Holocaust-Gedenktag

Pfarrer André Pollmann will "dem Rassismus in jeder Form entgegentreten"

Der Holocaust-Gedenktag sollte nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch ein Tag der Warnung sein, fordert Pfarrer André Pollmann auf Halterns Erinnerungsfeier.

Auf dem jüdischen Friedhof am Südwall trafen sich anlässlich des Holocaust-Gedenktages (27. Januar) Halterner Bürger, um die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. Bürgermeister Bodo Klimpel und André Pollmann, Pfarrer in St. Sixtus, sprachen auf der Veranstaltung wider das Vergessen.

"Wir erinnern an Jüdinnen und Juden, an Sinti und Roma, an Behinderte und Homosexuelle, an politische Gegner und Zeugen Jehovas, an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter", machte Halterns Verwaltungschef deutlich, dass im Dritten Reich alle Bevölkerungsgruppen verfolgt wurden, die nicht dem rassistischen Weltbild entsprachen.

Es sei wichtig, Erinnerungsarbeit zu leisten. Wer die Opfer vergesse und die Erinnerung an ihr Schicksal auslösche, "der tötet sie ein zweites Mal", zitierte Bodo Klimpel den Schriftsteller und Nobelpreisträger Elie Wiesel, der das Konzentrationslager Auschwitz überlebte.

Hinter jedem Namen steht ein Mensch

Jeder Name stehe für einen "konkreten, einmaligen Menschen", sagte Pfarrer André Pollmann und zählte die jüdischen Opfer aus Haltern auf: Heinrich, Ella und Hanna Lore Daniel, Fanny Fresco, Rosalie Meyer, Sara Pins, Karl Hamacher, Charlotte Lebenstein, Rosalie Herzfeld, Leonhard Cohen, Abraham Weyl, Nathan Lebenstein, Fritz-Otto Herzfeld, Jeanette Kleeberg, Ranette Lebenstein, Anna Rosenberg, Hermann Cohn, Max Meyer, Caecilia Meyer, Cora Meyer, Jette Meyer und Alexander Lebenstein, der den Holocaust als einziger Halterner Jude überlebte.

André Pollmann gedachte besonders der Familie Daniel, deren Geschichte der Halterner Autor Dieter Stüber in seinem Buch "Erinnern und Gedenken - Gegen Vergessen und Verdrängen" aufgearbeitet hat.

Sie wohnte an der Rekumer Straße 5 und unterhielt dort ein Textilgeschäft. Hinter dem Haus befand sich die Synagoge der Stadt. Im Sommer 1939 floh die Familie nach Diskriminierung und Drangsalierung aus Haltern, zunächst nach Recklinghausen, dann nach Dortmund.

Erinnerung an Familie Daniel

1942 verkaufte Heinrich Daniel sein Haus weit unter Wert zwangsweise an die Stadt Haltern. Die Familie wurde von Dortmund aus ins Ghetto nach Theresienstadt gebracht, 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Könnte sich Ähnliches wiederholen? "Angesichts von antisemitischen Äußerungen und Übergriffen, von Hass und Häme übelster Art in sozialen Netzwerken, von Bagatellisierung und Verharmlosung in unseren Tagen, braucht es nicht viel, sich das vorzustellen", erklärte André Pollmann.

Der Holocaust-Gedenktag sollte deshalb nicht nur ein Tag des Erinnerns sein, sondern auch ein "Tag der Warnung und ein Tag des Bemühens, die Vergangenheit zu verstehen und des Bemühens, uns selbst zu begreifen."

Junge Halterner besuchen Gedenkstätte in Israel

Der Pfarrer kündigte an, dass er im Sommer gemeinsam mit Jugendlichen aus der Gemeinde die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt, Yad Vashem am Rand von Jerusalem, besuchen werde. Dort werde man auch den Namen der Stadt Haltern lesen, weil in ihr eine Synagoge stand, und auf Spuren von Menschen aus Haltern treffen, "die Opfer einer teuflischen Rassenideologie geworden sind."

Man werde hoffentlich mit der Botschaft von Versöhnung und Toleranz zurückkehren sowie mit dem Auftrag, "an der Erinnerungsarbeit festzuhalten und dem Rassismus in jeder Form von Anfang an entgegenzutreten".

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