Das Geschäft mit dem Acker

Private Anleger treiben Preise für Agrarflächen in Rekordhöhen

HALTERN - Die Preise für Ackerland sind in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Dabei spielt die Bodenqualität eher eine untergeordnete Rolle. Agrarland gilt längst auch als interessante Geldanlage.

Die Kaufkraft in der Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die Preise für Agrarland stiegen trotzdem auf Rekordhöhe. Auch in Haltern. Gründe gibt es viele: Zum einen sind die Flächen knapp. Auch der Flächenverbrauch in NRW durch die Schaffung neuer Verkehrs-, Siedlungs- und Ausgleichsflächen wirkt sich preistreibend auf verbleibende Ackerflächen aus. Und immer mehr Kapitalanleger greifen in Zeiten niedriger Zinsen auf den Boden als sicheren Sachwert zurück.

"Die Ackerfläche in NRW, auch in Haltern, ist knapp", sagt Georg Jacobs von der WLV Service GmbH in Münster, einer Tochter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Aus wirtschaftlicher Sicht sei das Preisniveau teilweise nicht mehr zu vertreten. Das bestätigt auch Ludger Winkelkotte, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbands Haltern, Sythen, Lavesum. Die Preissteigerungen durch den Konkurrenzdruck seien enorm. "Der Kaufpreis liegt oft weit über dem Wert, den ein Landwirt mit dem Acker erwirtschaften kann."

Gut fünf Euro pro Quadratmeter

2016 zahlten Käufer in NRW im Schnitt 44.500 Euro für einen Hektar Agrarland - 15 Prozent mehr als 2015. Im Kreis Recklinghausen waren es sogar 67.767 Euro.

Diesen Kaufwert erzielen die Flächen in Haltern zwar noch nicht. Allerdings liegt auch die Stadt mit ihren Ortsteilen bereits über dem Landesdurchschnitt. Im vergangenen Jahr kostete hier ein Quadratmeter Ackerfläche gut 5 Euro. Während in Hamm-Bossendorf, Flaesheim und Hullern 4,70 Euro bezahlt werden mussten, waren es in Haltern, Lippramsdorf und Holtwick 5, in Sythen 5,10 und in Sythen-Lehmbraken und Lavesum sogar 5,40 Euro pro Quadratmeter Ackerland.

2014 lag hier der Preis noch bei 3 Euro, weiß Jürgen Vahlhaus, Vorsitzender des Gutachterausschusses des Kreises Recklinghausen. Ändern wird sich an der Entwicklung nichts - im Gegenteil: Jürgen Vahlhaus ist sicher, "dass die Ackerpreise in Zukunft weiter steigen werden." Dabei zählen die überwiegend sandigen Böden hier nicht einmal zu den besten.

Sichere Geldanlage

Doch die Konkurrenz wächst: Immer mehr Fremdanleger - Käufer, die nicht aus der Landwirtschaft stammen - verpachten die Flächen für viel Geld. "Es gibt immer mehr außerlandwirtschaftliche Investoren", sagt Georg Jacobs von der WLV Service GmbH. "Ackerland ist eben eine sichere Geldanlage."

Dabei steigen die Pachtpreise entsprechend dem Preisboom beim Ackerland. Nach Aussage des Geschäftsführers des landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen, Wolfgang König, liegt der Pachtpreis in Haltern durchschnittlich bei gut 500 Euro je Hektar und Jahr. Dabei komme in Haltern kein landwirtschaftlicher Haupterwerbsbetrieb ohne zusätzlich gepachtete Flächen zurecht.

Eher kleine VerkaufsflächenDem gegenüber werden dem Gutachterausschuss im Kreis Recklinghausen rund 30 Verkäufe pro Jahr gemeldet. Die veräußerten Flächen sind mit bis zu zwei Hektar eher klein, sagt Jürgen Vahlhaus.

Das Statistische Landesamt gibt die Größe der Landwirtschaftsfläche im Kreis Recklinghausen für 2005 mit 30 Hektar (299.216 Quadratmeter) an. Zehn Jahre später waren es noch 28,7 Hektar (287.203 qm). Von 2005 bis 2015 gingen damit 12.013 Quadratmeter Ackerland verloren - das entspricht einem Rückgang von vier Prozent. Im selben Zeitraum nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche um gut vier Prozent zu. Sie betrug 2015 249.000 Quadratmeter.

"Die Landwirte blicken mit großer Sorge auf die Preisentwicklung", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Teure Kauf- und Pachtpreise führten viele landwirtschaftliche Familien an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

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