Internationaler Frauentag

Der SPD-Ortsverband feierte Frauentag: "Gleichberechtigung nicht selbstverständlich"

Der Internationale Frauentag am 8. März feiert den Kampf für Gleichberechtigung von Frauen. Das nahm die SPD Haltern zum Anlass für einen geselligen Abend mit politischen Liedern und Texten.

19 Uhr 19 ging es los. Die Halterner SPD-Fraktionsvorsitzende Beate Pliete schaute noch einmal auf die Uhr, bevor sie zum Mikro griff, um die Gäste - überwiegend Frauen, zu begrüßen. Die Uhrzeit sollte auf das Jahr 1919 anspielen: Seitdem dürfen Frauen in Deutschland wählen. Und doch, sagte Pliete, 100 Jahre später sei die Gleichberechtigung von Frauen nicht selbstverständlich. Es gebe noch immer ungleiche Löhne und unterschiedliche Jobchancen für Frauen und Männer - im Jahr 2019. Der Grund, aus dem sie den Frauentag am 8. März auch an Haltern nicht unbemerkt vorbeiziehen lassen wolle.

Aus den Liebesbriefen von berühmten Frauen

Zusammen mit der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD Haltern, Antje Bücker, und der Journalistin Mareike Graepel hatte Pliete die Veranstaltung zum Weltfrauentag im Alten Gasthaus Döbber organisiert, die auch für Nicht-Parteimitglieder offen stand.

Graepel las Texte von bekannten Frauen wie Rosa Luxemburg und Kriegsreporterin Martha Gellhorn, die Einblicke in die Beziehung der Frauen zu ihren Männern und die Rolle der Frau in dieser Beziehung gaben. "Ich habe kein Problem. Ich habe ein Hirn in meinem knochigen Schädel", schrieb Gellhorn in dem Liebesbrief an ihren Ehemann Ernest Hemingway.

Gleichberechtigung sei noch nicht überall angekommen

Die Organisatorinnen sprachen auch immer wieder Missstände in anderen Ländern an, in denen Frauen unterdrückt und junge Mädchen verheiratet werden. Gleichberechtigung sei jedoch auch noch nicht überall in Deutschland, nicht überall in Haltern selbstverständlich. "Von den 17 Frauen im Stadtrat sind 13 von der SPD oder den Grünen. In anderen Parteien ist das auch noch nicht so angekommen", so Pliete.

Sie beobachte außerdem eine Rückwärtsbewegung im Alltag, in dem junge Frauen in altes Rollenverhalten zurückfielen. "Da muss eine Frau ihren Mann fragen, ob sie die Ausgabe XY machen darf", sagte sie kopfschüttelnd. Sie habe Frauen in den Achtzigern teils selbstbewusster als heute erlebt. "Ich habe 1984 Abitur gemacht, und da war es normal, dass viele im Hosenanzug zum Ball kamen. Heute würde keine mehr auf die Idee kommen. Jeder so, wie er mag - aber ich will nicht, dass sich eine Frau, nur weil sie eine Frau ist, in ein Kleid pressen muss."

Die Organisatorinnen waren froh über männliche Gäste

Antje Bücker und Bärbel Ruttert-Bücker sangen über den Abend verteilt Lieder "mit Frauenbezug", wie Bücker sagte, zum Beispiel "Sisters are doin' it for themselves", das die Freiheit und Unabhängigkeit von Frauen feiert. Außerdem bekamen die Frauen in lila T-Shirts, passend zur Frauenrechtsbewegung, musikalische Unterstützung von Gitarrist Ludwig Licht.

Der habe eigentlich nur seine Tochter mit ein paar Akkorden begleiten wollen, doch sie war kurzfristig krank geworden. So musste Licht improvisieren. "Deswegen wird vielleicht auch das ein oder andere schief gehen, aber das ist ja auch ganz schön, wenn am Frauentag die Männer auch mal so ein bisschen..." Das Ende des Satzes ging dann in Lachen unter. Außer Licht saßen nur wenige Männer an den Tischen des Gasthauses. Bücker sagte aber, sie sei froh über die "Handvoll Männer, die einem das Gefühl geben, sie interessieren sich für das, was passiert."

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