Kabarettpreis Kiep geht an Michael Feindler

Wahl-Berliner punktet mit Witzen gegen Rechtsradikale

HALTERN - Vier Komiker traten in der Seestadthalle um den Kabarettpreis des Münsterlandes an. Durchsetzen konnte sich ein Wahl-Berliner, der gegen Rechtsradikale mopperte. Und überhaupt ging es dieses Mal überaus politisch zu. Im Artikel finden Sie eine Video-Kostprobe des Gewinners und die besten Bilder des Abends.

Nach siebenstündigem Marathon in der Seestadthalle stand endlich fest: Michael Feindler bekommt den Kiep samt Publikumspreis für sein politisches Kabarett. Witze gegen Nazis gehen immer, "die haben einfach nicht Recht." Nach Lisa Catena, die im schönsten Schweizer Hochdeutsch über Flüchtlingsdebatten und Ausländerfeindlichkeit, über Arbeitsausbeute und AfD frotzelte, gab Michael Feindler die Marschrichtung deutlich vor. Politisch sollte der zwölfte Kiep werden. Das kam an.

Vor allem, weil auch die Bullemänner, die seit 1996 die Moderation zwischen Kleinkunst und Küche stemmen, in die gleiche Kerbe schlugen. Augustin Upmann: "Es wird in Haltern eine Menge Leute geben, die sagen: An die Flüchtlinge muss man sich gewöhnen." Darauf Heinz Weißenberg: "Der Syrer sagt: An Haltern muss man sich gewöhnen." Wohl nicht zuletzt wegen der Gelben Säcke, die hier als Abendrobe fungieren, damit sie nicht geklaut werden.

Auch Roman Weltzien und Mia Pittroff überzeugten Publikum und Jury. "Wir haben uns sehr schwer getan mit der Entscheidung", gestand Jurorin Martina Möller nach der Preisübergabe. Und auch Bürgermeister Bodo Klimpel gab zu: "Ich habe noch nicht viele Abende erlebt, bei denen das Niveau so gleichbleibend hoch war." Dabei hatte Thomas Liedtke, der verantwortlich für die künstlerische Auswahl zeichnet, schon mehr als ein Jahr im Vorfeld aus 40 bis 50 Bewerbern die Qual der Wahl. Wichtig für ihn: "Wir wollen unverbrauchte Künstler zeigen, die nicht im Fernsehen runtergespielt werden, die noch überraschen können." Nicht die Schenkelklopfer zählten, sondern Bühnenpräsenz, Interaktion mit dem Publikum und Aha-Effekte.

Und damit die nicht den 700 Gästen im Halse stecken blieben, servierten Halterns Gastronomen - Peters Bauernstube, Tannenhäuschen, Pfeiffers Sythener Flora und Haus Teltrop - in mehreren Gängen eine angenehm frische Frühlingsküche in einem besonderen Ambiente: Kinder und Jugendliche von der Schule für Kranke der Haard-Klinik hatten 156 Kunstwerke beigesteuert. Seit 2000 stellen sie beim Kiep Bilder aus.

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