Halterner Imker klagen übers Bienensterben

"Wir müssen Bienen mehr Platz bieten"

HALTERN - Die Pflanzenvielfalt geht zurück. Das setzt Honig- und Wildbienen zu. Doch es gibt noch mehr Ursachen für das Sterben dieser Insekten. Darüber klagen auch örtliche Imker in Haltern am See. Mit Verlusten bei ihren Bienenvölkern müssen sie sich seit Jahren arrangieren. Zu stark haben sich die Lebensbedingungen der Insekten verändert.

Inwiefern ist die Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich?

Es wird immer konsequenter bewirtschaftet. An den Äckern und Wegen gebe es immer weniger grüne Ränder, erklärt Niels Ribbrock von der Biologischen Station Kreis Recklinghausen. "Es gibt immer weniger Platz und Brachflächen für Blühpflanzen." Ribbrock: "Wir müssen mehr Platz bieten."

Wie sieht es mit Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden aus?

"Wildkräuter sind auf dem Acker nicht erwünscht", sagt Ribbrock. "Sie werden weggespritzt." Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen, Friedrich Steinmann, weiß um die Rolle der Bauern in Sachen Bienenrückgang. "Unsere Strategie ist es, mit so wenig Chemie wie möglich auszukommen." Steinmann verweist auf den finanziellen Aspekt. "Wenn das Verhältnis von Einsatz und Ertrag nicht stimmt, rechnet sich die Bewirtschaftung der Felder nicht mehr." Auch Naturschützer wissen um den wirtschaftlichen Druck der Landwirte. "Hier ist auch der Verbraucher gefragt", macht Steinmann deutlich. Wer Bio will, muss bereit sein, mehr zu zahlen.

Insbesondere eine Wirkstoffgruppe bei den Insektiziden - die Neonicotinoide - steht im Verdacht, für Bestäuber äußerst schädlich zu sein. Die Nervengifte stören ihren Orientierungssinn. Die Bienen finden nicht mehr zum Stock zurück. Das hat auch der Imkerfachverein Haltern 1898 beobachtet.

Was bringen Blühstreifen an Ackerrändern?

Der Wille in der Landwirtschaft, zur Biodiversität (biologischen Vielfalt) beizutragen, ist da. Blühstreifen können laut Ribbrock aber auch zur "ökologischen Falle" werden, wenn Insektizide vom Acker herüberwehen und Insekten sie so wieder aufnehmen.

Was schadet den Bienen noch?

Die amerikanische Faulbrut (Bienenpest), die Varroamilbe und der Klimawandel gefährden die Honigbiene. Wildbienen dagegen mögen es wärmer. Bienen-"Flüsterer" Volker Fockenberg, Geograf und Bio-Station-Berater, kritisiert die "Steinepest" in privaten Gärten - also das Abfüllen von Flächen mit Schotter und Split. "Über die Hälfte der Wildbienen nisten im Boden." Die Lebensgrundlage werde ihnen entzogen. Ganz zu schweigen von den fehlenden Nahrungspflanzen für Wild- und Honigbienen. Aber auch städtische Grünflächen werden oft penibel sauber gehalten. Ribbrock: "Blühende Wiesen sind Mangelware." Steinmann: "Städtische Unternehmen schneiden Wege- und Straßenränder oft so kurz, dass keine Blume wachsen kann."

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