Hinweistafeln warnen vor Eiswurf

Wenn das Windrad friert, droht in Haltern Gefahr von oben

Haltern - Schilder an Windrädern mit dem Hinweis "Vorsicht Eiswurf" beunruhigen den Halterner Dirk Klaus. Sind Spaziergänge und Autofahrten nahe der Anlagen nur noch unter Lebensgefahr möglich?

Eiswurf ist eine Gefährdung, die vor allem in den Wintermonaten von Windrädern ausgehen kann. Dirk Klaus, FDP-Ratsherr, weiß das, ihn machte allerdings eine Warntafel in Lavesum an der Sythener Straße stutzig. Der Betreiber hat sie im Abstand von 290 Metern zu seiner Anlage aufgestellt. "Betretungsverbot? Anscheinend kommt der Eigentümer zu der Einschätzung, dass zumindest zeitweise eine Gefahr von seinem Windrad ausgeht." Jetzt will Dirk Klaus von der Stadt wissen, welche Maßnahmen sie zum Schutz der Bürger erwägt, wer die Sicherheitseinrichtungen am Windrad kontrolliert, ob die Stadt von Ausfällen oder Unfällen weiß.

"Wir sichern uns damit rechtlich ab"

Der richtige Ansprechpartner ist zunächst einmal allerdings ein Windrad-Betreiber. So wie Markus Nolte von der Windenergie-Gesellschaft "WiKoNo", die Anlagen an der Wilhelm-Koch-Straße in Bergbossendorf nahe der B58 gebaut hat. "Es ist gesetzlich vorgeschrieben, die Warntafeln am Montageweg nahe der Anlage aufzustellen. Sie müssen das ganze Jahr über stehen", sagte er auf Nachfrage gegenüber der Halterner Zeitung. "Sie ändern zwar grundsätzlich nichts an der Gefahr, aber wir sichern uns damit rechtlich ab."

Ihm und seinen Gesellschaftern sind die Warntafeln allerdings inzwischen zwei Mal abhanden gekommen. "Sie scheinen Begehrlichkeiten zu wecken", aber so lustig findet er das eigentlich nicht. Grundsätzlich ist Eiswurf nie ausgeschlossen. Jedoch stellt sich eine Anlage sofort ab, wenn ein Rotor vereist. Das geschieht bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent und einer Temperatur von unter 0 Grad Celsius oder bei Eisregen. Es besteht dann die Gefahr, dass sich Eisstücke lösen und aus über 150 Metern hinabstürzen.

Eis kann während des Herunterfahrens auf den Boden fallen

Allerdings sind die Windräder mit einer speziellen Technik ausgestattet. Über Sensoren, so erläutert Markus Nolte, werden die Schwingungen des Rotorblattes gemessen. Wenn dieses vereise, schwinge es anders. Es bilde sich eine Unwucht. "Sobald das geschieht, schaltet sich das Windrad automatisch ab", betont Nolte. Das wiederum bedeutet, dass Eis, wenn überhaupt, nicht bei voller Geschwindigkeit auf den Boden fällt, sondern während des Herunterfahrens. Das Eis wird daher nicht in die Ferne geschleudert, sondern landet in den meisten Fällen direkt unter dem Windrad. Deshalb warnen die Windbauern per Schild am Betriebsgelände: "Betreten verboten!"

In Haltern ist es bereits zum Stillstand gekommen

"Unsere Windenergieanlagen sind serienmäßig mit einem zuverlässigen Eiserkennungssystem ausgestattet", sagt Markus Nolte. Diese Sensoren würden zwei Mal jährlich gewartet und stünden zusätzlich dauerhaft unter Fernüberwachung. Werde eine Anlage wegen Eisbildung abgeschaltet, könne sie erst nach einer Sichtkontrolle wieder in Betrieb genommen werden.

Sie bleibt aber immer solange außer Betrieb, bis der Eisansatz vorüber ist. "WiKoNo" hatte kürzlich diesen Fall. Da wurden die Windräder eine Nacht und einen halben Tag lang abgestellt. Einen ernsten Zwischenfall hat es aber bislang in Haltern in den verschiedenen Windzonen noch nicht gegeben. Das bestätigt auch Christian Hovenjürgen, Geschäftsführer der Windenergie Haltern. Ein Stillstand wegen Vereisung ist aber auch schon im Windpark Sythen/Lavesum vorgekommen.

Eine Abstandsregelung zu Straßen oder Häusern wegen Eiswurfs ist im Baurecht nicht verankert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Mehrere Autos stoßen in Marl zusammen – vier Verletzte
Mehrere Autos stoßen in Marl zusammen – vier Verletzte
Achtung, Autofahrer: Auf diesem Marler Parkplatz kann es jetzt richtig teuer werden
Achtung, Autofahrer: Auf diesem Marler Parkplatz kann es jetzt richtig teuer werden
Hebewerkbrücke: WSA begründet jetzt, warum es den Vertrag mit der Baufirma nicht kündigt
Hebewerkbrücke: WSA begründet jetzt, warum es den Vertrag mit der Baufirma nicht kündigt
Baupfusch: Teil der Waldstraße muss abgerissen werden - Kosten sind fünfstellig
Baupfusch: Teil der Waldstraße muss abgerissen werden - Kosten sind fünfstellig
Raubserie versetzte Oer-Erkenschwick in Angst - Täter stehen vor Gericht
Raubserie versetzte Oer-Erkenschwick in Angst - Täter stehen vor Gericht

Kommentare