erftstadt bei Köln, im Mai 2017 habe er seinen Bruder in Haltern besucht, als er allein mit dem Fahrrad am Kanal unterwegs gewesen sei, sagte der Angeklagte aus. Die beiden damals 13-jährigen Halternerinnen haben am Ufer in der Sonne gebadet, der Mann sei mehrmals an ihnen vorbeigefahren, hieß es. Der Angeklagte betont jedoch, die Mädchen nur beiläufig gesehen zu haben.

Nachdem die Kinder über eine Treppe auf die Kanalbrücke der Recklinghäuser Straße gingen, blickte eines der Mädchen vom Brückengeländer zurück, weil es sich von dem Angeklagten verfolgt fühlte. Da stand er vor einer Wand, hatte die Hose heruntergezogen und hielt sein Geschlechtsteil in der Hand. Das Mädchen vermutete Masturbation, der Mann beteuert, uriniert zu haben, als er die Kinder nicht mehr sehen konnte.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschrieb die heute 14-Jährige die Gegebenheiten vor Ort und die schwer einsehbare Treppe. "Einzigartig, ganz selten hören wir so völlig neutrale Schilderungen", lobte Richter Waab die Jugendliche anschließend. Sexuelle Handlungen habe sie nicht ausdrücklich gesehen. Damit blieb auch der Staatsanwaltschaft nur, den Freispruch zu fordern. Der Angeklagte bekommt für die drei Wochen, die er in Haft saß, eine finanzielle Entschädigung, laut Amtsgericht etwa 15 bis 20 Euro pro Tag.

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