10 Jahre Trauercafé

"Trauer ist nichts, wofür man sich schämen muss."

Wenn der Partner stirbt, bleiben Betroffene oft einsam zurück. Um mit ihrer Trauer umzugehen, bietet das Trauercafé der Caritas einen Ort, an dem das oft unterdrückte Gefühl willkommen ist.

"Wenn ich das zusammenrechne, dann komme ich aktuell im Jahr auf etwa 36 Kuchen", sagt Karola Hähner und lacht. Drei davon kommen an jedem ersten Mittwoch im Monat auf die Kaffeetafel des Trauercafés des Hospizdienstes des Caritasverbands Dattel und Haltern am See. Im Januar feierte das Trauercafé seinen zehnten Geburtstag.

Wenn die Einsamkeit plagt, Witwen oder Witwer ihre Familie nach einem Jahr nicht mehr mit ihrer Trauer belasten möchten oder sich Menschen nach dem Tod des Partners im Pärchen-Freundeskreis ausgeschlossen fühlen, dann kommen viele in die Räume der Caritas im Franziskushaus. Aktuell nutzten etwa zwölf Personen das kostenfreie Angebot der Caritas, um sich über ihre Trauer auszutauschen. Frauen genauso wie Männer. Und nutzen das Angebot in der Regel zwischen einem bis zwei Jahren. Einige haben jemanden vor kurzer Zeit verloren, bei anderen, sagt Hähner, liege der Verlust aber auch schon ein oder zwei Jahre zurück.

"Hier kann jeder seine Geschichte erzählen, muss es aber nicht"

"Wir bieten einen Raum, in dem sich die Gäste wohl und angenommen fühlen", sagt Karola Hähner, die das Trauercafé ehrenamtlich leitet. "Auch wenn sie schlecht zurecht sind, muss sich bei uns niemand erklären. Trauernde wollen nach einem Jahr ihre Familie oft nicht weiter damit belasten und versuchen, sich zusammenzureißen. Hier muss man das nicht", sagt Verena Cornelius, Hauptamtliche Mitarbeiterin beim Hospizdienst der Caritas. "Trauer ist nichts, wofür man sich schämen muss." Denn hier sei man unter Menschen, die ähnliches erlebt haben. "Hier kann jeder seine Geschichte erzählen, muss es aber auch nicht."

Entstanden ist die Idee des Trauercafés vor rund 15 Jahren aus einem Gesprächskreis in der St.-Marien-Gemeinde der Caritas. Weil es für die Teilnehmer dort zu belastend war, neuen Mitgliedern bei jedem Treffen ihre Trauergeschichte zu erzählen, wurde das offene Trauercafé ins Leben gerufen. Das erste Trauercafé fand am 1. Januar 2009 statt. Seither haben sich aus dem Café viele Gruppen entwickelt, die sich auch abseits der Kaffeetafel der Caritas treffen, sagt Hähner. Zum Kinobesuch, einer Fahrradtour oder auch, um gemeinsam zu verreisen. "Andere Institutionen wie Pflegeeinrichtungen oder Hausärzte haben uns mittlerweile im Blick", sagt Cornelius. Oft fehle dort die Zeit, um sich um die Trauer der Patienten zu kümmern. Dann werde Betroffenen das Trauercafé empfohlen. "Wir bieten Zeit an."

Wichtig bei Trauer sei es, die Gefühle zuzulassen. "In Einzelbegleitungen stoßen wir oft auf verschüttete Trauer. Je länger man da nicht hinguckt, desto schwieriger wird es", sagt Cornelius. Und könne bei neuen Trauerfällen reaktiviert werden oder in psychischen Beschwerden münden. Wenn der Bedarf da sei, dann verweist die Gruppe Betroffene auch an professionelle Therapeuten.

"Wir hoffen, dass es so gut weiterläuft, wie in den letzten zehn Jahren", sagt Cornelius mit Blick in die Zukunft. "Und, dass es noch selbstverständlicher wird, zu trauern."

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