Gibt es in Haltern Hoffnung auf ein neues Kino?

"Es wäre schön, wenn Haltern wieder ein Kino hätte"

Haltern - Das Deli-Theater, das Römer-Theater und nicht zuletzt die Filmklappe gehören in die Halterner Kinogeschichte. 2003 schlossen die Türen des letzten Kinosaals in der Stadt. Doch der Wunsch nach einem Kino ist bis heute ungebrochen.

Haltern hat seit 2003 kein Kino mehr, aus wirtschaftlichen Gründen war der kleine Vorführsaal an der Zaunstraße nicht mehr zu halten.

Mit Unterstützung der Deutschen Filmförderanstalt hatte Karl-Heinz Voss es am 4. April 1980 eröffnet. Es war damals mit 80 Sitzplätzen das kleinste in Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt zählte Karl-Heinz Voss 15.000 Besucher pro Jahr. In Haltern gab es täglich eine Vorstellung, samstags und sonntags drei. Außerdem organisierte der Halterner (qualifiziert mit einem staatlichen Filmvorführerschein) Filmnächte oder Dirty-Dancing-Film-Tanznächte. "Mein einziger freier Abend war der Heiligabend", erzählte Karl-Heinz Voss der Halterner Zeitung.

23 Jahre Kino-Geschichte gehen zu Ende

Voss gab 1998 das Kino aus Altersgründen an Helmut Fortmann weiter. Der schloss im September 2003 das Haus ab: Das Interesse schwand, durchschnittlich saßen bei Vorführungen zwei Zuschauer in den Kinosesseln. 23 Jahre Kino-Geschichte waren abgespult.

Zwei andere Kinos hatten schon viel früher dichtgemacht: das Römer-Theater und das Deli-Theater. Dazu ein Blick zurück zu den Anfängen. Im Jahr 1906 hatte ein Wanderkino für vier Tage in Haltern einen Kinematographen aufgebaut. In einem Zelt an der Recklinghäuser Straße wurde dem erstaunten Publikum "in einem Riesen-Weltstadtprogramm nur das Allerneueste und denkbar Beste" vorgeführt. Fortan kamen häufiger Wanderkinos in Wirtshaussäle. Im Saal von Josef Geldmann, Ecke Bahnhof-/Recklinghäuser Straße, gastierte das "Volkstümliche Lichtspielhaus - ein Reformtheater lebender Photographien" mit den ersten Stummfilmen.

Wo heute Kodi ist, liefen damals Kinofilme

Im Lichtspielhaus bei Franz Sondermann - heute Kodi - gab es drei Mal wöchentlich Kino, begleitet von den neuesten Musikinstrumenten. 1924 zeigte dann Josef Nieborg im Sondermannschen Saal am Rekumer Tor die ersten Spielfilme.

Als das Kinogeschäft in den Nachkriegsjahren boomte und überall neue Filmtheater entstanden, eröffnete Nieborg, um der Konkurrenz zuvorzukommen, 1954 sein zweites Kino in Haltern, das Deli-Theater an der Mühlenstraße. Filme wie "Das Lied der Bernadette" oder "Die Sünderin" zogen die Massen an. 1000 Plätze im Römer- und Deli-Theater reichten da nicht aus. Es mussten regelmäßig Klappstühle herangeschafft werden. Bis zur Einführung des Fernsehens bestand für Kinos übrigens noch Vergnügungssteuerpflicht.

Das Fernsehen läutete schließlich den Niedergang der beiden Kinos ein. Das Deli schloss 1969, das Römer-Theater gab 1977 auf.

"Es wäre schon schön, wenn Haltern wieder ein Kino hätte", schreibt Tina Suer auf der Facebook-Seite der Halterner Zeitung. Mit diesem Wunsch steht sie nicht alleine da. "Ja, ein Kino wäre toll!", pflichtet ihr Patrick Schiavone bei.

"Der Wunsch ist insbesondere bei Jugendlichen nicht neu"

Allerdings gibt es bei der städtischen Wirtschaftsförderung weder aktuell noch zurückblickend Interessensbekundungen von Investoren oder Betreibern, in Haltern ein (neues) Kino zu etablieren. "Gleichwohl ist der Wunsch insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach einem Kino nicht neu", stellt Maria Lichter (Wirtschaftsförderung) fest.

Zugunsten von großen Kinokomplexen war über Jahre eine Welle von Schließungen kleinerer Kinos wie in Haltern oder auch in benachbarten Städten zu beobachten. "Die Großkinos benötigen aus betriebswirtschaftlichen Gründen einen Einzugsbereich, der weit über das eigene Stadtgebiet hinausreicht. Insofern ist die Tragfähigkeit eines Kinos in jeder Stadt heute nicht mehr darstellbar, das heißt, nicht realisierbar", sagt Maria Lichter.

So fahren Halterner Kinofreunde vorzugsweise nach Dülmen, Recklinghausen, Münster oder Bochum. Alles keine weiten Wege.

Hamburger Investor entscheidet sich für Lüdinghausen

Warum sich ein Hamburger Kinobetreiber ausgerechnet für Lüdinghausen als neuem Lichtspielort entschieden hat, wollte im Rathaus Lüdinghausen niemand sagen. Das sei eine interne Angelegenheit, hieß es. In Lüdinghausen allerdings gibt es als begünstigende Faktoren ein Grundstück für die Neuerrichtung eines Gebäudekomplexes mit integriertem Kino, einen Investor und einen Betreiber.

Kinobetreiber und Kommunen investieren in NRW wieder vermehrt in Neu- und Anbauten.

Der Rat in Lüdinghausen hatte 2017 grünes Licht gegeben. Die Stadt verkaufte das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück an die Apollon-Gruppe. Neben einem Supermarkt sollen auf dem Areal fünf Kinosäle mit insgesamt 700 Sitzplätzen entstehen. Betreiber: die Kino K-Motion. Das Hamburger Unternehmen hat einen Mietvertrag über 20 Jahre unterschrieben. Es investiert zudem zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro in den Innenausbau.

Das sagen die Halterner zu einem Kino in ihrer Stadt:

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