Katzengnadenhof

Online-Gamer sammeln beim Spielen Spenden für Katzenfutter und einen Katzenrollstuhl

Auf dem Katzengnadenhof bei Lippramsdorf leben 69 Katzen. Sie alle zu versorgen ist teuer. Deswegen hat Katzenfan Daria Koslowski auf einem ungewöhnlichen Weg Geld gesammelt.

650 Euro - "Das sind weit über tausend Dosen Katzenfutter", meint Silvia Bergedick. Sie muss es wissen, denn sie ist Kassenwartin des Vereins "Aktive Tierhilfe Marl/Haltern", der im Katzengnadenhof allein an einem Tag 30 Dosen Futter verbraucht. Die 650-Euro-Spende stammt von der 20-jährigen Daria Koslowski. Wie sie diese Summe zusammenbekommen hat, ist für Silvia Bergedick und die anderen Ehrenamtlichen im Katzengnadenhof schwer vorstellbar: mit Online-Spielen.

Koslowski streamt die Spiele. Das heißt, sie überträgt die Spiele live über eine Plattform, sodass ihr andere Nutzer dabei zusehen können. "Es geht darum, dass man die Leute unterhält", erklärt Koslowski. Und dabei sei es nicht ungewöhnlich, dass Zuschauer an die sogenannten Streamer, deren Spiele sie verfolgen, spenden.

Geld und ein Katzenrollstuhl für den Gnadenhof

Diese Spenden gingen oft auch an die Streamer selbst. "Aber ich habe bei einigen anderen Streamern gesehen, dass sie Geld für gute Zwecke gesammelt haben, und dann wollte ich das auch machen", so Koslowski. Als große Katzenliebhaberin sei für die Halternerin schnell klar gewesen, wofür sie spenden würde. Sie habe kurz im Internet gesucht und so den Katzengnadenhof zwischen Haltern und Lippramsdorf gefunden.

Hier ist in einem ehemaligen Schweinestall auf zwei Stockwerken alles voll mit Kratzbäumen, Futternäpfen und Katzenklos. Und mit Katzen. Aktuell sind es 69. Alle 69 haben einen eigenen Namen und eine eigene Geschichte, die die Vereinsvorsitzende Martha Reichl und die anderen Helferinnen zu erzählen wissen: Von manchen sind die Besitzer verstorben, andere wurden abgegeben, weil sie zu viel Arbeit machten, wieder andere wurden verletzt gefunden. "Da viele unserer Katzen krank sind, haben wir neben dem Üblichen für Strom, Wasser, Futter und Katzenstreu auch noch hohe Kosten für die medizinische Versorgung", so Reichl.

Als Daria Koslowski den Gnadenhof vor etwa zwei Monaten zusammen mit Marcel Plog, der ein Video über Koslowskis Spendenprojekt dreht, das erste Mal besuchte, erzählten die Helferinnen ihnen die Geschichte von Emil. Der Kater wurde schon querschnittsgelähmt auf dem Hof abgegeben, er kann nur auf den Vorderläufen robben. Die Ursache, so vermuten die Betreuerinnen: "das Kipp-Fenster-Syndrom". Der Kater habe womöglich einmal versucht, durch ein Fenster zu klettern, dass nur auf Kipp geöffnet war, und sei dabei stecken geblieben, sodass die Beine abgeklemmt wurden. "Jetzt hoffen wir, dass Emil im Sommer durch unser Außengehege flitzen kann", sagte Bergedick optimistisch.

Denn Koslowski hatte von einem Teil des Geldes, das sie gesammelt hatte, einen Katzenrollstuhl für Emil gekauft - als Überraschung für ihn und für den Verein. "Dabei hatten wir am Anfang gar nicht gedacht, dass wir so viel zusammenkriegen und hier mit mehr als einer Tüte Leckerlis stehen würden", erinnert sich Koslowski.

Koslowski bekam Unterstützung von anderen Streamern

Doch sie kontaktierte über die Plattform, auf der sie die Spiele streamt andere, "größere" Streamer, die etwas bekannter und erfolgreicher waren als sie, und überzeugte sie, auch Spenden für den Katzengnadenhof zu sammeln. Nach zwei Wochen schafften sie es auf die 650 Euro - plus genügend Geld, um den Rollstuhl zu kaufen. Als Emil nun das erste Mal seinen Rollstuhl ausprobiert, filmt Marcel Plog das "große Finale" für sein Video, das er nun in den nächsten Wochen fertigstellen will, um sich dann damit für ein Film-Studium zu bewerben. Vielleicht komme er aber trotzdem im Sommer noch einmal zurück zum Katzengnadenhof, sagt der 26-Jährige. "Um zu filmen, wie Emil im Rollstuhl durch den Garten flitzt."

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