Halterner rettet Mann und erhält NRW-Rettungsmedaille

"Da waren keine Angst, keine Bedenken"

Haltern - Eigentlich war der Einsatz für Reinhard Dittrich keine große Sache. Vor drei Jahren rettete er einen Mann auf dem Campingplatz am Dülmener See aus einem brennenden Vorzelt. Das Land NRW sah das anders - und hat dem Halterner deshalb die Rettungsmedaille des Landes verliehen.

"Nachgedacht habe ich eigentlich nicht", sagt Reinhard Dittrich, wenn er an den Vorfall vor drei Jahren zurückdenkt. "Da waren keine Angst, keine Bedenken." Sein schnelles Handeln hat einem Mann das Leben gerettet. Dafür hat in Vertretung des erkrankten NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet Ministerin Ina Scharrenbach Dittrich, seinen Kollegen Klaus Sikorski und den Halterner Friedhelm Schäfer am Freitag mit der Rettungsmedaille des Landes in Mönchengladbach ausgezeichnet.

20 Meter hohe Feuersäule durchschneidet den Nachthimmel

Es ist der 25. Oktober 2014 gegen Mitternacht. Polizeihauptkommissar Dittrich ist gerade mit einer Kollegin im Streifenwagen unterwegs, als die Leitstelle einen Brand auf dem Campingplatz am Dülmener See meldet. "Wir waren in zwei Minuten da, noch vor der Feuerwehr", sagt Dittrich. Auch sein Kollege Klaus Sikorski kommt dazu.

Eine 20 Meter hohe Feuersäule durchschneidet den Nachthimmel. Darunter brennt ein Wohnwagen, das Vorzelt steht in Flammen. "Von Weitem haben wir zwei Männer in dem Zelt erkannt", sagt Dittrich. Er und sein Kollege rennen los, stützen den Benommenen, der von seinem Bekannten aus dem Zelt geschleift wird. Weil die Polizisten noch eine Frau und ein Kind im Zelt vermuten, suchen sie weiter. Immer wieder gehen die beiden ins Zelt, schirmen den Rauch mit der Hand vorm Mund ab. Können aber niemanden finden. Später stellt sich heraus: Frau und Kind waren tatsächlich nicht da. Am nächsten Tag wird das Ausmaß klar: Die 15 Wohnwagen sind bis auf den Grund abgebrannt.

"Für mich war das nicht so eine große Heldentat"

Dittrichs und Sikorskis Mut hat die Staatskanzlei NRW nun ausgezeichnet. "Ich freue mich über den Preis, aber für mich war das nicht so eine große Heldentat", sagt Dittrich. Auch wenn er eingesteht, dass der Mann ohne seinen Kollegen und ihn möglicherweise im Zelt verbrannt wäre.

Festakt in Mönchengladbach

Bei dem Festakt am Freitag würdigte Ministerin Ina Scharrenbach besonders die Leistung des Halterners Friedhelm Schäfer.

Dieser bewohnt eine Parzelle auf dem Campingplatz am Dülmener See, als am 25 Oktober 2014 nacht gegen halb eins das Feuer ausbricht. Wie bereits berichtet, hat ein Bewohner der etwa 170 Wohnwagen seine neue Gasheizung angestellt, die plötzlich in Brand gerät. Das Feuer greift auf mehrere Wohnwagen über. Friedhelm Schäfer und läuft sofort zu den brennenden Wohnwagen.

"Ein Nachbar berichtet ihm aufgeregt, dass sich in einem der Wohnwagen noch eine Person befindet und tatsächlich sind nun auch schon Schreie zu hören. Friedhelm Schäfer folgt den Schreien bis zu einem Vorzelt, in dem offenbar ein Mann verzweifelt versucht, durch den dichten Rauch den Ausgang zu finden", beschreibt Ina Scharrenbach die Situation in ihrer Laudatio. "Friedhelm Schäfer drückt kurz entschlossen die Holztür des Vorzeltes auf. Im hinteren Bereich des Vorzeltes findet Friedhelm Schäfer den eingeschlossenen Camper, kann ihn am Hemd greifen und hinausführen. Doch noch im Gefahrenbereich bricht der Mann ohnmächtig zusammen", so Ina Scharrenbach.

Gefahr für Retter

Die beiden Polizeibeamten Klaus Sikorski und Reinhard Dittrich treffen genau in dem Moment ein, als Friedhelm Schäfer den bewusstlosen Bewohner aus dem Gefahrenbereich zieht und unterstützen ihn dabei.

Die zwei Polizisten und der Halterner Friedhelm Schäfer sind zwei von insgesamt 20 Retterinnen und Rettern aus den vergangenen vier Jahren, die Scharrenbach am Freitag ausgezeichnet hat. Sie alle verbindet ihr unerschrockener Mut, Menschen aus Notsituationen zu retten. Vor dem Ertrinken, vor Bränden. Auch die Retter der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Ende 2015 Opfer eines Messer-Attentats war, wurden ausgezeichnet. Dittrich weiß, auch wenn es sein bis dato dramatischster Einsatz war: "Ich würde es wieder machen."

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